SCHIFFSTRANSFER
E.on riskiert neue Stromumleitung
Mehr als zehn Millionen Menschen ohne Strom - und noch immer ist
der Grund unklar: Der Energiekonzern E.on bezweifelt, dass eine
abgeschaltete Hochspannungsleitung über der Ems allein daran schuld
war.
Am Abend wird die Leitung erneut
lahmgelegt, um ein Kreuzfahrtschiff passieren zu
lassen.
Hamburg - Die Meyer-Werft im niedersächsischen Papenburg will nach
dem Stromausfall am Wochenende heute Abend einen zweiten Versuch
unternehmen und das Kreuzfahrtschiff "Norwegian Pearl" durch die
Ems in die Nordsee überführen. Die Abschaltung einer
Hochspannungsleitung über der Ems beim ersten Versuch, das riesige
Schiff unter der Trasse hindurchzumanövrieren, hatte am
Samstagabend zu Stromausfällen in weiten Teilen Westeuropas
geführt. Mehr als 10 Milionen Menschen waren ohne Strom.
Ein Zeitproblem entstehe für die Meyer-Werft durch die Verzögerung
nicht, sagte ein Sprecher der Werft in Papenburg am Montag. "Wir
haben bis zum 28. November Zeit, das Schiff an die Reederei zu
übergeben. Dafür ist der Puffer groß genug." Die Frage nach einem
Schadenersatzanspruch gegenüber dem Energiekonzern E.on stelle sich
daher nicht.
E.on- Energie- Vorstand Klaus- Dieter Maubach räumte heute im
ZDF die Verantwortung für den Stromausfall ein. "Das war im Grunde genommen der Ursprung für diese
Versorgungsstörung - dass wir dort eine Leitung außer Betrieb
nehmen mussten und dass dort die Belastungen sich auf andere
Leitungen verteilt haben, die später zu Überlastungen geführt
haben", sagte Maubach.
E.on bezweifelte allerdings, dass die Abschaltung der
Hochspannungsleitung allein für den Stromausfall in Deutschland,
Frankreich, Italien, Spanien, Belgien und Österreich verantwortlich
war.
Im Bayerischen Rundfunk wies Eon-Netz-Sprecher Christian
Schneller darauf hin, dass "die Störungen erst eine halbe Stunde
nach der Abschaltung aufgetreten sind".
Der Bundesverband Windenergie wies Vorwürfe zurück, die Einspeisung
von Strom alternativer Erzeuger habe zu einer Überlastung des
Netzes und damit zum Stromausfall geführt.
"Wir haben am Samstag
30 Prozent unserer maximalen Kapazität geliefert", sagte Ralf
Bischof, Geschäftsführer des Verbandes, zu SPIEGEL ONLINE. Die
gelieferte Strommenge habe dem entsprochen, was am Freitag aufgrund
von Wetterprognosen vorhergesagt worden war. Insofern könne man den
Windenergie-Erzeugern nicht vorwerfen, schuld am Stromausfall zu
sein. Zudem habe man am Samstag, als bekannt wurde, dass es
Probleme gebe, Kapazitäten in Ostdeutschland zügig abgeschaltet.
"Insgesamt war das Netz aber nur schwach ausgelastet und in keinem
kritischen Zustand", erklärte Bischof.
Ein Sprecher der Werft sagte, weil E.on nach dem Blackout den Strom
auf der Leitung wieder angestellt habe, habe das Schiff seine Fahrt
nicht fortsetzen können. Für Schiffe mit einer Höhe von rund 60
Metern sei es viel zu riskant, unter einer Hochspannungsleitung
hindurchzufahren, die in Betrieb sei. "Da könnte ein Funke
überspringen oder die Leitungen könnten durchhängen." Es müsse
daher immer ein Sicherheitsabstand von etwa fünf Metern zwischen
Schiff und Leitung eingehalten werden.
Dass es bei Überführungen zu Verzögerungen komme, sei für die Werft
nichts Ungewöhnliches, fügte der Sprecher hinzu. So müsse zum
Beispiel das Wetter mitspielen. Ein Zwischenfall wie am Wochenende
habe sich jedoch in den bisherigen 19 Überführungen von
Kreuzfahrtriesen noch nicht ereignet.
Der Luxuskreuzer "Norwegian Pearl" mit seiner üppigen Außenbemalung
in Form einer Perlenschnur ist das neueste Flaggschiff der
Papenburger Meyer Werft. Das 294,1 Meter lange und 32,2 Meter
breite Schiff kostet rund 400 Millionen Euro und erreicht eine
Geschwindigkeit von mehr als 24 Knoten (rund 44 Stundenkilometer).
Bis zu 12.000 Arbeiter haben 22 Monate lang an dem Schiff gebaut.
In seinen 1197 Kabinen kann der Luxuskreuzer 2400 Passagiere
aufnehmen.
kaz/mik/Reuters/dpa
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,446721,00.html
Entweder hat E.on keine Lust der Öffentlichkeit die wahren Gründe
für den Stromausfall zu sagen oder sie haben selbst keine Ahnung,
was genau passiert ist.
Als Trader würde ich heute abend jedenfalls keine spekulativen
Positionen halten. Leider ist der Zeitpunkt der Abschaltung ja
nicht genauer spezifiziert.