Rational lässt Dampf ab
[15:53, 25.11.11]
Von Christian Scheid - boerse-online.de
Der Start eines neuen Produkts ließ den Gewinn des Anbieters von
Gargeräten für Großküchen zusammenschnurren. Analysten sind
trotzdem optimistisch.
Für die Aktionäre von Rational kam die Nachricht überraschend:
Statt wie gewohnt von Zuwächsen berichtete der Anbieter von
Gargeräten für Großküchen von einem Gewinnrückgang. Sogar die
Analystenschätzungen hat Rational verfehlt - das hatte es bei dem
in Landsberg am Lech beheimateten Konzern seit Jahren nicht
gegeben.
Konkret kletterte der Umsatz nur um 6,9 Prozent auf 92,4 Mio. Euro.
Die Bankexperten waren im Schnitt von einem Erlös von 93,9 Mio.
Euro ausgegangen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit)
rutschte im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent auf 23,2 Mio.
Euro ab. Auch damit lag die Gesellschaft deutlich unter dem
Analystenkonsens von 25,5 Mio. Euro.
Rational hat im September einen neuen Garofen namens Self Cooking
Center Whitefficiency eingeführt, der das bisherige Hauptprodukt
ersetzt und sich durch eine verbesserte Garleistung und -qualität
sowie eine geringeren Ressourcenverbrauch auszeichnet. Wegen
umstellungsbedingter Verzögerungen in der Produktion konnte
Rational gegen Ende des dritten Quartals weniger Geräte verkaufen.
Zudem haben höhere Kosten für Vertrieb und Marketing im
Zusammenhang mit der Produkteinführung das Ergebnis belastet.
Trotz dieses Ausrutschers halten Analysten Rational weiter die
Stange. Aktuell beobachten 14 Experten die Aktie, vier raten zum
Kauf. Einer davon ist Michael Gorny von der WestLB. Sein Kursziel
von 175,00 Euro liegt knapp 14 Prozent über der aktuellen Notiz.
Ebenfalls nur als "temporäres Phänomen" sehen die Experten der
Investmentbank Cheuvreux die Belastung der operativen Marge.
Allerdings beurteilen die Franzosen die Papiere von Rational nur
mit "Untergewichten", sie erwarten also eine im Vergleich zum
Gesamtmarkt schlechtere Kursentwicklung der im MDAX notierten
Aktie.
Das hohe Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 21,2 auf Basis der
2011er-Analystenprognosen ist der Hauptgrund, warum neben Cheuvreux
neun weitere Analysten eher skeptisch gegenüber der Kursentwicklung
gestimmt sind - wobei acht davon immerhin zum Halten des Papiers
raten. An der Bewertung der Rational-Aktie scheiden sich schon
lange die Geister. In der Vergangenheit war der Titel selten mit
einem KGV von weniger als 15 zu haben, in Hochzeiten wie im Sommer
2011 kann die Kennziffer aber auch durchaus bei 25 liegen.
Kaufargumente für Optimisten
Vor allem zwei Argumente, die eng zusammenhängen, sind für die
Optimisten als Kaufargument entscheidend: Erstens ist Rational mit
einem Anteil von rund 54 Prozent mit großem Abstand Weltmarktführer
bei Garöfen für Profiküchen. Zweitens ist das Unternehmen dadurch
in der Lage, hohe Preise durchzusetzen, was sich in eindrucksvollen
Margen widerspiegelt: Trotz des Ausrutschers im dritten Quartal
blieben bei Rational auf Ebit-Basis in den ersten neun Monaten
satte 25 Prozent des Umsatzes als Gewinn hängen - eine
Profitabilität, die in Deutschland nur von wenigen Unternehmen
erreicht wird.
Für Beruhigung in der Analystenzunft sorgte Rational-Chef Günter
Blaschke mit der Bestätigung der Gesamtjahresprognose. Demnach soll
der Umsatz um zehn Prozent zulegen und das operative Ergebnis
verbessert werden. Das starke Auftragsplus von 16 Prozent im
Zeitraum Juli bis September stärkt Blaschke den Rücken.
"Das vierte Quartal läuft im Rahmen der Erwartungen", so der
Firmenlenker. Auch für 2012 ist Blaschke optimistisch und stellt
weiteres Wachstum in Aussicht. Grundsätzlich steht dem Unternehmen
ein riesiger Markt von 2,5 Millionen Großküchen weltweit offen, von
denen bislang nur wenige mit professioneller Gartechnologie
ausgerüstet sind. Um diesen Markt buhlen neben Rational Unternehmen
wie Convotherm und Electrolux. Dank regelmäßiger
Produktinnovationen wie dem Self Cooking Center Whitefficiency
gelingt es den Bayern, ihren Vorsprung zu halten beziehungsweise
sogar auszubauen.
Im Falle einer Rezession kommen Rational eine äußerst flexible
Kostenstruktur, auftragsorientierte Fertigung und geringe Fixkosten
entgegen. Vorteile, die besonders in Phasen eines scharfen
Abschwungs zum Tragen kommen, wie Daten aus den Jahren 2008 und
2009 zeigen: Bei einem moderaten Erlösminus von 8,3 Prozent kam
beim Ebit ein Zuwachs von 8,9 Prozent heraus. Die Profitabilität
hatte sich also in der Krise sogar noch erhöht. Insofern stellt
sich der damalige Kursverfall von rund 150 auf 60 Euro im
Nachhinein als weit übertrieben heraus.
Sollte es dieses Mal auch nur ansatzweise zu ähnlichen
Kursverwerfungen kommen, können langfristig orientierte Anleger
über einen Einstieg bei der Qualitätsaktie nachdenken.
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