Antwort auf Beitrag Nr.:
39.227.714 von eickhoff am 27.03.10
07:53:47Weiß jemand, mit wieviel Prozent Li Ka-Shing
beteiligt ist?
Handelsblatt vom 02.08.2010, Seite 28
Ein Unternehmer mit gutem Gespür
Der Chinese Li Ka-Shing ist einer der reichsten Männer der Welt.
Sein Vermögen investiert er häufig in europäische
Infrastruktur.
Finn Mayer-Kuckuk
Hongkong
Seinen ersten Geschäftserfolg im Ausland landete Li Ka-Shing
bereits Ende der Fünfzigerjahre. Er stieg damals in Hongkong gerade
zum „Plastikblumen-König“ auf, weil er innerhalb weniger Jahre zum
Marktführer im Geschäft mit der haltbaren Hausdeko aufgestiegen
war. Um ins Ausland expandieren zu können, tourte der damals
30-Jährige durch die Plastikfabriken von Rom und Neapel, um dort
die Trends im europäischen Design von Kunstblumen abzuschauen. Er
entschied sich für Hortensien als optimales Produkt für die reiche
Mittelklasse in den USA. Die amerikanischen Hausfrauen der frühen
60er-Jahre kauften die praktischen Dauerblumen in Massen, um ihre
Einfamilienhäuser zu verschönern – und machten Li damit zum
mehrfachen Millionär.
Heute ist Li Ka-Shing 82, und er ist mit einem geschätzten
Privatvermögen von gut 15 Mrd. Euro einer der reichsten Männer der
Welt. Der Erfolgsmann investiert weiter im Ausland: Als neuesten
Coup macht er sich zum größten Besitzer von Infrastruktur in
Großbritannien. Investitionen in ehemaliges britisches
Staatseigentum haben nicht jeden Anleger glücklich gemacht. Doch Li
Ka-Shing hat seit den 40er-Jahren ein geradezu unglaubliches Gespür
für gute Geschäfte bewiesen. Im März 2009 beispielsweise hat er
öffentlich angekündigt, nun wieder in Aktien einzusteigen –
pünktlich zum absoluten Tief. Derzeit greift er weltweit vor allem
da zu, wo großflächige Infrastruktur zum Verkauf steht. Er sieht
offenbar den Umbau der Energienetze und neue technische
Möglichkeiten als künftige Wachstumstreiber.
Inzwischen umfasst sein Reich auch Einzelhandelsketten sowie Gas-,
Wasser und Straßennetze in Australien oder Kanada, die er von
seiner Zentrale in Hongkong aus verwaltet. Li kommt vom
chinesischen Festland, hat aber immer von Hongkong aus operiert.
Nach seinen Erfolgen mit Plastikblumen zog er sich rasch aus der
Branche zurück, denn er ahnte, dass die Mittelklasse schon bald
wieder echte Blumen bevorzugen würde. Statt dessen investierte er
in Immobilien und profitierte vom Flüchtlingsstrom aus dem
kommunistischen China. Während des Aufstiegs Ostasiens zur Werkbank
der Welt stieg er im großen Stil in die Industrie ein.
Noch bevor das Handyzeitalter richtig aufkam, steckte Li dann viel
Geld ins Mobilfunkgeschäft. Er war hier die versteckte
Schlüsselfigur bei der umstrittenen Übernahme von Mannesmann durch
Vodaphone. Im Jahr 2000 ließ sein Flaggschiff-Unternehmen Hutchison
Whampoa den Fusionsverhandlungen durch die Zahlung von 62 Millionen
Euro an Prämien für das Mannesmann-Management die entscheidende
Wende gegeben. Hinterher sahen sich die deutschen Beteiligten
mehrere Jahre lang regelmäßig vor Gericht wieder. Die Hongkonger
aber hatten ihren Deal.
Auch ansonsten investiert Li gerne im Ausland. Seine
Investmententscheidungen gelten dabei als Gütesiegel. Der
Hongkonger Börsengang des russischen Aluminiumherstellers Rusal
etwa kam erst dann in Schwung, als ein Einstieg Lis bekannt wurde.
Auch in Facebook ließ er investieren, außerdem in die
Apothekenkette Superdrug in Großbritannien und Siri, einen Anbieter
von Apps für Apples iPhone. Das britische Stromnetz fügt sich da
gut in seine Zukäufe aus dem Bereich der Infrastruktur – virtuell
wie physisch – ein. Klar, dass ihm in seiner Heimat auch der
Versorger Hongkong Electric gehört.
Der „Finanzsupermann“, wie er in Hongkong genannt wird, steht damit
für Chinas Aufstieg vom rückständigen Kommunismus zu einer
ökonomischen Weltmacht – so wie andere Entrepreneure auch, die sich
inzwischen auch in der Volksrepublik austoben dürfen. Auch sie
machen Vorstöße in westliche Märkte. Spektakulär ist der jüngste
Plan des Entrepreneurs Li Shufu für sein neuestes europäisches
Spielzeug: Sein Autohersteller Geely soll Volvos demnächst in China
herstellen, wo er eine Produktion für die Traditionsmarke aufbauen
will. Am heutigen Montag soll der Kauf endgültig über die Bühne
gehen, nachdem Peking dem Geschäft im Wert von anderthalb Mrd. Euro
seinen Segen gegeben hat.
In Asien gibt es inzwischen mehr Millionäre als in Europa, und nur
in den USA leben mehr Milliardäre als in China. Kein Wunder, dass
auch immer mehr Investitionen in europäische Anlagegüter aus Asien
kommen. Casino-König Stanley Ho aus Macau etwa hat in den
französischen Energieversorger EDF und die portugiesische EDP
investiert. Li Ka-Shings Sohn Richard Li hat für einen Teil des
US-Versicherers AIG eine halbe Mrd. Dollar bezahlt und sich unter
anderem die bulgarische Telekomfirma Vivacom unter den Nagel
gerissen.