23.03.2011, 19:03
Glasdisplays für Tablets
Verstärkte Konkurrenz fürs Gorilla-Glas
Der US-Hersteller Corning hält ein Monopol für widerstandsfähige
Glasdisplays. Deutsche und japanische Unternehmen wollen es
knacken. Sie entwickeln Glas, das Härte mit Biegsamkeit
vereint. von Michelle Röttger, Hamburg
AnzeigeDie beliebtesten Materialien für Unterhaltungselektronik
sind seit Jahren Plastik und Metall. Glas spielte lange Zeit keine
Rolle, die Gefahr eines Bruchs war zu hoch. Das galt, bis der
US-amerikanische Spezialglashersteller Corning vor vier Jahren ein
Produkt auf den Markt brachte, das Plastik und herkömmliches Glas
in den Schatten stellt: Das Gorilla-Glas ist vier- bis siebenmal
stärker, zwei- bis dreimal dünner und um ein Viertel leichter als
normales Fensterglas.
Ideale Eigenschaften für Touchscreens:
Gorilla-Glas ist flexibel wie Plastik,
aber doch ähnlich hart und kratzfest wie Uhrglas
Der Absatz des Gorilla-Glases ist mit dem Erfolg von Smartphones
und Tablets in die Höhe geschossen. Der Bedarf steigt täglich,
Cornings Produktionskapazitäten sind voll ausgelastet. Der Grund:
Das New Yorker Unternehmen ist bisher der einzige Hersteller des
Glases, das im Gegensatz zu Plastik weniger schnell verkratzt und
das Licht besser hindurch lässt. Es ist zwar weniger hart als
kratzfestes Mineralglas von Uhren, dafür aber biegsam wie
Plastik.
In diesem Jahr bekommt der Monopolist jedoch erstmals Konkurrenz.
Der japanische Glas- und Chemiekonzern Asahi hat Anfang des Jahres
Dragontrail vorgestellt. Und auch der Spezialglas- und
Keramikhersteller Schott aus Deutschland wird im April ein
Konkurrenzprodukt präsentieren. Beide Hersteller arbeiten seit
Jahrzehnten mit Spezialglas. Sie müssen sich aber gegen Cornings
Erfahrung bei Displays behaupten.
Das New Yorker Unternehmen hat im vergangenen Jahr mit Gorilla-Glas
250 Mio. Dollar eingenommen. Bis Ende 2011 will es den Umsatz mit
Displayglas vervierfachen. Analysten von Barclays Capital halten
dieses Ziel für realistisch. Gorilla-Glas ist bereits in über 300
Millionen Smartphones, fast allen der 2010 verkauften 20 Millionen
Tablets sowie 15 Millionen Laptops eingebaut.
Obwohl Corning schon Glas für LCD-Displays produziert, soll
Gorilla-Glas langfristig auch diesen Markt erobern. Das Ziel:
Ultradünne Bildschirme ohne Einfassung. Erster Kunde ist hier Sony
mit High-End-Fernsehern aus der Bravia-Reihe. Bis zum Jahr 2014
will Corning das Gorilla-Glas auch auf Anwendungen in Autos,
Haushaltselektronik und bei Gebäuden ausweiten.
Corning sieht sich technologisch überlegen
Ein Sprecher von Corning gibt sich selbstbewusst. "Wir sind nicht
besonders besorgt. Unser Produkt ist seit mehr als drei Jahren auf
dem Markt. Wir haben es bereits viermal weiterentwickelt und fühlen
uns technologisch überlegen", sagt er.
Asahi lässt sich davon nicht einschüchtern, bis 2012 will der
Konzern 30 Prozent des Marktes erobern. Für dasselbe Jahr peilt
Asahi mit Dragontrail einen Umsatz von 360 Mio. Dollar an. Diese
Ziele setzte sich Asahi im Januar. Mittlerweile ist fraglich, ob
die Japaner sie erreichen. Denn Erdbeben und Tsunami haben viele
Anlagen stark beschädigt.
Mit Informationen zum Produkt halten sich die Verantwortlichen
zurück. Dragontrail sei zwar sechsmal härter als herkömmliches
Fensterglas, den direkten Vergleich zu Gorilla wollen sie aber
nicht ziehen.
Schott gibt sich ebenfalls mit Details zum neuen Produkt bedeckt.
Die Deutschen haben ein Verfahren entwickelt, um widerstandsfähige
Frontscheiben von Hochgeschwindigkeitszügen auf 0,5 Millimeter zu
verdünnen. Unter dem wenig poetischen Namen LAS80 präsentiert das
Unternehmen sein Glas im April auf der japanischen Messe Finetec.
Es sei fünfmal stärker als Fensterglas. Mehr gibt Schott nicht
preis.
Möglicher Grund für die Geheimniskrämerei: Die Wettbewerber können
mit dem mehrfach weiter entwickelten Gorilla-Glas nicht mithalten.
Offenbar hat Corning noch ein paar Jahre Zeit, bevor die Rivalen
wirklich gefährlich werden.
Cornings Geheimnis
Gorilla-Glas nimmt zuerst ein 400 Grad heißes Bad für den
Ionenaustausch. Kleine Natriumionen verlassen das Glas, große
Kalium-Ionen ersetzen sie. Nach dem Abkühlen sind die Ionen viel
dichter gepackt als vorher. Es entsteht eine Druckspannung, die
dafür das Glas härter und kratzfester macht. Die Technik ist seit
den 60er-Jahren bekannt. Danach erfolgt eine chemische Härtung,
deren Ablauf Corning geheim hält. Es folgen Zusatzschichten, die
zum Beispiel antireflektiv oder fettabweisend wirken.
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24.03.2011 | 09:21 Uhr
Zweiter Versuch
Sharp will 10G-Panel-Werk in China errichten
In Sharps 10G-Werk in Sakai werden nicht nur
LCD-,
sondern auch Solar-Panels gefertigt.
Sharp ist im japanischen Sakai, weg von dem jüngst verwüsteten
Erdbebenzentrum um Sendai, der erste LCD-Hersteller mit einer
laufenden 10G-Produktion zur Verarbeitung von 8,7 qm großen
Muttergläsern. Trotz eines abgeschmetterten Antrags für den Bau
eines 8G-Werkes versucht es der Hersteller nun mit einem
chinesischen Partner und einer 10G-Anlage in Nanjing.
Hintergrund des ablehnenden Bescheids für den Bau einer 8G-Fabrik
zur Verarbeitung von 5,3 oder 5,5 qm großen Muttergläsern
(Glassubstraten) ist der, dass Beijing (Peking) die Zahl solcher
modernen Panel-Werke begrenzen will und chinesische Hersteller
bevorzugt, wie in Industriekreisen gemunkelt wird.
Mutterglas-Lieferant für die 10G-Produktion ist Corning, bisher der
einzige Hersteller, der solche großen Gläser fertigen kann. Bei
einem anderen japanischen Erdbeben in der Mitte der Hauptinsel
Honshu im August 2009 wurde die Produktion empfindlich
getroffen.
Ausgerichtet und optimiert sind Panel-Fabriken ab 7.5G für
LCD-Fernseher, aber es wird auch immer wieder berichtet, dass
Monitor- und Notebook-Panels aus 8G-Werken stammen.
Sharp war übrigens auch erster Hersteller mit einer laufenden
8G-Produktion. Der neue Plan für ein 10G-Werk in Nanjing am Yangtse
sieht vor, CEC Panda mit ins Boot zu nehmen und auch
Technologietransfer zuzulassen.
AU Optronics (AUO), Nummer zwei in Taiwan und nach Samsung, LG
Display und CMI viertgrößter Hersteller großer Panels (ab 9,1 Zoll
Bilddiagonale) hat 2010 fast neun Monate gewartet, um von der
eigenen Regierung in Taipei grünes Licht für den Bau einer
7.5G-Fabrik (4,3 qm große Substrate) in China zu bekommen. Nachdem
der Hersteller sich mit Chinas InfoVision Optoelectronics (IVO)
zusammengetan hat, dauerte es nicht lange, von Beijing die
Genehmigung für den Bau einer 7.5G- oder gar 8.5G-Fabrik
einzuholen.
Samsung hat von China schon das Okay für den Bau einer 7.5G-Anlage
erhalten, LG Display für ein 8.5G-Werk. Die beiden koreanischen
Riesen wurden aber zuvor von den Behörden im Reich der Mitte
monatelang hingehalten. Mittlerweile haben die Koreaner ihr
Engagement wieder zurückgefahren, auch weil sie mehr in OLED- oder
AMOLED-Fabriken investieren wollen.
Die Begrenzung der Zahl der Fabriken wurde auch damit erklärt, dass
diese große Ressourcen wie Wasser und Strom verbrauchen und auch
ökologisch bedenklich sind.
Der Bau einer solchen Fabrik verschlingt ähnlich wie Atomkraftwerke
Milliarden von Dollar. Und tatsächlich ist nicht nur der
Ressourcenverbrauch enorm, sondern auch der potenzielle Schaden für
die Umwelt angesichts der erforderlichen Materialien und
Reinigungsmittel.
Das von Sharp geplante 10G-Werk soll 450 Milliarden Yen oder 5,55
Milliarden Dollar kosten und monatliche Kapazitäten für 80.000
Muttergläser bieten, ausreichend für 17 Millionen 40 Zoll große
LCD-Fernseher. Das wären fast 10 Prozent der 2010 global verkauften
LCD-TVs. (kh)