Moin allerseits,
Seit W:0-Bestehen ohne eigenen Zweig. Zu Unrecht!
Gegründet 1873 von Bremer und Schwedischen Kaufleuten als
Dampfschifffahrts-Gesellschaft "Neptun",
Bremen, Actien-Gesellschaft, um die 1869 gegründete Partenreederei
Neimann in der Skandinavienfahrt intensiviert weiterzuführen. Zur
Geschichte gibt es zahlreiche Anekdoten, auf die hier verzichtet
werden soll. Nur noch soviel:
Auf einer denkwürdigen Hauptversammlung im Sommer 1975 stresste
HV-Profi Kurt Fiebich mit rund 18% (wovon 10% Josef Schörghuber
zuzuschreiben waren) die Großaktionärin: 1973 wurde die
Gesellschaft von der Hamburger Reederfamilie Sloman (erste
geschichtliche Erwähnung 1793 und angeblich älteste noch
existierende Personengesellschaft weltweit) mehrheitlich von der
Commerzbank, Henkel und BremerLB übernommen und gemäß der heutigen
Firma umbenannt. Kurz zuvor wurde die Gesellschaft bereits auf die
Gastankfahrt ausgerichtet und stürzte gerade hier in eine schwere
Krise.
Lange Rede kurzer Sinn: Im Laufe der Jahre übernahm die Familie
Sloman den Anteil vom Fiebich/Schörghuber-Klan und baute ihren
Aktienbestand bis zum heutigen Tag immer weiter aus. Dies nicht
ohne Grund (s. u.). Ich gehe davon aus, dass man nach kleineren
Paketkäufen in den letzten Jahren mittlerweile rund 90 Prozent der
Aktien hält. Daneben gibt es noch ein paar „größere kleinere“
Pakete, so dass die Präsenz der letzten HV bei rd. 95 Prozent
lag.
Die Gesellschaft ist heute in zwei Segmenten tätig: zum einen der
Linienfahrt zwischen Nordafrika und Südeuropa (Mittelmeer) und
Nordeuropa (BRD, GB). Hierbei kommen die Unimogs der Meere zum
Einsatz: kleine Allroundtalente mit eigenem Geschirr und RoRo. Nur
diese Schiffe sind in der Lage, die kleinen völlig ineffizienten
nordafrikanischen Häfen ohne ausreichende Verladeanlagen
anzusteuern. Mit Erfolg, denn seit Lybien und der Westen wieder
beste Freunde sind, floriert die Region.
Das zweite Segment ist das weitaus größere: Es ist weiterhin die
Gastankfahrt. Hierbei handelt es sich um den anspruchsvollsten
Schifffahrtszweig der Welthandelsschifffahrt. Transportiert werden
petro(-chemische) Gase, LPG (schiffsbranchenmäßig eng verbunden mit
Transport von natürlichem Erdgas, LNG) wie Propan, Butan,
Mischungen beider, Ammoniak, Ethylen, Propylen, Butaniden, etc.
Die Anwendungsfelder dieser Gase sind sehr vielfältig und haben in
den letzten 20 Jahren stark zugenommen (z.B. Grundstoffe für die
chem. Industrie, (Kosmetik, Lack-Farben u.a.), Treibmittel,
Treibstoff, Heizmittel). Die Weltflotte transportierte 2004 rd.
14,4 Mio cbm. SlomanNeptun bewirtschaftet mit 13 Tankern die
volumenmäßig untersten Segmente mit 3.000 bis 9.000 cbm. Die
weltweite Flotte besteht in diesem Bereich aus rund 100-300
Schiffen (je nach Abgrenzung) – man kennt sich und teilt sich den
Markt über Konsortien. SN ist hier im UNIGAS- Konsortium (zur Zeit
noch 29 Schiffe, unten dazu mehr) aktiv.
Die Gastanker gehören zu den teuersten Schiffstypen und sind bei
Werften recht unbeliebt: Der Bau ist durch die Druck/Kühltanks und
Sicherheitsvorschriften recht aufwendig und es werden aufgrund des
engen Marktes nur Kleinserien (max.3 Schiffe) geordert. Ohnehin
sind die Orderbücher der Werften voll mit Containerschiffen. Da
macht es wenig Sinn, sich mit Spezialbauten zu beschäftigen. Weiter
verschärft wird die Situation durch die bevorstehende
Doppelhüllenpflicht und dem hohen Durchschnittsalter der Flotte, in
welche jahrelang nicht investiert wurde. Folge: sehr hohe Preise
für Neubauten und gebrauchte Tanker. Auch wenn mit demnächst
ansteigender Schiffsablieferung durch gestiegene Neubautätigkeit
gerechnet wird, wird es den deutlich steigenden Transportbedarf
nicht gerecht.
LPG ist auf dem Energiesektor ein Substitut von Öl und es herrscht
deutlich steigende Nachfrage aus dem Chemiesektor aufgrund immer
neuerer Produkte und der steigenden asiatischen Nachfrage.
Gleichzeitig ist LPG aber auch ein Kuppelprodukt der ausgeweiteten
Raffineriekapazitäten. LPG profitiert also allein aus dem hohen
Ölpreis gleich zweifach. Branchenkenner (z.B. BRS Shipbrokers)
prognostizieren dem Markt somit auch ein deutlich steigendes
Volumen. Dies schlägt sich bereits recht ordentlich in den
Frachtraten nieder, welche sich seit 2002 mehr als verdoppelt
haben.
Letztere schlugen bei SN bisher jedoch nur unterproportional durch.
Der Grund liegt (neben der Nutzung von Bilanzierungsspielräumen an
anderen Stellen) darin, dass SN Verträge mit einer Laufzeit von 1-2
Jahren abschließt, in welcher die Preise fix bleiben. Lediglich rd.
30 Prozent der SN-Schiffskapazität wird über den Spotmarkt
vergeben. Ich gehe davon aus, dass bereits ab 2005 mit einem
deutlichen Durchschlag der erhöhten Frachtraten im Konzernabschluss
gerechnet werden kann.
Zur Rechnungslegung bei Sloman Neptun.
Bei den Slomännern rechnet man nicht in Geschäftsjahren, sondern
eher in Jahrzehnten. Modetrends wie der Containerfahrt verweigert
man ich schon seit 1983 konsequent (die RoRos transportieren
freilich mittlerweile Container). Neumodische KG-Fonds-Modelle? –
Fehlanzeige. Selbst der Antrag auf die Börsenzulassung der Aktien
aus der letzten Kapitalerhöhung bei SlomanNeptun (anno 1978) ist
bis heute nicht gestellt.
Ähnlich konservativ geht man auch bei der Bilanzierung vor. Bei
Sloman Neptun dürften selbst die Klobürsten stille Reserven
enthalten. Wesentlich wirkt sich dies natürlich bei der Bewertung
des Anlagevermögens aus: Während die tatsächliche Nutzungsdauer von
Produkten-, Chemikalien-, und LPG-Tankern bei 25 bis eher 30 Jahre
liegt, und die Wettbewerber über entsprechende Laufzeiten
abschreiben, werden die Neptun-Schiffe über eine Laufzeit von 5-14
Jahren abgeschrieben.
SN bilanzierte bis 31.12.04 nach HGB. Ab 2005 erfolgt die
Rechnungslegung nach IFRS. Dies hat zur Folge, dass bei SN
zukünftig von einer ND von rd. 20 Jahren ausgegangen wird. Dies hat
erhebliche Auswirkungen auf Anlagevermögen und G&V. Hinzu
kommen die sehr deutlich gestiegenen Marktpreise für Gastanker.
Die zweite interessante Seite der Sloman Neptun-Spekulation ist
folgende:
Seit einiger Zeit ist man (für slomännische Verhältnisse)
ungewöhnlich aktiv geworden: Mit Sloman Themis und – Thetis stehen
zwei Produktentanker mit einer Ladungskapazität von je 38.000 cbm
vor der Auslieferung. Beide sind zu „guten Konditionen“ (O-Ton
S.M.Edye) für 5 Jahre an A.P. Moeller verchartert. Nebenbei: die
Schiffe haben mittlerweile einen „sehr deutlich höheren
Marktwert“.
Äußerst interessant war m.E. auch zuletzt die Meldung, wonach das
UNIGAS-Konsortium die Hälfte der Geschäftsanteile der Exmar Kosan
Ltd., einem JV von Lauritzen und Exmar, übernehmen wird.
Verkäuferin ist die Exmar B.V. Die Gesellschaft wird zukünftig
unter dem Namen UNIGAS Kosan Ltd. firmieren. SN übernimmt hieraus
drei Tanker. Darüber hinaus hat sich das UNIGAS-Konsortium
entschlossen, drei Ethylen-Tanker-Neubauten zu bestellen. Das
Konsortium dürfte somit seine Marktmacht erheblich ausbauen.
Auf der letzten HV zeichnete der Vorstand ein für das übliche
Understatement recht optimistisches Bild und hielt den “Kursanstieg
der Aktie“ – auch vor dem Hintergrund der Änderung der
Rechnungslegung für „angemessen“.
Für SN-Verhältnisse recht revolutionär war auch die Tagesordnung:
Unter TOP 5 wurde erstmals die Ermächtigung zum Erwerb eigener
Aktien beschlossen.
Streubesitzaktionäre befürchteten, dass somit einem SQO der Weg
geebnet werden soll. Der Vorstand beschwichtigte hingegen und
begründete die Maßnahme mit dem anhaltenden internationalen
Wettbewerb und der Globalisierung der Wirtschaft, welche es
erforderlich mache, sich für Unternehmenskäufe (eigene Aktien als
Währung) zu rüsten.
Welche internationalen Schifffahrtsunternehmen man für (nur
theoretisch möglichen) maximal 5 Mio. EUR erwerben möchte, bleibt
allerdings das Geheimnis des Vorstands, zeugt jedoch von einem sehr
erfreulichem Preisbewusstsein

.
Die im Laufe der HV abgegebene weitere Begründung dürfte m. E. aber
etwas näher an den Beweggründen liegen. Man wolle, so der Vorstand,
den Streubesitzaktionären die Gelegenheit einräumen, ihre Aktien
bei Bedarf außerbörslich an die Gesellschaft zu veräußern.
Ich rechne zukünftig mit deutlich höheren Jahresüberschüssen und ab
Abschluss 2005 einer erheblichen Erhöhung des ausgewiesenen
Anlagevermögens. Die gestrige Ad hoc Meldung bestätigt dies. Die
nächste Zeit dürfte also recht interessant werden.
Vielleicht finden sich ein paar Interessierte, mit denen man über
diese Aktie zukünftig schnacken kann? Kritische Sichtweisen sind
äußerst willkommen!
Gruß unicum