Zum Börsengang der Q-Cells die Einschätzung des Trierer
Aktienclub 2000. Es ist jedoch ein jeder angehalten sich selbst ein
Bild über das Unternehmen und die Perspektiven der Aktie zu
machen.
22.09.2005
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Besucher/innen von http://www.TAC2000.de,
zumindest diejenigen von Ihnen die sich intensiver mit Börse
befassen werden sicher bereits auf den
Börsengang des
Solarzellenherstellers Q-Cells AG aufmerksam geworden sein. In
Anbetracht der wegen des hohen Erdölpreises „hypenden“ Solaraktien
könnte das IPO (= Initial Public Offering) kaum zu einem
günstigeren Zeitpunkt erfolgen und es winken hier durchaus
ansehnliche Zeichnungsgewinne - so man denn Aktien zugeteilt
bekommt. Insgesamt werden bis zu 8,2 Mio. Aktien (mit Greenshoe) in
der Preisspanne zwischen 29 und 34 EUR angeboten. Das ist nicht
wirklich viel bei einer Gesamtaktienzahl von 36,91 Mio. (=
Grundkapital). Vorbörslich werden indes schon ganz andere Preise
bezahlt: 57 bis 60 EUR! (Vorbörsliche Kurse finden Sie hier:
http://www.quotecenter.de/ sowie
http://www.schnigge.de/trading/price/preipo.html). Eine Zeichnung
ist demnach ratsam. In Anbetracht der geringen Anzahl ausgegebener
Aktien dürfte es aber viele Investoren mehr interessieren wie die
weiteren Perspektiven der Aktie nach dem Börsengang aussehen, denn
es werden wohl die meisten Zeichner leer ausgehen oder nur eine
geringe Anzahl erhalten.
Derzeit sieht sich Q-Cells mit einem Marktanteil von 6% als
weltweit fünftgrößter Solarzellenhersteller hinter Branchengrößen
wie BP Solar und Sharp. Nach Einschätzung von Branchenexperten
dürfte die Photovoltaik-Branche bis 2010 um jährlich rund 30%
wachsen. Q-Cells will entsprechend weiter investieren und die
Einnahmen aus dem Börsengang (~ 250 Mio. EUR) zum einen in neue
Fabriken stecken, zum anderen will man bei Zulieferern durch
gemeinsame Investitionen in Vorleistung gehen, um das künftige
Wachstum abzusichern. Ferner soll über zwei Beteiligungen in neue
Technologien investiert werden: Q-Cells ist zu 24,9% an EverQ
(EverQ = JointVenture EvergreenSolar/Q-Cells) beteiligt. Das
Unternehmen entwickelt ein Verfahren, bei dem die Waferscheiben
einzeln "wachsen" - das Rausschneiden aus einem Siliziumblock wird
dadurch überflüssig. Der Rohstoffeinsatz soll sich durch die neue
Technologie um die Hälfte verringern. Q-Cells hat die Option diese
Beteiligung auf 50% aufzustocken. Zudem ist Q-Cells mit 22,3% an
CSG Solar beteiligt. Jene entwickelt ein Dünnschichtverfahren, das
bei der Herstellung von Solarzellen ebenfalls deutlich weniger
Silizium verbrauchen soll als die bisherige Technik. Da Silizium
aber knapp ist und die neuen Technologien teils noch nicht
marktreif sind hat sich Q-Cells die Silizium-Lieferungen bis 2015
(!) gesichert. Einen Engpass wird es demnach eher nicht geben.
Stark sehen die Q-Cells-Zahlen aus: Im laufenden Jahr wird etwa ein
Gewinn von 35 Mio. EUR erzielt werden, im kommenden Jahr sollen es
60 Mio. EUR werden, in 2007 etwa 78 Mio. EUR. Branchenführer
SolarWorld wird mittlerweile ein 2006er-KGV von 33 zugestanden,
demnach käme Q-Cells bei gleicher Bewertung auf einen Börsenwert
von knapp 2 Mrd. EUR, was einem Kurs von 54 EUR entsprechen würde.
Insofern sind die vorbörslichen Preise nicht unbedingt überzogen,
zumal Q-Cells mit einer Nettormarge von ~13% profitabler arbeitet
als SolarWorld. Es ist demnach mehr als wahrscheinlich dass der
erste Kurs im Bereich von 55 EUR liegen wird, doch was dann?
Verkaufen? Kaufen?
In der obigen Berechnung wird ein Peer-Group-Vergleich gemacht,
d.h. man schaut einfach wie Konkurrenten bewertet sind und leitet
daraus ein "faires Kursniveau" ab. Das Risiko dieser Bewertung
liegt dabei darin dass die gesamte Peer-Group zu hoch bewertet sein
könnte, also der gesamte Solarbereich gerade überteuert ist. Ein
2006er-KGV von 30 kann jedoch als gerechtfertigt angesehen werden
wenn man an ein weiter starkes Wachstum der Gewinne über 2006
hinaus glaubt - wohlgemerkt der Gewinne, denn Umsätze sind für die
Börse bzw. die Entwicklung der Aktie kaum relevant. Deshalb wird
z.B. Karstadt Quelle aktuell "nur" mit 2,45 Mrd. EUR bewertet,
obwohl das Unternehmen im vergangenen Jahr 13,45 Mrd. EUR Umsatz
erzielt hat. Aus eben diesem Grund muss man auch stets
differenzieren zwischen dem Wachstum einer Branche und den
Aussichten eines einzelnen Unternehmens. Die Solar-Branche ist ohne
Zweifel ein Zukunftsmarkt und genau aus diesem Grund tummeln sich
in diesem Bereich inzwischen hunderte wenn nicht gar tausende
Unternehmen. Viele von diesen werden letztlich nicht erfolgreich
sein und entweder von größeren geschluckt oder aber womöglich
pleite gehen. Q-Cells und SolarWorld haben beide gute Chancen auch
langfristig zu den Gewinnern zu zählen, denn beide sind global
aufgestellt und können bereits erste größenbedingte Vorteile
ausnutzen. Doch zurück zur obigen Frage:
Der gesamte Solarbereich erscheint kurzfristig überteuert. Dies
resultiert aus der für jeden Investor offensichtlich guten Story
und den daher dort hinein fließenden Anlagesummen, welche die
Aktienpreise stark nach oben ziehen lassen. Relevant ist jedoch wie
oben dargestellt einzig und allein die Frage wie viel Gewinn ein
Unternehmen in den kommenden Jahren erzielen wird. Ab 2007 dürfte
die derzeitige Knappheit des wichtigen Rohstoffs Silizium zu Ende
gehen, weil neue Produktionskapazitäten anlaufen. Überall ist zu
vernehmen dass Solarfirmen an die Börse wollen um neues Kapital für
neue Fabriken zu generieren. Demnach werden hier große Kapazitäten
geschaffen, was mittel- bis langfristig die Preise unter Druck
geraten lassen wird. Dies wird der eigentliche Durchbruch der
Solarenergie sein, doch für die Solarzellen produzierenden
Unternehmen wird das Geschäft dann nahe liegender Weise schwieriger
sein. Die Preise werden unter Druck geraten, das Geschäft in Zuge
eines stärker werdenden Konkurrenzkampfes margenschwächer werden.
Aber wir stehen noch ziemlich am Anfang der Entwicklung: schauen
Sie sich die Dächer der Häuser in ihrer Wohngegend an. Solange
Solarzellen da noch Seltenheit haben besteht noch großes Potenzial.
Es macht daher durchaus Sinn langfristig auf die aussichtsreichsten
Solarwerte zu setzen. Nichtsdestotrotz muss Ihnen klar sein dass
wenn Sie die aktuellen Aktienpreise bezahlen Sie womöglich eine
temporäre Preisspitze kaufen der sich eine monatelange
Konsolidierungsphase anschließt.
Fazit:
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Das Zeichnen der Q-Cells-Aktie erscheint in jedem Fall sinnvoll,
wenngleich die meisten Anleger keine oder aber nur wenige Aktien
zugeteilt bekommen werden. Sofern die aktuelle Euphorie-Phase
anhält dürfte die Aktie auch bei einem ersten Kurs um 55 EUR
kurzfristig noch interessant sein. Es werden sicher noch einige
Fonds einsteigen, denn Q-Cells ist hervorragend aufgestellt und
auch ein klarer Anwärter für den TecDax. Und auch das Interesse
privater Investoren könnte den Kurs zunächst noch in wesentlich
höhere Kursregionen treiben - vergessen Sie nicht die geringe
ausgegebene Aktienzahl. Wer kurzfristig orientiert ist kann hier
bei einem sofortigen Einstieg auf einen schnellen Trading-Gewinn
hoffen, wer eher langfristig auf Sicht einiger Jahre investieren
möchte sollte vielleicht zunächst nur "einen Fuß in die Tür"
stellen und dann abwarten ob sich nicht in den kommenden Monaten
noch bessere Einstiegspreise ergeben. Q-Cells hat durchaus
langfristig großes Potenzial, doch mit einem Börsenwert jenseits
der 2 Mrd. EUR der schnell nach dem Börsengang erreicht sein
dürfte, steckt schon „viel Zukunft im Kurs“ drin.
Marco Feiten
- Geschäftsführer Trierer Aktienclub 2000 -
Web: http://www.TAC2000.de