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42.681.690 von winhel am 01.02.12
16:29:56HAMBURG (dpa-AFX) - Der Kampf der deutschen und
chinesischen Solarindustrie um die Vorherrschaft auf dem Weltmarkt
nimmt an Schärfe zu. Der Chef des weltgrößten Solarkonzerns
Suntech, Zhengrong Shi, greift seinen deutschen Rivalen Solarworld
im Gespräch mit der 'Financial Times Deutschland' ('FTD'/Mittwoch)
frontal an. Solarworld hatte im Oktober gemeinsam mit
US-Herstellern in den USA gegen Billigimporte aus China geklagt.
Der Vorwurf: Die chinesische Regierung subventioniere ihre
Solarbranche mit billigen Krediten und dränge so westliche Rivalen
aus dem Markt. 'Die Klage von Solarworld ist eine traurige Sache.
Da wird es nur Verlierer geben.
Es ist sehr unklug von
Solarworld, diese Klage zu erheben', sagte Shi.
Die aggressive Replik Shis verdeutlicht die angespannte Lage der
Branche. Der durch staatliche Förderungen unter anderem in
Deutschland ausgelöste Boom hat zu Überkapazitäten in der Industrie
geführt, die nun die Preise verfallen lassen. Selbst Marktführer
wie Suntech und Solarworld schreiben inzwischen Verluste, einstige
Branchengrößen wie Q-Cells in Deutschland ringen um ihre
Existenz.
Shi will die Krise überstehen, indem er die Kosten um rund 20
Prozent drückt und auf Gewinnziele verzichtet: 'Ich kann nicht
sagen, ob wir 2012 wieder profitabel sein werden. Aber unser Ziel
ist es.' Zudem reagierte er auf Kritik, von staatlich gelenkten
Banken ausgehalten zu werden. 'Wir bauen die Schulden beständig ab.
Das steht ganz oben auf meiner Pflichtenliste.'
Shi glaubt, dass die Industrie kurz davor ist, auf öffentliche
Mittel verzichten zu können. 2015 könnte es seiner Meinung nach
soweit sein. Bis dahin wolle er ein 'wirklich globales Unternehmen'
aufgebaut haben. 'Das heißt, dass wir auch ein globales
Produktionsnetz haben werden. Es macht dann keinen Sinn mehr,
Module durch die ganze Welt zu schicken. Man muss vor Ort
produzieren, wenn man ein globales Unternehmen sein will', sagte
er, ohne konkret zu werden.
Sollte Solarworld mit der Klage in den USA und Europa, wo
Konzernchef Frank Asbeck Ähnliches plant, gewinnen, will Shi seine
Präsenz in diesen Märkten verringern.
'Wenn Solarworld gewinnt,
werden wir uns natürlich noch stärker auf die Länder und Regionen
konzentrieren, wo es keine Schutzzölle gibt. China, Asien
insgesamt.' Das US-Handelsministerium entscheidet am 2. März über
einen Anti-Subventions-Zoll. Es hatte schon verkündet, dass
potenzielle Zölle drei Monate rückwirkend gelten
würden./nmu/fn/wiz