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C-Waffe von hinten (EuramS)

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eröffnet am 04.06.06 08:40:13
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neuster Beitrag 04.06.06 08:40:13
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schrieb am 04.06.06 08:40:13
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Der Krieg der Autoindustrie verlagert sich. Die nächste Schlacht wird in Europa geschlagen. Im Visier der Hersteller aus Asien und den USA: die Golf-Klasse

von Christiane Habrich-Böcker

Für manche ist am 9. Juni der Beginn der Fußball-WM reine Nebensache. Denn an diesem Tag ist auch C-Day. Soll heißen: Die hierzulande weithin unbekannte US-Automarke Dodge startet den Verkauf ihres Modells Caliber. Selbst an diesem Datum dürfte es sich dabei nicht um eine Nebensache handeln. Denn Dodge ist nur die Vorhut. Die globale Autoindustrie hat Europa, dem zweitgrößten Automobilmarkt der Welt, zum Schlachtfeld um die Vorherrschaft erkoren. Die Konzerne aus Übersee, vor allem die Asiaten, stehen ante portas, um die europäischen Volumenhersteller anzugreifen. Ausgerechnet in deren Domäne Kompaktwagen, im Fachjargon C-Segment genannt, wo die heimischen Hersteller bislang die unangefochtenen Marktführer sind.

Ein knallharter Preiskrieg wird kommen. DerDodge Caliber, der in der Golf-Klasse antritt, ist um ein Fünftel billiger als ein vergleichbares Auto aus Wolfsburg. Doch für den Einstiegspreis von 14990 Euro bekommt man nicht nur den Wagen. Dodge, die volumenmäßig größte Marke der Chrysler-Gruppe, will Käufer von der Qualität überzeugen, indem sie vier Jahre kostenfreie Werkstattbesuche inklusive Ersatzteile garantiert. \"So ein Incentiv\", weiß Autoexperte Kurt Weßner von Puls-Marketing, \"weckt Interesse und kann durchaus Kaufimpuls sein, zumindest solange, bis vergleichbare Modelle mit dem Paket nachziehen.\" Wer trotz Befreiung von Werkstattkosten den Amerikanern keine Qualität made in Germany zubilligt, kann den Diesel bestellen. Die Motoren stammen von VW. Bei den Absatzzielen gibt sich Thomas Hausch, Vertriebs- und Marketingchef Internationale Märkte bei Dodge, erst mal bescheiden: \"Wir wollen vom Caliber außerhalb der USA 20000 Stück jährlich verkaufen.\" Soviel, wie VW von Golf und Jetta hierzulande in einem Monat an den Mann bringt. Fragt sich, ob das nicht zu kleinlaut ist. Der Angriff der Amerikaner kommt just zu einem Zeitpunkt, wo der Marktführer mit dem Rücken zur Wand steht. In Wolfsburg stehen gerade Abfindungssummen ganz oben auf der Themenliste.

Zwischen 95000 Euro und 250000 Euro kann der schnell entschlossee VW-Mitarbeiter einstecken, der freiwillig bis September vom Werksgelände geht. 85000 Mitarbeiter haben dieses Angebot erhalten. Dafür stehen laut Bilanz 2005 an Rückstellungen etwas mehr als 2,3 Milliarden zur Verfügung. Rechnet man allerdings eine Durchschnittsablöse von 139000 Euro, reichen die dafür zurückgestellten Summen nicht. Also werden im Gegenzug in den VWs Ausstattungsdetails gestrichen oder durch preisgünstigere ersetzt. Wenn sich nun die europäischen Volumenhersteller – neben VW sind ja auch Opel und Fiat noch in einer sensiblen Restrukturierungsphase – durch die neu auftauchende Konkurrenz einem Preiskampf stellen müssen, kann das ins Auge gehen, wie General Motors & Co. in den USA zeigen. Die wurden, geknebelt durch Tarifverträge, von den Asiaten durch preiswerte und leistungsstarke Modelle in die Knie gezwungen. Folge war eine ruinöse Rabattschlacht um des Absatzes willen.

Daß VW wie die beiden US-Riesen in Existenznöte kommen könn-te, sehen Analysten wie Wolfgang Albrecht von der Landesbank Baden-Württemberg allerdings nicht. Er glaubt, daß der Konzern durch ständige Gesundung im Fall eines Preiskampfs mithalten kann.

Die große Gefahr droht, aus Asien. Bei VW, Opel, Fiat und Renault herrscht Alarmstufe Rot, seit Hyundai verkündete, 2007 in Europa ein C-Modell anzubieten. Unter dem Projektnamen FD wird im September eine Studie auf der Autoausstellung in Paris zu sehen sein. Im Sommer darauf ist es zu kaufen. Das Modell wird in Europa gebaut. Der Vertrag zur Errichtung eines Werks in Tschechien wurde gerade unterzeichnet. Hyundai dürfte eine neue Dimension in Sachen Kampfpreis aufzeigen, ermöglicht durch koreanische Zulieferer. Die logistische Vorbereitungen, um im großen Stil koreanische Produkte nach Europa zu bringen, kann man bereits beim Hyundai-Logistiker in Bremerhaven beobachten. Dort läuft der Kapazitätsausbau auf Vollgas. Für den Eintritt ins C-Segment wird Hyundai nach seinem WM-Sponsoring erneut viel, viel Geld in die Hand nehmen. Weiterer Beleg: Derzeit läuft in der Fachpresse eine Anzeigenkampagne, in der Hyundai Deutschland um Händler wirbt. Und auch die Schwestermarke Kia bläst zum Eroberungsfeldzug. Hinter dem Kürzel ED steckt ein C-Modell, das in der Slowakei gefertigt werden wird.

Toyota, derzeit stärkster asiatischer Importeur in Europa, wird sich da nicht lange bitten lassen. So wird über ein 5000-Euro-Auto spekuliert, was Toyota-Europa-Chef Shinichi Sasaki als \"denkbar\" bezeichnet. Auf jeden Fall siniert er über zusätzliche Kapazitäten. \"Wenn nötig, werden wir in den nächsten drei Jahren eine Entscheidung über ein neues Werk treffen und dies bauen.\" Schon jetzt ist das volumenstärkste Modell der Japaner das Kompaktfahrzeug Corolla. Und mit der Hybrid-Version des Prius haben sie einen Pfeil im Köcher. Schon im kommenden Jahr will Toyota in Europa beim Absatz die Millionenmarke überspringen. Alarmzeichen, die die Europäer nicht übersehen können. Opel hat bereits vom Mutterhaus General Motors knallharte Vorgaben bekommen, um mit der nächsten Astra-Generation in Deutschland in Produktion zu gehen.

Hauptforderung: Aufweichung der Macht des Betriebsrats sowie flexible Tarife und Arbeitszeiten. Bei General Motors weiß man nämlich inzwischen, welche Kollateralschäden ein Preiskrieg mit sich bringen kann.

Wertpapiere des Artikels:
Volkswagen AG St. (VW AG)
General Motors Corp. (GM)


Autor: SmartHouseMedia (© wallstreet:online AG / SmartHouse Media GmbH),08:31 04.06.2006

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