ROUNDUP/Konzernumbau bei Q-Cells zahlt sich aus - Gewinn zum Halbjahr erwartet

Autor: dpa-AFX
 |  24.06.2010, 12:20  |  870 Aufrufe  |   0  | 
LEIPZIG - Der radikale Umbau beim Solarunternehmen Q-Cells zahlt sich aus. Nach dem Milliardenverlust 2009 rechnet die TecDax-Gesellschaft bereits im ersten Halbjahr wieder mit einem operativen Gewinn (EBIT), wie Vorstandschef Nedim Cen am Donnerstag bei der Hauptversammlung in Leipzig erklärte. Im ersten Quartal hatte Q-Cells noch einen Verlust vor Zinsen und Steuern von gut 9 Millionen Euro verzeichnet. ´Es gibt Grund für vorsichtigen Optimismus´, rief Cen den Aktionären zu. Noch stünden allerdings weitere harte Anstrengungen bevor. Die Aktie gab bis zum Mittag in einem schwächeren Umfeld knapp ein Prozent nach. An den Vortagen hatte sich der Kurs nach einer monatelangen Talfahrt wieder etwas erholt.

Cen bekräftigte die bisherige Jahresprognose. Der Umsatz soll auf 1 bis 1,2 Milliarden Euro steigen. Auf der Ergebnisseite erwartet das Unternehmen wieder schwarze Zahlen. 2009 hatte Q-Cells wegen des dramatischen Preisverfalls von mehr als 50 Prozent bei Zellen einen Umsatzrückgang um ein Drittel auf rund 800 Millionen Euro hinnehmen müssen. Insbesondere die wachsende Konkurrenz aus China machte Q-Cells zu schaffen. Unter dem Strich stand aufgrund von zahlreichen Abschreibungen auf Beteiligungen ein Fehlbetrag von knapp 1,3 Milliarden Euro.

Cen versucht mit einer tiefgreifenden Restrukturierung und einer neuen Strategie den Weg aus der Krise zu schaffen. Der Manager war im vergangenen Jahr als Geschäftsführer der Restrukturierungs-Beratungsgesellschaft Alvarez & Marsal zu Q-Cells gekommen, um das Unternehmen zu sanieren. Er übernahm sofort das Finanzressort, im März löste er auch den zuletzt glücklosen Anton Milner als Vorstandschef ab.

Unter anderem strich Cen bereits im vergangenen Jahr 500 Stellen am Stammsitz in Bitterfeld-Wolfen. Vier alte Produktionslinien wurden stillgelegt. Dafür nahm das Unternehmen auch in Kauf, knapp 50 Millionen Euro Fördergelder an das Land Sachsen-Anhalt zurückzahlen zu müssen. Parallel fuhr das Unternehmen ein neues Werk in Malaysia hoch, um mit den niedrigeren Produktionskosten der asiatischen Konkurrenz mithalten zu können. Zugleich wurden Verträge mit Lieferanten neu verhandelt. ´Q-Cells kauft derzeit wettbewerbsfähig ein´, sagte Cen.

Zugleich erschließt er neue Geschäftsfelder für das bislang fast ausschließlich auf Solarzellen spezialisierte Unternehmen. So vermarktet Q-Cells inzwischen eigene kristalline Solarmodule, die bei einer Fremdfirma in Malaysia produziert werden. Die Sachsen-Anhalter müssen damit nicht in eine eigene Fabrik investieren.

Auch sein Projektgeschäft will Q-Cells auf eine breitere Basis stellen. Die Tochter QCI, die sich bislang auf Entwicklung, Bau und Betrieb von Großkraftwerken konzentrierte, soll künftig stärker auch mittelgroße Projekte zwischen 0,5 und 5 Megawatt in Angriff nehmen. Zielgruppe sind gewerbliche und industrielle Kunden. Dagegen trennt sich das Unternehmen von unrentablen Beteiligungen und Tochterfirmen. Lediglich das Dünnschicht-Geschäft von Solibro gehört für Cen noch zum Kerngeschäft.

´Wir sind auf dem richtigen Weg ´, sagte Cen. ´Dieser Weg wird aber weiterhin steinig sein und dem Management und den Mitarbeitern einiges abverlangen.´ Der Umbau sei ´bei weitem´ nicht abgeschlossen. Aktionärsschützer bemängelten, dass den Anlegern vor einem Jahr das ganze Ausmaß der Q-Cells-Krise verschwiegen worden sei. ´Das Unternehmen ist heute ein völlig anderes als vor einem Jahr´, stellte etwa Aktionärsschützer Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz fest. Cen habe aber in einem ´Parforceritt´ das richtige getan.

Inzwischen stellt Q-Cells aber wieder allmählich auf Normalbetrieb um. Seit einem Monat hat das Unternehmen mit dem früheren Grohe-Vertriebschef Hans-Gerd Füchtenkort einen neuen Vertriebsvorstand. Im Juli kommt die bisherige ThyssenKrupp-Managerin Marion Helmes als Finanzchefin. Auch Großaktionär Marcel Brennigmeijer, der im vergangenen Jahr wegen der Krise interimsweise den Aufsichtsratsvorsitz übernahm, will sein Amt abgeben. Nachfolger soll der frühere MAN-Finanzvorstand Karlheinz Hornung werden. Unklar ist noch, wer Cen an der Q-Cells-Spitze nachfolgen wird. Sein Vertrag läuft Ende Dezember aus./nl/nmu/tw
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