Börse Frankfurt-News Euro mit guten Aussichten (Devisen-Marktbericht)

Autor: dpa-AFX
 |  08.09.2010, 16:12  |  1501 Aufrufe  |   0  | 
FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 8. September 2010. Krisenwährung US-Dollar bekommt noch einmal Aufwind. Die Schweiz hat sich mit einem starken Franken erst einmal arrangiert. Großbritannien sieht sich mit neuen Konjunkturproblemen konfrontiert, während Japan gegen einen starken Yen kämpft.

Sind die jüngsten US-Arbeitsmarktdaten ein Indikator für die konjunkturelle Erholung in den USA? Folker Hellmeyer, Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, sieht noch keine Trendwende. Mit einer Steigerung der Arbeitslosenquote von 9,4 Prozent im Juli auf 9,7 Prozent im August bewege sich die US-Arbeitslosigkeit erst einmal weiter nach oben. Die Arbeitsplatzverluste seien zwar in den vergangenen Monaten deutlich gesunken. Statt erwartete 225.000 sah der August mit 216.000 weniger verlorene Jobs. ´Doch die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Beschäftigen ist nahezu unverändert´, erklärt Hellmeyer. Deshalb sehe er mittelfristig eher eine Stärkung des Euro.

Auch Sintje Diek von der HSH Nordbank sieht den Euro gegenüber dem US-Dollar erstarken. ´Aktuell profitiert der US-Dollar aber erst einmal von der Angst, dass das Land in eine weitere Rezession schlittert´, erklärt die Analystin. Die damit verbundene höhere Risikoaversion spiele dem US-Dollar als Risikowährung in die Hand, der deshalb aktuell Zuflüsse sieht. ´Wir halten die Wahrscheinlichkeit einer erneuten US-Rezession jedoch eher für gering´, prognostiziert die Volkswirtin. ´Aus unserer Sicht wird sich die Erholung in den USA fortsetzen, wenn auch langsam und in kleinen Schritten.´ Zum Jahresende 2011 sieht die HSH Nordbank den Euro bei 1,35 US-Dollar. In der Zwischenzeit werde die eine oder andere schlechte Nachricht aus der Eurozone für höhere Schwankungen bei dem Währungspaar sorgen. ´Letztendlich muss die USA aber sehr viel höhere strukturelle Probleme überwinden´, erklärt Diek. ´Wenn erst einmal deutlich ist, dass das so genannte Double Dip nicht kommt, werden diese Hürden stärker in den Fokus der Anleger rücken.´

Schweiz duldet starken Franken

Unterm Strich notiert der Franken heute stärker als vor vier Wochen. ´Neben der Funktion als sicheren Hafen profitiert die Währung auch von einer gut laufenden Schweizer Konjunktur´, erklärt die Analystin. ´Das Wachstum im zweiten Quartal ist besser ausgefallen als erwartet, auch die Zahlen fürs erste Quartal wurden nachträglich nach oben revidiert.´ Dies sei Grund genug für die Schweizer Notenbank, nicht noch einmal zu intervenieren. ´Die Schweizer haben sich mit ihren jüngsten Eurokäufen erheblich die Finger verbrannt und hohe Verluste eingefahren´, berichtet Diek. Deshalb und weil sie es grundsätzlich verkraften könne, werde die Notenbank erst einmal einen starken Franken dulden. Mittelfristig sieht die HSH Nordbank den Euro gegenüber dem Franken wieder stärker.

In Europa berieten die Finanzminister der EU bei ihrem ersten Treffen nach der Sommerpause über schärfere Kontrollen der Staatsetats ihrer Mitglieder. Auch die Umsetzung härterer Strafen für Haushaltssünder war Thema. ´Konkrete Ergebnisse gibt es allerdings nicht´, berichtet Sintje Diek. ´Es sieht so aus, als ließe der Reformeifer der EU-Staaten schon wieder nach´, beobachtet die Analystin. ´Der Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise war Anfang Mai, und seitdem haben sich die Wogen schon wieder etwas geglättet.´ Ein System zur Vermeidung von Schuldenkrisen à la Griechenland sei nun nur noch ein mittelfristiges Ziel. So erreichte das Währungspaar mit 1,28 Schweizer Franken pro Euro heute neue Tiefsstände. Dieks Prognose für Ende 2011: 1,43.

Großbritannien mit neuen Konjunkturproblemen

Mit 0,82 bis 0,83 britische Pfund für den Euro war nicht viel Bewegung im Zusammenspiel zwischen den beiden Währungen im vergangenen Monat. Dies könne sich allerdings bald ändern. ´Neue Konjunkturrisiken für den Inselstaat haben sich zuletzt heraus kristallisiert´, berichtet Sintje Diet. ´Einige wichtige Indikatoren deuten auf geringeres Wachstum der Wirtschaftstätigkeit.´ Mehrere Häuserpreisindizes berichteten bereits im zweiten Monat von sinkenden Immobilienpreisen. Außerdem sei der Einkaufsmanagerindex im August mit 54,3 für das verarbeitende Gewerbe und 51,3 für die Dienstleistungen stärker eingebrochen als erwartet. ´Liegt der Index oberhalb von 50, so gelten die Sektoren noch als expansiv, unter 50 bedeutet abnehmende Wirtschaftsaktivität´, erklärt die Volkswirtin. Auch die Inflationsrisiken seien gestiegen. Vieles deute auf ein Stagflationsszenario hin. Die hohen Inflationsraten seien laut britischer Notenbank zwar nur eine vorübergehende Erscheinung. ´Ob dies tatsächlich so ist, wird auch von der Umsetzung der angekündigten Sparmaßnahmen abhängen´, glaubt Diek. Deshalb erwarte sie mittelfristig für Ende 2011 mit 0,80 ein schwächeres britisches Pfund.

Starker Yen schwächt japanische Wirtschaft

Sorgenfalten auf der Stirn bekomme die japanische Regierung angesichts des 15-Jahreshoch für den Yen gegenüber dem US-Dollar im vergangenen Monat. ´Die starke Bewertung des Yen gefährdet die Exporte und reduziert die Wettbewerbsfähigkeit von Japan´, erklärt Diek. ´Bei weiteren Aufwertungen wird Japan eventuell gegensteuern.´ Als kritische Grenze für die Bereitschaft der japanischen Notenbank einzugreifen, werde 80 Yen gesehen. ´In Japan ist der politische Druck auf die Notenbank hoch´, erklärt die Volkswirtin. ´Die Politik wünscht und erwartet eine expansivere Geldpolitik sowie weitere geldpolitische Maßnahmen für die Zukunft.´. Auf diese Weise würde auch dem Deflationsproblem in Japan etwas entgegengesetzt. Auf längere Sicht sieht die Analystin einen schwächeren Yen im Verhältnis zum US-Dollar.

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© 8. September 2010/Iris Merker

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
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