DARMSTADT - Die anhaltende Erholung im Chemiegeschäft hat beim Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck KGaA zu einem kräftigen Gewinnsprung geführt. Zugleich schraubte der in der ersten Börsenliga Dax notierte Familienkonzern seine Prognose fürs Gesamtjahr zum zweiten Mal in diesem Jahr nach oben. Unternehmenschef Karl-Ludwig Kley zeigte sich optimistisch: ´Die erfreulichen Ergebnisse des 2. Quartals mit Gesamterlösen von über 2 Milliarden Euro belegen, dass das erste Quartal kein einmaliger Ausreißer nach oben war, sondern den Kurs für das Gesamtjahr anzeigte.´ Für das Jahr 2010 erwartet Merck nun, die Gesamterlöse der Merck-Gruppe einschließlich Millipore um 21 Prozent und das operative Ergebnis um 90 Prozent zu steigern. Mitte Juli hatte Merck die Übernahme des US-Unternehmens für 5,2 Milliarden Euro abgeschlossen.
An der Börse sorgten die über den Erwartungen liegenden Zahlen und der Ausblick für Jubelstimmung: Merck-Titel verteuerten sich im frühen Handel um 4,30 Prozent auf 66,96 Euro, während der Dax nur knapp im Plus lag. Analyst Daniel Wendorff von der Commerzbank hob den starken Ausblick auf das Gesamtjahr hervor. Der Chemie- und Pharmakonzern rechne nun exklusive des Millipore-Zukaufs mit einem Umsatzplus von 12,5 Prozent. Bislang sei man von 3 bis 7 Prozent ausgegangen. Neben dem Flüssigkristallgeschäft habe auch die Tochter Merck Serono zu den guten Zahlen beigetragen.
CHEMIESPARTE BOOMT
Die Nachfrage nach Flüssigkristallen sowie ein gestiegener Umsatz im Pharmageschäft bescherte Merck im zweiten Quartal beim Ergebnis nach Steuern ein Plus von 70 Prozent auf 187 Millionen Euro. Das operative Ergebnis verbesserte sich von 184,5 auf 326,2 Millionen Euro und übertraf damit die Erwartungen der von dpa-AFX befragten Analysten von 281,9 Millionen Euro. Beim Umsatz verbuchte Merck ein Wachstum auf 2,2 Milliarden Euro nach 1,9 Milliarden Euro im Vorjahr.
Nach den erfreulichen Zahlen fürs erste Halbjahr zeigte sich Merck zuversichtlich, dass die zweite Jahreshälfte die erste übertreffen werde. Im Chemiegeschäft setzte sich im zweiten Quartal die Erholung fort. Der Umsatz stieg um 32 Prozent auf 644 Millionen Euro. Das operative Ergebnis konnte sich wegen des Nachfrageeinbruchs in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise vom außergewöhnlich niedrigen Vorjahreswert von 70 Millionen Euro auf 166 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Das Wachstum beruhe hauptsächlich auf dem höheren Auftragsvolumen. Deshalb seien auch die Produktionskapazitäten voll ausgelastet, teilte Merck weiter mit. In seinem Chemiegeschäft (Merck Millipore und Performance Materials) bietet Merck Spezialprodukte für die Elektronik-, Farb-, Kosmetik-, Lebensmittel-, Pharma- und Biotech-Industrie.
Besser als erwartet entwickelte sich auch das Pharmageschäft: Im zweiten Quartal verbuchte die Sparte für patentgeschützte Medikamente (Merck Serono) mit den beiden Kernmedikamenten Rebif (Multiple Sklerose) und Erbitux (Krebsmittel) ein Umsatzplus von 10 Prozent auf 1,451 Milliarden Euro. Merck hat sich im Pharmabereich auf verschreibungspflichtige Medikamente (Merck Serono) und rezeptfreie Arzneimittel (Consumer Health Care) spezialisiert. Am Vortag konnten die Darmstädter in den USA in der jüngst von Rückschlägen gekennzeichneten Pharmasparte einen Erfolg verbuchen. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat den Zulassungsantrag für die Multiple-Sklerose-Tablette Cladribin angenommen und ein beschleunigtes Verfahren genehmigt, das innerhalb von sechs statt der sonst üblichen zehn Monate zu einem Ergebnis kommen soll./ep/stk/wiz