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Fiat fährt vor (EuramS)

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eröffnet am 01.10.06 08:22:02
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neuster Beitrag 01.10.06 08:22:02
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schrieb am 01.10.06 08:22:02
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Auf dem Automobilsalon in Paris zeigen die Italiener, dass der Erfolg des Punto kein One-Hit-Wonder war. Die Abkehr vom Billig-Image ist beschlossene Sache


von Christiane Habrich-Böcker


Ein Jahr ist es her, da lud Fiat 1000 Gäste zum Galadinner nach Turin. Mit großem Tamtam
wurde das Modell Grande Punto aus der Taufe gehoben. Als Pate fungierte Formel-1-Legende
Michael Schumacher, sogar die Fiat-Familie Agnelli höchstselbst war anwesend. Der \"lange
Kompakte\" sollte Großes leisten. Bis zur Taufe hatte es schließlich drei Jahre gedauert, 820
Millionen Euro Entwicklungskosten waren verschlungen worden. Fiat-Präsident Luca Cordero di
Montezemolo ließ denn auch in seiner Taufrede keinen Zweifel über die Bedeutung des Grande
Punto für den Konzern: \"Wenn wir es jetzt nicht schaffen, schaffen wir es nie mehr.\"


Ein Jahr später ist das Wunder fast schon perfekt. Die Absatzplanung für dieses Jahr wird wohl
übertroffen. Das Fahrzeug für den sogenannten Volumenmarkt, also den Massenmarkt, wurde
seit seiner Auflage im September 2005 bislang 313000-mal (Stand Ende Juni) bestellt. Ein
solcher Erfolg war dringend nötig, denn Fiat Auto und in der Hauptsache die Marke Fiat sorgen
für mehr als 40 Prozent des Umsatzes von Italiens größtem Konzern.
Im vergangenen Quartal verkaufte Fiat Auto mehr als eine Million Stück, letztmalig passierte das
im Jahr 2001.


In Paris können also die Manager um di Montezemolo erstmals nach Jahren wieder erhobenen
Hauptes auftreten. Der Grande Punto ist ein spektakulärer Erfolg, doch tatsächlich hat die
gesamte Konzernflotte mächtig Fahrt aufgenommen. Fiat hat an der Modellpolitik (gut für den
Umsatz) und an der Produktivität (gut für die Umsatzrendite) gearbeitet. Investoren, die frühzeitig
auf den Turnaround gesetzt haben, konnten seit dem Tiefstand Ende April 2005 rund 200 Prozent
Gewinn einfahren. Auch Analyst Stefan Burgstaller von Goldman Sachs blaubt weiter an die
Restrukturierung und sieht die Fiat-Aktie nach wie vor als Outperformer.


In Paris will man nach Punto und Panda bei den Käufern punkten. Auch die Fiat-Schwestermarke
Alfa Romeo legt beim Absatz wieder zu. Und Lancia fährt 2008 mit drei neuen Modellen vor.
Wobei die beiden aber noch weit von einer Gesundung entfernt sind. Anders im
Nutzfahrzeugbereich: Die Tochter Iveco, die einen Anteil von rund 18 Prozent am Konzern hat,
liefert ordentliche schwarze Zahlen.


Tempomacher auf dem strikten Effizienzkurs ist der Hardliner im Fiat-Vorstand, Sergio
Marchionne. Nachdem er Hierarchien, Vertrieb und Produktion in der Mangel hatte, kann Fiat
nach Berechnungen des Forschungsinstituts B&D Forecast im Markt der Volumenhersteller die
dritthöchste Umsatzrendite nachweisen. Das ist zwar noch weit vom Traumwert der japanischen
Hersteller entfernt – Toyota setzt die Benchmark mit 9,5 Prozent. Aber bei den Europäern liegt
Fiat mit 4,9 Prozent hinter Skoda auf Platz zwei. VW fährt derzeit nur 1,8 Prozent ein.
Setzt sich der positive Trend fort, können die Aktionäre bei Bekanntgabe der Zahlen fürs dritte
Quartal Ende Oktober weiterfeiern. Die Fiat-Protagonisten glauben jedenfalls daran. \"Alle
bisherigen Fakten übertreffen bereits jetzt die Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr\", jubelt
di Montezemolo. In den verbleibenden Monaten rechne man mit einer Fortsetzung der positiven
Entwicklung.


Fiat wagt im wichtigen Osteuropa-Markt, wo man Importmarke Nummer 1 ist, sogar einen
Paradigmenwechsel. Die Italiener wollen weg vom Billig-Image. \"Das wird schwierig, weil wir
Image vor Absatz stellen und damit zunächst einmal die Käufer, die ein preiswertes Fahrzeug
suchen, nicht mehr in dieser Form bedienen\", erklärt Fiat-Markenchef Luca di Meo gegenüber
Euro am Sonntag. \"Aber wir denken, dass Image letztendlich auch den Ertrag sichert. Und das
ist uns wichtiger als Stückzahlen. Um das Ziel zu erreichen, akzeptieren wir auch eine Phase mit
Absatzrückgängen.\"


Auch in den globalen Märkten will Fiat in der Vergangenheit Versäumtes aufholen. Die
Abhängigkeit vom westeuropäischen Markt ist nämlich nach wie vor die Achillesverse. Um das
auszugleichen, steht China ganz oben im Pflichtenheft der Fiat-Mannen. Bis 2010 sollen dort
jährlich 300000 Fahrzeuge verkauft werden. Das würde eine Versiebenfachung der derzeitigen
Produktion bedeuten. Ein neues Modell pro Jahr will man den Chinesen schmackhaft machen.
\"Wir haben aktuell in China den Perla präsentiert und starten damit die Offensive\", so di Meo.
Auch Indien ist fest im Visier. Die bestehende Kooperation mit Marktführer Tata Motors wird
ausgebaut. Man will unter anderem ein gemeinsames Unternehmen gründen, um Motoren sowie
einen Kleinwagen für Asien zu produzieren.


Mit solchen Kooperationen – zehn sind es insgesamt – will Vorstand Marchionne die Zukunft
sichern. Gerade kaufte Fiat Auto sogar für 800 Millionen Euro 29 Prozent an der einstigen
Konzerntochter Ferrari zurück. Die Turiner demonstrieren wieder Stärke und Selbstvertrauen. Das
hätten sie bei dem Dinner vor einem Jahr wohl selbst nicht gedacht.


Wertpapiere des Artikels:
Fiat S.p.A.


Autor: SmartHouseMedia (© wallstreet:online AG / SmartHouse Media GmbH),08:18 01.10.2006

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