In die Debatte über einen gesetzlichen Mindestlohn in Deutschland kommt neuer Schwung. Mit Michael Hüther, dem Chef des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft, spricht sich erstmals ein Ökonom aus dem konservativen Lager dafür aus. "In der Logik des Systems mit Grundsicherung und Tarifautonomie passt nur ein allgemeiner gesetzlicher Mindestlohn", sagte Hüther im Interview mit der Frankfurter Rundschau (Samstagausgabe).
Ein gesetzlicher Mindestlohn sei ordnungspolitisch gegenüber den Branchenmindestlöhnen allemal die saubere Lösung. "Branchenmindestlöhne sind Unsinn und sie greifen in die Tarifautonomie ein", sagt Hüther. Allerdings komme es auf die Höhe an. Laut Hüther hätte ein Mindestlohn "von rund fünf Euro nur marginale Auswirkungen auf die Beschäftigung". Darüber hinaus widerspricht Hüther Forderungen von Hans-Werner Sinn und Thomas Mayer.
Der Chef des Ifo-Instituts und der Chefvolkswirt der Deutschen Bank fordern einen weiteren Ausbau des Niedriglohnsektors in Deutschland. "Die Herren Sinn und Mayer irren, wenn sie glauben, nur durch mehr Tellerwäscher, Gärtner oder Schrankenwärter käme Deutschland voran." Das Gegenteil sei richtig, argumentiert Hüther in der FR. "Wir müssen die Menschen besser qualifizieren, mehr in Bildung investieren. Kurzum: Wir müssen höhere Löhne möglich machen!“