Der Kampf gegen die überbordende Spekulation mit Lebensmitteln gehört seit vielen Jahren zu meinen Herzblutthemen. Generell gilt: Ein klein wenig Spekulation an den Terminbörsen ist notwendig. Zu viel wird schädlich – extrem schädlich. Aber die Investition in Lebensmittel ist ein Skandal.
Die Warenterminmärkte sind im Grunde nichts Schlechtes. Im Gegenteil: Es ist absolut sinnvoll, dass Landwirte ihre Ernte und Verbraucher (z.B. Mühlen) ihre Einkäufe gegen die immer stärker werdenden Preisschwankungen absichern können. Auch ein kleines Maß an Spekulation gehört an diese Terminmärkte.
Makler oder Banken, die als MarketMaker in jener Stunde den Mais vom Bauern kaufen, wenn gerade keine Mühle zur Stelle ist und es einige Stunden oder Tage später an die Mühle verkaufen, wenn gerade kein Bauer sich absichern will.
Aber dieses an sich ehrbare Geschäft, das seit über 500 Jahren existiert ist nur noch ein kleiner Teil des gesamten Milliarden-Rohstoff-Spekulationsmarktes. Durch Investition und überbordende Spekulation wird es ausgehebelt.
Bis zum Jahr 2000 hat die Investition in Rohstoffe kaum eine Rolle gespielt. Doch plötzlich kamen Indexfonds auf und den weltweiten Anlegern war es nun möglich auf Knopfdruck Kupfer, Öl, aber auch Weizen zu kaufen und zu verkaufen. Von 2003 bis 2008 sind die Investitionen in Rohstoffindizes von 20 Milliarden auf 260 Milliarden US$ explodiert. Das ist eine extreme zusätzliche Nachfrage.
Die Indexfonds kaufen ihre Terminkontrakte an der gleichen Warenterminbörse in Chicago wie der Mühlenbetreiber und entziehen dem Markt so die Ware, um sie dann alle gleichzeitig abzustoßen und den Kurs in den Keller zu jagen.
Die Geschäfte, die abseits jeder Börsenregulierung „OTC – Over The Counter (Über die Theke)“ zwischen allen möglichen Teilnehmern (meist spekulativer Natur) getätigt werden, können – da nicht registriert – nur geschätzt werden. Die vorliegenden Zahlen gehen von 3 Billionen US$ an offenen Verträgen nur im Rohstoffbereich aus.
Anleger hielten 2008 über 1 Milliarde Bushel Weizen, was fast 3 Jahresernten der USA entsprach. Es gibt keinen volkswirtschaftlichen Grund, warum man Anlegern und Spekulanten erlauben sollte, Weizen oder auch wichtige und knappe Industrierohstoffe dem Markt zu entziehen, damit eine Preissteigerung auszulösen um es später teurer an die Hungernden zu verkaufen. Wenn jetzt – wie gerade begonnen – auch noch physisch unterlegte Rohstofffonds hinzukommen, die direkt Lagerhallen und Silos in großem Maße kaufen um dem Markt die Rohstoffe physisch zu entziehen, ist sicherlich ein weiterer Gipfel der Sauereien erreicht.
Dennoch gibt es diverse Möglichkeiten ethisch korrekt in das Megathema "Lebensmittel" zu investieren. Vom Agrarunternehmen bis zum Landmaschinenhersteller haben wir die interessantesten Titel für Cashkurs*Trends "Nahrungsmittel" analysiert. Wir beweisen ein ums andere Mal, dass Geldverdienen auch mit Anstand und Ethik möglich ist.
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Dirk Müller ist seit 1992 Händler an der Frankfurter Börse, gefragter Experte und Bestsellerautor: "C(r)ashkurs". Sein Arbeitsplatz lag jahrelang unter der DAX-Anzeigetafel.
Auf seiner Homepage www.cashkurs.com gibt Dirk Müller tägliche Marktausblicke, schätzt ein, klärt auf, berät und analysiert - ehrlich, neutral und ohne Scheuklappen.
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