manager-magazin.de, 20. Juli 2007, 11:46 Uhr
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www.manager-magazin.de/it/artikel/0,2828,495510,00.html
COMBOTS
"Akuter Verbrennung ausgesetzt"
Von Simon Hage und Matthias Kaufmann
Sie wollte die Kommunikation revolutionieren. Nun musste die
Internetfirma Combots, die aus dem Portalanbieter Web.de
hervorgegangen ist, einräumen: Ihr Angebot hat kaum Nutzer
erreicht. Eine Auflösung des Unternehmens, wie ein prominenter
Aktionär es fordert, soll es aber nicht geben. Der erwägt nun
rechtliche Schritte.
Hamburg - Michael Greve hat bei der Combots-Hauptversammlung eine
ernüchternde Bilanz gezogen. Trotz großer Anstrengungen, referierte
der Chef der Internetfirma, könne man mit den erreichten
Ergebnissen nicht zufrieden sein: Zu wenige User hätten sich beim
Kommunikationsdienstleister registriert. Ebenfalls schmerzhaft:
Nutzer von Combots haben das Angebot viel zu selten
weiterempfohlen. Das Produkt verbreitete sich im Netz also
keinesfalls wie ein ansteckender Virus. Ein Großteil der
Internetnutzer war offenbar immun.
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Spaßige Kommunikation: Mit Figuren wie Garfield will Combots die
Verständigung erleichtern
"Wir sind deutlich hinter unseren eigenen Erwartungen
zurückgeblieben", räumte auch Combots-Sprecher Oliver Schwartz
gegenüber manager-magazin.de ein. Drastische Worte für eine Firma,
die sich auf ihrer Internetseite als "Unternehmen mit einer klaren
Vision" preist - und "ein faszinierendes Produkt" anbietet.
Die Anwesenden waren überrascht angesichts so viel Offenheit.
Mancher sprach gar von einem "Canossagang" Greves, der noch bis vor
kurzem nichts von schwerwiegenden Problemen wissen wollte.
Eine Revolution in der digitalen Kommunikation hatte das
Unternehmen in der Vergangenheit versprochen. So sieht das Produkt
heute aus: Nutzer können per Internet-Messenger kommunizieren,
telefonieren und Dateien austauschen. Aufgepeppt wird die
Unterhaltung dadurch, dass die User eigene Figuren - so genannte
Avatare - auswählen können. Alles längst da gewesen, sagen
Kritiker. Sie verweisen auf Plattformen wie Skype, die
funktionalere und wesentlich erfolgreichere Dienste anböten.
Nun werden Änderungen vorgenommen, bei denen vor allem die
"Kompatibilität nach außen" im Mittelpunkt stehe; so Schwartz.
Beispiel: Seit kurzem können Combots-Nutzer nicht nur mit ihren
internen Kontakten, sondern auch mit Kunden anderer
Messenger-Netzwerke wie ICQ, Windows Live Messenger, AIM oder
GoogleTalk kommunizieren. "Wir haben Brücken in die Außenwelt
geschlagen", jubiliert Schwartz. Weitere Features sollen "noch in
den kommenden Tagen" folgen.
Änderung des Geschäftsmodells?
Von einer Änderung des Geschäftsmodells will er jedoch nicht
sprechen: "Wir haben einige Weichen früher und anders gestellt, als
das vorgesehen war." Die Bewertung dieser Änderungen allerdings
sorgte für Streit auf der Hauptversammlung, bis weit in die
Nacht.
Zu infantil für Büronutzer: Spongebob war nicht der richtige
Sympathieträger für Combots
Ohnehin war die Aktionärskritik harsch ausgefallen. "Die vormals
lautstark so angekündigte 'Killerapplikation' hat sich bisher als
Schlafmittel entpuppt", beanstandete Christian Strenger, ehemaliger
DWS-Geschäftsführer. "Sie löst nicht Begeisterung, sondern in
Fachkreisen weiterhin Achselzucken aus". Insgesamt erscheine das
Geschäftsmodell, alle Kommunikationstools in einem Produkt zu
bündeln, "zu kurz gedacht".
So mancher Aktionär runzelt die Stirn, wenn er auf die
Quartalszahlen blickt. Beim Umsatz steht dort 0,0. In Worten: Null
Komma Null. Insgesamt ergab sich im ersten Quartal 2007 ein Verlust
in Höhe von 7,2 Millionen Euro. Dennoch sitzt das Unternehmen auf
einem beachtlichen Berg liquider Mittel: insgesamt 496,2 Millionen
Euro. Combots profitiert vor allem von seiner 9,3-prozentigen
Beteiligung an United Internet . Diesem Konzern hatten
Web.de-Mitbegründer Greve und die anderen Aktionäre im Herbst 2005
das erfolgreiche Portalgeschäft verkauft. Übrig blieb eine
Abspaltung, die sich heute Combots nennt.
"Die Combots-Idee ist offenkundig gescheitert", schrieb Aktionär
Strenger in seinem Gegenantrag zur Hauptversammlung. "Wenn der
Vorstand seine aussichtslose Geschäftsidee weiter verfolgen will,
soll er das mit eigenem Geld tun". Der Einsatz weiterer
Millionensummen sei aus seiner Sicht keinesfalls zu rechtfertigen.
Strenger forderte daher "eine De-facto-Auflösung der Gesellschaft"
- und eine Ausschüttung des kompletten Bilanzgewinns an die
Aktionäre. Begründung: Alles Geld, das im Unternehmen verbleibe,
sei "akuter Verbrennung ausgesetzt".
Drohung mit juristischen Schritten
Da allerdings kannte er die Änderungspläne des Managements noch
nicht. "Die gehen so weit, dass hier eine Adhoc-Meldung angezeigt
gewesen wäre", sagte Strenger nach der Hauptversammlung gegenüber
manager-magazin.de. Es gehe nicht an, dass so etwas einem kleinen
Kreis von Aktionären vorgestellt werde, die Kapitalmärkte davon
aber nicht erführen. In dieser Frage ziehe er juristische Schritte
in Betracht.
Sein Antrag auf Ausschüttung freilich wurde abgelehnt; mit 99
Prozent stimmten die Gesellschafter dafür, den Bilanzgewinn im
Unternehmen zu belassen und nicht einmal eine Dividende
auszuschütten.
Überraschend ist das Ergebnis nicht. Schließlich besitzt die
Familie Greve - Vorstandschef Michael, Bruder Matthias und Vater
Felix - einen Großteil der Combots-Aktien. Das Unternehmen
verspricht stattdessen baldige Besserung. Im Vorstand herrsche die
Zuversicht, sagt Combots-Sprecher Schwartz, die Nutzerzahl bereits
im laufenden Quartal spürbar steigern zu können. Gelinge das nicht,
seien "alle Optionen offen".