schrieb am 09.02.12 22:25:53
Danke für das Lob, psycho. Es gibt mir zu denken, wenn ich hier so
das eine oder andere Kommentar wie
"Da kann ich auch noch warten bis die Finanzierung steht. Viel
niedriger kann der Kurs danach auch nicht sein." lese.
Offenbar haben noch nicht alle die Erfahrung gemacht, dasss alles
Mögliche schief gehen kann und dass es mit Aktien immer
abwärts gehen kann, solange sie nicht bei Null sind, ob fundamental
gerechtfertigt oder nicht.
Das big picture ist doch dieses: Die Wolframpreise sind wegen der
rückläufigen Ausfuhren aus China stark gestiegen. Das hat dazu
geführt, dass auf der ganzen Welt alte Wolfram-Minen reaktiviert
werden. Sangdong gehört als ehemals größte Wolfram-Mine der Welt ja
schließlich auch genau in diese Kategorie. Die Minen auf King
Island, Mt. Carbine in Australien, und Hemerdon in England
ebenfalls. Dazu kommen noch eine Reihe völlig neuer Projekte, die
ebenfalls grob um 2014 herum mit ihrer Produktion auf den Markt
kommen und das Angebot vergrößern werden.
Aus diesem Grund ist es wichtig, möglichst schnell mit dem eigenen
Angebot am Markt zu sein, um möglichst wahrscheinlich, früh und
lange in den Genuss hoher Preise zu kommen. Je später man anbieten
kann, desto unsicherer ist, ob Preise und Gewinne dann immer noch
so hoch sein können, wie sie es heute wären.
Wenn ich mir die Woulfe Pressemitteilung so anschaue, muss ich
folgendes feststellen:
1. "the drilling ran a month late"
2. "The main delay in the feasibility has been metallurgical test
work"
3. Ergebnis: Die BFS verzögert sich um (vorerst) 3 Monate.
Es handelt sich also nicht um EINE terminliche Fehleinschätzung,
sondern um mindestens ZWEI, die in der Summe dann zu einer
Verzögerung der BFS um (vorerst) 3 Monate führen. Das Woulfe
Management scheint also prinzipiell Probleme mit zeitlichen
Einschätzungen zu haben. Das stärkt mein Vertrauen in die neue
Zeitangabe (BFS Ende März fertig) nicht und an meinem Schreibtisch
wird ein lauter Seufzer der Erleichterung zu hören sein, wenn wir
tatsächlich Anfang April die BFS endlich auf dem Tisch liegen
haben.
Dass sich aus der Verspätung der BFS keine weiteren zeitlichen
Verzögerungen ergeben sollen, halte ich für abwegig. Keine Bank der
Welt wird eine Finanzierungsentscheidung für ein Projekt dieser
Größe treffen, solange nicht anhand einer soliden BFS der Nachweis
erbracht wurde, dass man mit an Sicherheit grenzender
Wahrscheinlichkeit profitabel arbeiten und damit den Kredit wieder
zurückzahlen können wird. Diese BFS wird von der Bank zunächst
genauestens geprüft werden und es ist gar nicht unüblich, dass eine
Bank noch einmal ein zusätzliches unabhängiges Gutachten über die
BFS einholt. Da die BFS nun um mindestens 3 Monate verspätet ist,
kann auch diese Prüfung erst 3 Monate später beginnen und
demzufolge auch eine definitive Finanzierungszusage erst 3 Monate
später fallen, als es bei Fertigstellung der Studie Ende Dezember
der Fall gewesen wäre. So sieht jedenfalls das normale Procedere
aus und die Behauptung des Managments, dass in diesem Fall alles
anders sei und der Zeitplan von der Verspätung der BFS nicht
tangiert würde, wird einfach in den Raum gestellt, ohne
nachvollziehbar begründet zu werden. Ich wüsste jedenfalls nicht,
warum Hanmi Global so viel schneller als alle anderen Firmen die
Mine fertigstellen sollte. Und warum hätte man Hanmi nicht
verpflichten sollen, wenn die BFS schon im Dezember fertig gewesen
wäre? Dann wäre man ja NOCH drei Monate eher am Markt gewesen, oder
etwa nicht? Wie gesagt, das ergibt für mich alles keinen Sinn. Food
for thought!
Die Runzeln auf meiner Stirn werden durch die in meinen Augen
wirklich haarsträubende Begründung für die Verzögerung der
metallurgischen Tests in einen Gesichtsausdruck des ungläubigen
Entsetzens verwandelt. Seit "ewiger Zeit" steht fest, dass
flotation Teil des Verarbeitungsprozesses sein wird, um ein
möglichst hochwertiges (und damit hochpreisiges) Konzentrat
herstellen zu können. Wer Tests für welche Technologien anbieten
kann, konnte monate- wenn nicht gar jahrelang im Voraus in
Erfahrung gebracht werden. Es war mehr als genug Zeit vorhanden,
diese Tests bis ins kleinste Detail auszuschreiben. Und da will uns
Herr Wesson erzählen, dass erst als die Problem schon in Kanada
waren, aufgefallen sei, dass die Tests dort gar nicht durchgeführt
werden können? Also mal ehrlich, das kann nicht sein Ernst sein! Da
merkt doch schon ein Grundschüler, dass da was überhaupt nicht
zusammenpasst! Entweder ist das ne ganz schwache Ausrede, mit der
etwas anderes unter der Decke gehalten werden soll oder es ist das
Eingeständnis sprachlos machender Unfähigkeit der dafür
verantwortlichen Personen.
Beides ist nicht geeignet, den hier weit verbreiteten Optimismus
bezüglich Woulfes Fähigkeit, den weiteren Zeitplan einhalten zu
können, zu untermauern.
Noch ein Gedanke zur Finanzierung. Ich verstehe die grundsätzliche
Aversion von Aktionären gegen Verwässerung und teile sie selbst
auch. Dennoch sollte man sich zwingen, bei der Beurteilung der
verschiedenen Finanzierungsvarianten den Verstand zu benutzen. Ich
möchte das an einem Beispiel klar machen, wobei ich betonen möchte,
dass die Zahlen nicht genau dem Fall von Sangdong entsprechen
sollen, sondern so gewählt sind, dass man die Überlegung leicht
nachvollziehen kann.
Angenommen, die Firma hätte 300 Mio. Aktien ausstehen, der
Aktienkurs stünde bei 25 Cents, die Mine würde 100 Mio. kosten,
370.000MTU/a produzieren und diese zu einem Preis von
durchschnittlich $270/MTU Konzentrat mit einer Gewinnspanne von 20%
absetzen können. Ergibt 100 Mio. Umsatz und 20 Mio. Gewinn vor
Steuern im Jahr.
Betrachtet werden zwei Extremfälle: 1. Finanzierung durch 100%
Fremdkapital (Bankkredit) und 2. Finanzierung durch 100%
Eigenkapital (Kapitalerhöhung).
1. Die Firma hat 10 Mio. in der Kasse. Ein Kredit über 150 Mio.
wird aufgenommen, soll 10 Jahre Laufzeit haben, mit 10% verzinst
werden und die Tilgung soll erst ab dem 3. Jahr beginnen und über 8
Jahre in gleich großen Schritten erfolgen. Die Mine soll 100 Mio.
kosten, die Bauzeit 1 Jahr betragen und unrealistischerweise die
Produktion vom 1. Tag des zweiten Jahres an 100% betragen.
1. Jahr: (Errichtung der Mine) Ausgaben von 100 Mio. für die Mine
plus 15 Mio. Zinsen, keine Tilgung. Am Ende des Jahres hat man 45
Mio. in der Kasse und Bankschulden von 150 Mio.
2. Jahr: Gewinn aus Produktion 20 Mio, Zinszahlung 15 Mio., keine
Tilgung. Überschuss 5 Mio. -> 50 Mio. in der Kasse, Bankschulden
150 Mio.
3. Jahr: Gewinn 20 Mio., Zinsen 15 Mio., Tilgung 18,75 Mio., also
-13,75 Mio. Abflüsse -> Cash 36,25 Mio., Bankschulden 131,25
Mio.
4. Jahr: Gewinn 20 Mio., Zinszahlung 13,125 Mio., Tilgung 18,75
Mio. -> Cash 24,375 Mio., Bankschulden 112,5 Mio.
5. Jahr: Gewinn 20 Mio., Zinszahlung 11,25 Mio., _Tilgung 18,75
Mio. -> Cash 14,375 Mio, Bankschulden 93,75 Mio.
6. Jahr: Gewinn 20 Mio., Zinszahlung 9,275 Mio., Tilgung 18,75 Mio.
-> Cash 6,25 Mio., Bankschulden 75 Mio.
7. Jahr: Gewinn 20 Mio., Zinszahlung 7,5 Mio., Tilgung 18,75 Mio.
-> Cash 0 Mio. Bankschulden 56,25 Mio.
8. Jahr: Gewinn 20 Mio., Zinszahlung 5,625 Mio., Tilgung 18,75 Mio.
-> Cash -4,375 Mio., Bankschulden 37,5 Mio.
9. Jahr: Gewinn 20 Mio., Zinszahlung 3,75 Mio., Tilgung 18,75 Mio.
-> Cash -6,875 Mio., Bankschulden 18,75 Mio.
10. Jahr: Gewinn 20 Mio., Zinszahlung 1,875 Mio., Tilgung 18,75
Mio. -> Cash -7,5 Mio, Bankschulden 0.
Halten wir fest: Nach 10 Jahren hat man keine Bankschulden mehr,
dafür aber -7,5 Mio. Verlust eingefahren (der an einer Stelle mit
einer kleinen KE aufgefangen werden muss, aber das würde das Modell
unnötig verkomplizieren, die Zahlen aber nicht wesentlich ändern,
ist also vernachlässigbar). Es gibt keinen Gewinn, der an Aktionäre
auszuschütten wäre. Nochmal: In 10 Jahren hat es keinerlei
Dividende für die Aktionäre gegeben!
Von nun an kommt der angenehme Teil. In den folgenden Jahren müssen
weder Zinsen gezahlt noch Tilgungszahlungen geleistet werden. In
all diesen Jahren beträgt die Bankschuld Null und die Kassenstände
in den Jahren 11-15 betragen 12,5 - 32,5 - 52,5 - 72,5 und 92,5
Mio. Abzüglich der 10 schon am Anfang vorhandenen Cash-Millionen
bleiben also 82,5 "verdiente" Mio. nach 15 Jahren übrig. Davon
könnte man jetzt vielleicht 70 Mio ausschütten, und zwar verteilt
auf die gleichen 300 Mio. Aktien vom Anfang. Jeder Aktionär hätte
also etwa 23 Cents Dividende zu bekommen. 23 Cents in 15
jahren.
Man kann jetzt alle Annahmen (Zinssatz, Tilgungsdauer, Profit,
etc.) variieren und schauen, was bei dieser oder jener Veränderung
heraus kommt.
Die Alternative über eine vollständige Eigenfinanzierung sähe so
aus: 10 Mio. sind schon in der Kasse, die 100 Mio. für die Mine
nimmt man durch Ausgabe neuer Aktien ein. Dabei nehme ich einen
Abschlag von 20% gg. den aktuellen Aktienkurs an, also 20c je neuer
Aktie. Heißt ich gebe 500 Mio. neue Aktien aus zu je 20c und nehme
damit 100 Mio. ein. Die gebe ich für die Mine aus und nach einem
Jahr hat man eine vollständig bezahlte Mine und 10 Mio. in der
Kasse. Vom zweiten Jahr an sind weder Zinsen zu zahlen noch
Tilgungen zu leisten, der volle Profit von 20 Mio. im Jahr
verbleibt in der Firma und kann ausgeschüttet werden, jetzt
allerdings auf 800 Mio. Aktien verteilt, also 2,5c jedes Jahr.
Erstens hat man damit schon ab dem 2. Jahr eine Rückzahlung an die
Aktionäre in Aussicht. Zweitens sind das 37,5 Cents je Aktie nach
15 Jahren im Vergleich zu 23 Cents nach 15 Jahren in der
Fremdfinanzierungs-Variante. Dank der niedrigeren Zahl ausstehender
Aktien wird das Fremdfinanzierungsmodell immer weiter gegen das
Modell mit der Kapitalerhöhung aufholen und es schließlich
überholen. Gut möglich, dass bis dahin aber das Lebensende der Mine
schon längst erreicht ist.
Was ich damit zeigen will, ist: Die der Frage, ob man lieber
verwässert oder fremdfinanziert, ist nicht so pauschal zu
beantworten wie manche meinen. Der optimale Mix hängt von einer
Vielzahl von Variablen ab. Wenn die Eckdaten der Finanzierung
bekannt sind, muss man erst mal neu nachrechnen, welche Profite
wann realistischerweise erwarten werden können. Und davon abhängig
natürlich auch der zukünftige Aktienkurs.
Wer hier äußert, er wäre nach x Jahren "schon" mit einem Aktienkurs
von 2 CAD zufrieden, sollte nochmal auf die Zahlen schauen und
erklären können, wie er diesen Kurs rechtfertigen will.