Zum Wochenende etwas aus meinem "Tagebuch"...
Kaum eine Sache ist so müßig, wie die Haare schneiden zu lassen.
Denn solange man nicht bereits völlig zum Kojak mutiert ist, ist
eins gewiss, der Mist wächst nach….spätestens nach 4-5 Wochen sieht
man auf dem Schädel wieder aus wie Helge Schneider und man muss
zwohl oder übel einen Frisör aufsuchen (es sei denn man schert sich
selbst mit einer entsprechenden Maschine aber so ein KZ-Look ist
irgendwie uncool und manch einer lässt dies gar seinen Vater
machen!!!). Im Laufe der Jahre musste ich leider feststellen, dass
Frauen einem Mann einfach nicht vernünftig die Harre schneiden
können, mir mit meinen zahlreichen Wirbeln auf der Rübe zumindest
nicht. Das war auch der Grund, weshalb ich gestern mal wieder einen
neuen „Cutter“ aufsuchte und derer gibt es in unserer Stadt
reichlich. Ich entschied mich also für Abenteuer pur, denn wer sich
jemals vom Sandmann hat frisieren lassen, den kann auf der Ebene
nichts mehr schocken – so dachte ich. Willkürlich fuhr ich in der
Gegend herum, spielte gar mit dem Gedanken den „Tom Jones der
Gartenstadt“ (Salon Mamerow) aufzusuchen entschied mich dann aber
um und beschloss beim erstbesten Frisiersalon anzuhalten, an dem
ich vorbeikommen würde und tat dies auch. Es war ca. 14.30 Uhr, vor
dem Laden parkte kein Auto, ein gutes Zeichen?

Wohl eher nicht aber wer weiß das schon vorher. Also rein
in die Hütte. Am Empfang? Niemand. Rechts führt eine verschlossene
Saloon-Tür in den Damen-Salon, da dort aber nur seltsames Gekichere
zu vernehmen ist und der Herrenbereich nicht besetzt zu sein
scheint, will ich schon auf dem Absatz kehrt machen. Doch zu
spät….noch schmatzend und mit Essensresten im Bart kommt der
Meister um die Ecke. Meine Frage, ob ich hier die Haare gestutzt
bekäme, beantwortet er mit einem eindringlich genuschelten
„natürlich“und schiebt mich dabei dezent in einen kleinen Raum mit
zwei Stühlen und Spiegeln (so ähnlich muss sich wohl Bruce Willis
in „Pulp Fiction“ gefühlt haben, als er mit dem Gummiball im Mund
aufwachte…)

, dort ist der Boden derart mit Haarbüscheln übersät,
dass hier gewiß seit Tagen nicht mehr gefegt worden ist, vermutlich
sogar länger, denn der letzte Kunde scheint irgendwann in den 80er
Jahren hier gewesen zu sein. Ich nehme Platz in einem der Stühle,
es dauert nicht lange und mit einem Haarschneider fährt er im
Halbkreis um meinen Schädel, wie es aussieht, geschieht das
ziemlich planlos und ich befürchte, dass Ergebnis kann nur durch
eine Glatze korrigiert werden. Den oberen Kopfbereich ignoriert er
dabei völlig und vertikutiert weiter in meiner Haarpracht herum.
Dann beginnt der obligatorische Smalltalk vonwegen „schon
Feierabend etc. …“ ich gehe darauf ein, um mich ein wenig zu
beruhigen. Der Haarmäher wird nun ausgeschaltet, als nächstes
schrubbt mir ein Pinsel mit knüppelharten Borsten (vermutlich beim
letzten Tapezieren nicht ganz vom Kleister gereinigt worden das
Teil) durchs Genick und ein Blick in den Spiegel verrät mir, dass
ich inzwischen aussehe wie ein nur zur Hälfte gerupftes Suppenhuhn,
oh scheiße.

Jetzt zückt er die Schere und beginnt zu schnipseln, auch dies
wirkt auf mich total planlos und spätestens jetzt weiß ich, dass
ich `ne Lachnummer bin, wenn ich hier wieder raus bin. Mit
süffisantem Lächeln zückt er nun ein Rasiermesser und holt eine
Plastiktube raus, die aussieht als wäre dort Klebstoff drin (will
er jetzt wieder was ankleben von dem abgeschnittenen Zeugs oder
schnüffelt er den Kram???). Es kommt schlimmer, es ist ein
Rasierwasser gegen das „Old Spice“ wie der Garten Eden duftet. Er
schmiert mir das leicht schleimige Zeugs neben die Ohren, wetzt
noch einmal die Klinge und beginnt mit seinem schabenden Werk,
wobei ich mich im Geiste schon von meinen beiden Ohren
verabschiede. Ich mache einen Moment die Augen zu und lasse die
Marter über mich ergehen, da greift er mir an den Hals
und………….nimmt mir die Halskrause und den Kittel ab, er ist fertig
und nun kommt die große Überraschung, ich sehe gut aus (na das an
sich ist ja bekannt aber die FRISUR auch!).
Hut ab, der Angstschweiß hat sich gelohnt. Ich gebe ein kleines
Trinkgeld und verlasse leicht irritiert aber irgendwie auch
zufrieden den „Salon“….na dann bis zum nächsten Mal!
SP