Fiasko-Banker Goodwin verliert Ritterwürde
Er darf sich fortan nicht mehr "Sir" nennen: Wegen seiner
zweifelhaften Rolle während der Finanzkrise hat die britische
Regierung dem früheren RBS-Chef Fred Goodwin die Ritterwürde
aberkannt. Der Fiasko-Banker hatte die Royal Bank of Scotland
praktisch in den Ruin geführt.
London - Die Regierung in London hat dem früheren Vorstandschef der
Royal Bank of Scotland (RBS) , Fred Goodwin, die Ritterwürde
aberkannt. Weil Goodwin Schande über den Ritterstand gebracht habe,
sei die Auszeichnung "aufgehoben und annulliert" worden, teilte das
Kabinettsbüro am Dienstag mit.
Die Queen habe eine entsprechende Weisung der Regierung vollzogen,
meldete die BBC am Dienstag. Der 53 Jahre alte Banker Goodwin hatte
an der Spitze der Großbank gestanden, als diese sich mit der
Übernahme der niederländischen ABN Amro 2007 verhoben hatte und vor
der Pleite stand.
Der Staat musste mit einer Summe von rund 45 Milliarden Pfund
eingreifen, um den Banken-Koloss vor dem Kollaps zu retten. Zuletzt
hatte eine geplante Bonuszahlung von knapp einer Million Pfund an
den neuen Vorstandschef Stephen Hester für Aufsehen gesorgt. Hester
hat inzwischen angekündigt, den Bonus nicht annehmen zu wollen.
Dass Goodwin inmitten der Finanzkrise mit einer Abfindung von 16
Millionen Pfund (rund 19 Millionen Euro) das Geldhaus verließ,
hatte einen Aufschrei der Empörung ausgelöst. Die Bank gehört
inzwischen zu mehr als 80 Prozent dem britischen Steuerzahler.
Bevor er die RBS in praktisch in den Ruin führte, hatte Goodwin sie
zu einer der größten Banken der Welt gemacht und war wegen seiner
Verdienste um den britischen Finanzsektor im Jahr 2004 zum Ritter
geschlagen worden.
Der Ritterschlag, der die Aufnahme in den Adelsstand bedeutet und
in der Regel die Anrede als "Sir" beinhaltet, wird in
Großbritannien von Queen Elizabeth II. oder in ihren Namen etwa von
Thronfolger Prinz Charles erteilt. Er wird nur in seltenen
Ausnahmefällen zurückgenommen, etwa bei Schwerverbrechern. Zuletzt
war die Ritterehre im Jahr 2008 dem Machthaber in Simbabwe, Robert
Mugabe, aberkannt worden.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,812603,00.h…