10. September 2006 LCD GEGEN
PLASMA
Flach-TVs im Stromverbrauchstest
Von Frank-Oliver Grün
Der Energie-Hunger von Plasma-TVs ist
himmelschreiend? LCDs sind dagegen die reinsten Engel? Bei einem
großen Vergleichstest hat die Redaktion des Magazins "video" Erstaunliches
herausgefunden.
Plasma- oder LCD-TV? Diese Entscheidung treffen täglich Tausende
von Fernseherkäufern. Sie orientieren sich dabei an
Testergebnissen, am Design, am Preis - und zunehmend auch am
Stromverbrauch. Schließlich hat "video" oft genug vorgerechnet, wie
groß die Unterschiede zwischen sparsamen und leistungshungrigen
Geräten sind - zuletzt im Energiereport in Heft 7/05.
Als besonders stromfressend gelten Plasma-TVs. Sie treiben die
Zeiger der Messgeräte im "video"-Labor regelmäßig auf über 250 Watt
- mit derselben Menge Energie kann ein Halogen-Deckenfluter das
Wohnzimmer hell erleuchten. Einige Experten rechnen sogar mit noch
höheren Wattzahlen. So nennen die Deutsche Energie-Agentur (Dena)
und die Verbraucherzentralen Werte von bis zu 530 Watt.
Einsame Spitzen
"Solche Verbrauchsspitzen sind jedoch selten", beruhigt Mike
Bolatzky, Leiter Marketing Support bei Panasonic, die potenziellen
Kunden. Denn wie in Röhren-Fernsehern hängt auch beim
Plasma-Display der Stromverbrauch vom dargestellten Bild ab. Helle
Flächen brauchen mehr Energie, dunkle weniger. In LCDs brennt
dagegen konstant eine Hintergrundbeleuchtung, die von den
Flüssigkristallen nach Bedarf abgeschirmt wird. Der Verbrauch
bleibt konstant, egal ob es auf dem Display gleißend hell oder
stockfinster ist.
Was heißt das nun für Plasma-Käufer? Dass sie mit düsterem Horror à
la "Underworld" Strom sparen können? Oder mit langen
"Alien"-Nächten gar einen Teil der Anschaffungskosten wieder
hereinholen? "video" wollte es genau wissen und schickte Vertreter
jeder Bildschirm-Technologie in die hauseigene TEST-Factory.
Licht und Schatten
Zwei DVDs dienten den Testern als Referenz: das Eiszeit-Spektakel
"Ice Age", das mit schneeweißen Gletschern den Bildschirm zu
maximaler Helligkeit zwingt, und der Brutalo-Krimi "Sin City" mit
seinen in jeder Hinsicht finsteren Bildern.
GEFUNDEN IN...
Video 9/2006
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Das Test- Magazin für DVD, TV, Videorecorder, Camcorder und Home-
Cinema
www.video- magazin.de
Je ein Röhren-, ein LCD- sowie ein Plasma-TV zeigten nacheinander
die beiden Filme, und "video" maß dabei den Energieverbrauch: Ein
computergesteuertes Messinstrument dokumentierte die Stromaufnahme
im Sekundentakt und zeichnete einen exakten Verlauf des
Verbrauchs.
Im Falle des LCDs fiel die Kurve erwartungsgemäß flach aus, die
Werte pendelten zwischen 161 und 170 Watt. Im Schnitt schluckte der
Thomson 37 LB 330 B5 mit "Sin City" 163 Watt. Lief der deutlich
hellere "Ice Age" im Player, stieg die durchschnittliche
Leistungsaufnahme nur minimal auf 166 Watt. Beide Werte liegen nahe
an den 162 Watt, die das Labor bereits für den Test in "video" 8/06
ermittelt hatte.
Völlig anders sehen die Diagramme der Samsung-Röhre und des
Panasonic-Plasmas aus. Bei ihnen schwankt der Stromverbrauch
extrem. So erreicht der Panasonic TV-37 PV 60 in "Sin City" ein
Maximum von 284 Watt, kommt zwischendrin aber auch mit 66 Watt aus
- je nachdem, wie viel Spitzlicht Robert Rodriguez verwendet, um
die scherenschnitthaften Figuren seiner Comicverfilmung vom
schwarzen Hintergrund abzusetzen.
Ausgleich der Extreme
Über die gesamte Spielzeit der DVD pendeln sich Verbrauchsspitzen
und -täler aber auf einen Mittelwert ein. Im Schnitt verbrauchte
der Testplasma mit "Sin City" rund 125 Watt. Sid, Diego und ihre
animierten Freunde aus "Ice Age" waren etwas hungriger:
Durchschnittlich 165,6 Watt dokumentierte der Stromschreiber nach
75 Minuten Animationsfilm.
Beide Werte liegen unter den 239 Watt, die "video" im normalen Test
ermittelt hätte. "Das liegt an der Art der Messung", erklärt
TESTfactory-Leiter Klaus Ludwig. "Wir stellen das Gerät gemäß
"video"-Standard ein und ermitteln den Verbrauch bei der
Darstellung einer sechsstufigen Grautreppe. Dies entspricht dem so
genannten Average Picture Level - also einer durchschnittlichen
Helligkeit - von 50 Prozent." Das tun praktisch alle seriösen
Institute.
"Allerdings ist diese Messung für Plasmas eine Herausforderung",
weiß Ludwig. Weil das Display unter Laborbedingungen konstante
Helligkeit bringen muss, liegt der Verbrauch oft höher als im
Mischbetrieb mit TV- und DVD-Signalen.
Praxisnahes Programm
Auch LCD-TVs könnten schon bald unter diesen erschwerten
Bedingungen leiden: Je mehr die Hersteller mit variabler
Hintergrundbeleuchtung experimentieren, desto schwerer lässt sich
ihr Verbrauch messtechnisch erfassen. Schließlich verbessert eine
"Adaptive Backlight Control", wie sie Toshiba oder Panasonic in
LCD-Fernsehern einsetzen, nicht nur die Schwarzwiedergabe; sie
reduziert in dunklen Szenen auch das Hintergrundlicht und damit den
Stromverbrauch.
Praxisnah, das war den "video"-Testern klar, lässt sich der
Energiehunger moderner TVs nur mit bewegten Bildern messen. Doch
mit welchem Programm-Material? Und lohnt sich der Aufwand überhaupt
für die 3,5 Stunden, die der deutsche Durchschnitts-Zuschauer
täglich vor dem Fernseher sitzt? Die meiste Zeit verbrät das Gerät
ja Energie im Standby.
72 Stunden Dauertest
Um Daten über den tatsächlichen Stromverbrauch zu bekommen,
schickte "video" die drei Testmodelle noch einmal ins Labor - und
mit ihnen acht weitere Fernseher mit Bildschirmdiagonalen zwischen
81 und 127 Zentimetern.
Alle TV-Geräte bekamen dasselbe Fernsehsignal zugespielt und liefen
drei Tage lang rund um die Uhr. Nach 72 Stunden stand fest: Weder
die Bauart des Displays noch die Bildschirmgröße gibt einen
eindeutigen Anhaltspunkt für den Energieverbrauch eines
Fernsehers.
So kann ein LCD-TV mit 37 Zoll im Betrieb mehr Strom verbrauchen
als ein gleich großer Plasma. Dafür muss ein 47- Zöller nicht
zwangsläufig gieriger sein als sein Schwestermodell mit
42-Zoll-Display. In jeder Kategorie gibt es sparsame Umweltengel.
Und Energieschleudern, die sich aus der Steckdose bedienen, als
hätte es Strompreiserhöhungen nie gegeben.
Warum 70 Prozent mehr zahlen?
Zwar neigen Plasma-Displays insgesamt zu etwas höheren
Verbrauchswerten, doch sind die längst nicht so überzogen wie
landläufig angenommen. Der Pioneer PDP-506 XDE etwa (Test in
"video" 1/06) benötigte für sein 127-Zentimeter-Bild im Dauertest
19,44 Kilowattstunden, was einer Leistungsaufnahme von 270 Watt
entspricht. Der Hersteller selbst gibt in den technischen Daten
einen viel höheren Wert an: 344 Watt für das Display und noch mal
25 Watt für die Tunerbox.
Auf jeden Fall lohnt es sich, auf den
Stromverbrauch zu achten. Wer einen der beliebten 42-Zöller aus dem
"video"-Dauertest besitzt, kann 32,55 Euro im Jahr fürs Fernsehen
bezahlen - oder 57,66 Euro.
Das ist ein Aufschlag auf die Energiekosten von mehr als 70
Prozent. Im Vergleich dazu schlägt der Standby-Betrieb mit ein paar
Cent bis wenigen Euro jährlich kaum zu Buche. Trotzdem sollte man
nicht vergessen, dass Standby-Kosten verschwendetes Geld sind, für
das der Konsument keinerlei Gegenwert erhält. Der Stromverbrauch
während des Betriebs zahlt sich dagegen in stundenlangem Vergnügen
und brillanten Fernsehbildern aus.
Neuer Messwert
Bleibt die Frage, wie Fernseherkäufer
stromsparende Modelle erkennen sollen. Energieklassen wie für
Waschmaschinen oder Kühlschränke fehlen. Viele Hersteller geben gar
keine Verbrauchswerte an, und wenn doch eine Wattzahl im Prospekt
steht, ist sie aus den genannten Gründen wenig
aussagekräftig.
Deshalb führt "video" mit der kommenden Ausgabe einen neuen
Messwert ein: den "video"-Praxisverbrauch. Er gibt genau Auskunft
darüber, wie viel Strom der Fernseher während der Wiedergabe eines
typischen Spielfilms braucht. Die Testgeräte bekommen dazu unter
standardisierten Bedingungen im Labor die DVD "Ice Age" zugespielt.
Ein Computer misst jede Sekunde die Leistungsaufnahme und ermittelt
aus 4500 einzelnen Werten den tatsächlichen
Durchschnittsverbrauch.
Zusammen mit den gewohnten Angaben für Werks- und
Ideal-Einstellungen liefert "video" damit exklusiv detaillierte
Informationen über den Stromverbrauch. Die Entscheidung "LCD oder
Plasma" lässt sich so noch einfacher und nach wirklich objektiven
Kriterien treffen.
Weiter zur Tabelle mit dem Stromverbrauch von 12 TV-Geräten:
http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,436024-3,00.html