Antwort auf Beitrag Nr.:
38.699.569 von AlpinaTrading am 09.01.10
11:27:01Alpina vergiss die Hoffnung. RNGS ist und war
immer ein Phantom ohne jegliche Geschäfte.
Zur Erinnerung:
Ganz unterhaltsam, was "man" vor 9 Jahren über Rosnetegaz
schrieb
--------------------------------------------------
Euro am Sonntag Archivbericht
Das Phantom der Börse
19.12.1999 - Ausgabe 51/99
"Der Pipeline-Bauer Rosneftegazstroy ging vor zwei Jahren an die
Berliner Börse. Seither ließ die Firma nichts mehr von sich hören.
Das Unternehmen ist entweder der am besten versteckte russische
Riese oder ein ganz großer Bluff.
Moskau, August 97.
Goldgräberstimmung: Russische Aktien hatten seit Februar 1995 im
Durchschnitt um rund 450 Prozent zugelegt. Doch nur wenige
internationale Investoren verdienten daran. Denn der Aktienhandel
in Moskau ist kompliziert. Und für Ausländer gibt es zudem strenge
gesetzliche Auflagen. Damit auch Privat-Anleger profitieren können,
gibt es eine Hintertür: Depositary Receipts – besser bekannt als
ADR’s oder GDR’s. Dafür hinterlegen Unternehmen eigene Aktien bei
Banken. Diese geben dann Papiere mit verbrieften Bezugsrechten
heraus. Diese ADR’s oder GDR’s können auch an der deutschen Börse
gehandelt werden. Im Spätsommer 1997 wurden für russische Aktien
viele ADR-Programme aufgelegt. Ganz dick im Geschäft: die Bank of
New York, der Marktführer auf diesem Gebiet. Eines der Unternehmen,
das so noch kurz vor dem Höhepunkt der Hausse den Weg an die
deutsche Börse fand, ist Rosneftegazstroy. Dieses Unternehmen
bezeichnet sich als offizieller Nachfolger des sowjetischen
Ministeriums für den Bau von Gas- und Ölförderungsanlagen sowie
Pipelines. Es heftet sich daher auch die Konstruktion eines
angeblich ""500000 Kilometer langen Leitungs-Netzes zwischen
Südamerika und Asien"" an die eigenen Fahnen, obwohl die Leitungen
zu Sowjetzeiten verlegt wurden. Das operative Geschäft liegt in
Händen einer unüberschaubaren Zahl von Tochtergesellschaften. Seit
Mitte September 97 wird das – nach eigenen Angaben – zu den
weltgrößten Infrastruktur-Gesellschaften zählende Unternehmen an
der Berliner Börse notiert. Am ersten Tag wechselten 42000 Anteile
zu Kursen um 19 Euro die Besitzer. Viel höher sollte es nicht mehr
gehen. Sein Allzeithoch erreichte der Kurs der ADR’s, die jeweils
eine halbe Stammaktie repräsentieren, bereits am 13. Oktober 97 bei
20,71 Euro. Danach ging es steil bergab: Wirtschafts-Krise in
Russland. Heute liegt der Kurs bei etwa zwei Euro. Doch woher
kommen eigentlich die Anteilscheine, die bei der Bank of New York
hinterlegt wurden? Dubios ist, dass das Unternehmen, trotz seiner
angeblich immensen Bedeutung für die russische Wirtschaft, an der
Moskauer Börse zuvor nie aufgetaucht ist – dafür auf den British
Virgin Islands. Dort war der Sitz der RNGS Holding BVI, ein
Unternehmen, dass rund zehn Prozent an Rosneftegazstroy hielt. In
den Jahren 95/96 wurden in einer Privatplatzierung
Hinterlegungszertifikate bei Großinvestoren untergebracht. Hierzu
zählten zum Beispiel die DB Morgan Grenfell, Alliance Capital –
sowie ein ominöser Mister Allen aus Texas als Hauptaktionär. Für
ihre Anteile sollen diese Investoren nach Aussagen von Gerd Jacob,
Associate Director des Hongkonger Unternehmens AJG Investments
Ltd., rund 90 Millionen US-Dollar auf den Tisch gelegt haben. Jacob
beriet Rosneftegazstroy von 1997 bis Anfang 1999 in finanziellen
Angelegenheiten. Sollte diese Angabe stimmen, war’s kein lukratives
Geschäft: Ihre Anteile an Rosneftegazstroy – kurz Rosneft – hätten
die Großaktionäre dann mit maximal 30 Prozent Gewinn verkaufen
können. Zur gleichen Zeit konnte man an Moskaus Börse seinen
Einsatz verfünffachen. Übrigens: Die RNGS Holding, die seit 96 in
Wien notiert hatte, wurde nach Einführung der Rosneft-ADR’s
aufgelöst. Laut EURO vorliegenden Unterlagen gab es jedoch
mindestens zwei Klassen von RNGS-Aktien – Stämme und Vorzüge.
Entsprechend dürften für die Anteile auch unterschiedliche Preise
gezahlt worden sein. Marktkenner gehen davon aus, dass nicht alle
Gesellschafter voll für ihre Anteile eingezahlt haben. So wird
vermutet, dass Mister Allen aus Texas, der auch im Vorstand des
Unternehmens saß, ein Strohmann des Managements war. Mit den über
ihn platzierten Anteilen dürften sich die Manager eine goldene Nase
verdient haben. Selbst die Bank of New York warnte im März 1998
Anleger, dass die Ausgabe von neuen Aktien russischer
Gesellschaften oft nur vom Management kontrolliert werde.
Unabhängige Stellen stehen außen vor. Die Umleitung von Gewinnen
aus den operativ tätigen Tochtergesellschaften in
Holding-Gesellschaften – sprich in die Taschen des Managements
statt in die der Aktionäre – wurde damals ebenfalls als weit
verbreitetes Übel angeprangert. Dubios auch die Gewinnprognosen von
Rosneft: Vor der Einführung der ADR’s in den Berliner Freiverkehr
hatte Vorstands-Chef Dr. Ivan Mazur für 1997 einen Reingewinn von
umgerechnet 105 bis 120 Millionen Mark versprochen. 1998 sollten es
dann sogar 225 Millionen Mark sein. Bis zum Jahr 2011
prognostizierte der Rosneft-Lenker gar ein Auftragsvolumen von rund
25 Milliarden US-Dollar und Gewinnmargen von bis zu 15 Prozent.
Doch die offizielle Bilanz liest sich heute völlig anders: Der
Gewinn schrumpfte von 18 Millionen (1997) auf ganze 0,5 Millionen
Mark im vergangenen Jahr. Ob diese Zahlen wirklich stimmen, bleibt
hingegen unklar: Die 98er Bilanz ist weder testiert, noch gibt es
darin einen Hinweis auf den Verfasser. Sie könnte also auch ein
reines Fantasiegebilde sein. Viel Mühe haben sich die Ersteller
dabei sowieso nicht gegeben: So weist zum Beispiel die
Ertragsrechnung ein ""Loch"" von 58 Millionen Rubel – umgerechnet
rund 3 Millionen Mark – auf. Eine Begründung dafür fehlt. ""Die
vorgelegte Gewinn- und Verlustrechnung ist nur eine grobe,
unstrukturierte Zusammenfassung"", urteilt denn auch der auf
Russland spezialisierte Aktienanalyst Wolfgang Heenen von der HolBe
AG. ""In Verbindung mit dem undurchsichtigen Netz von
Tochtergesellschaften öffnet das der Möglichkeit zur Manipulation
Tür und Tor. Es ist skandalös, dass so etwas von der Bank of New
York akzeptiert wird."" Vor der ADR-Platzierung hatte
Vorstands-Chef Mazur Bilanzen nach westlichen Standards und
regelmäßig erscheinende Aktionärsbriefe auf Englisch versprochen.
Beides blieb er bisher schuldig. Noch schlimmer: Nach der Notierung
wurde es totenstill um die Gesellschaft. Für Charles van Musscher
von der Berliner Freiverkehr AG, die den Börsengang von Rosneft
begleitete, ist die ganze Sache ""ein leidiges Thema"". Es gebe
praktisch keinen Kontakt zur Gesellschaft. Lapidare Begründung:
""Von einem Unternehmen wie Rosneftegazstroy kann man keine
Informationen erwarten."" In der Pflicht gegenüber Aktionären sieht
sich van Musscher nur insofern, als er ihnen durch die Beibehaltung
der Notierung eine Ausstiegsmöglichkeit lässt. Auch Ex-Berater
Jacob, der nicht mehr für das Unternehmen aktiv ist, rechnet in den
kommenden beiden Jahren nicht mit einer grundlegenden Verbesserung
der Transparenz. Vor einem Jahr habe eine Prüfungsgesellschaft
versucht, ein wenig Licht ins russische Dunkel zu bringen. Nach
kurzer Zeit sei das Vorhaben jedoch wieder aufgegeben worden. Auch
in Moskauer Investmentbanken findet man niemanden, der zu dem
Unternehmen etwas sagen will oder kann. Die einzige Analyse wurde
von dem unbedeutenden Brokerhaus Dover Capital erstellt – das
einhellige Expertenurteil: unbrauchbar. Erstaunlich, dass die ADR’s
trotz dieses Informationsmangels in Deutschland stark gehandelt
wird. Für Anleger ein riskantes Spiel: Russisches Roulette
eben."
Wertpapier: ROSNEFTEGAZSTROY JSC