STROMAUSFALL
E.on sucht die Schuldigen
Von Michael Kröger
Nach dem europaweiten Stromausfall ist der Energiekonzern E.on um
Schadenbegrenzung bemüht. Kardinalfrage ist, wer die Verantwortung
für den Blackout trägt. Als sicher gilt inzwischen, dass die
Hochspannungsleitung im Emsland der Auslöser für das Desaster war.
Was aber ist die Ursache?
Berlin - Eine Hochspannungsleitung wird planmäßig unterbrochen und
plötzlich geht in halb Europa nichts mehr. Auch fast zwei Tage nach
dem Blackout gibt es immer noch keine schlüssige Erklärung für die
beispiellose Panne.
"Die Emsleitung stand am Anfang einer ganzen
Kette von Störungen, die schließlich zu den Versorgungsengpässen in
ganz Europa geführt haben", sagte Guido Knott, Geschäftsführer
der E.on-Netztochter E.on Energie, zu SPIEGEL ONLINE. So viel sei
inzwischen sicher.
E.on-Hochspannungsanlage: Größere Anzahl von Störfällen
Ebenso sicher sei aber auch, dass die Versorgungsleitung nicht
die einzige Ursache für die Versorgungsengpässe gewesen sei, sagte
Knott weiter. "Das lässt sich aus der Tatsache ableiten, dass
es erst 30 Minuten, nachdem die Leitung abgeschaltet worden war, zu
den Ausfällen gekommen ist." Was aber hat noch zu dem Stromausfall
beigetragen?
Normalerweise verursacht die Abschaltung einer einzelnen Leitung
keine Probleme, weil das Netz doppelt abgesichert ist. Überdies
werden Situationen, wie am vergangenen Samstag im Emsland, zuvor in
Simulationen durchgespielt, so dass etwaige Probleme von
vorneherein ausgeschlossen werden können.
Dass es trotzdem zum Blackout kommen konnte, kann Knott sich nur
mit einer größeren Anzahl von Störfällen erklären, die im Anschluss
an die Abschaltung aufgetreten sind. Was sich aber im Detail
abgespielt habe, darüber könne man zum jetzigen Zeitpunkt nur
spekulieren, sagt er.
Auf irgendeine Weise hätten auch die Betreiber von Windkraftanlagen
zu dem Problemen beigetragen, fügte er hinzu. Am Samstagabend habe
es während eines durchaus nennenswerten Zeitraums eine ausgeprägte
Flaute gegeben. Normalerweise könne das System solche
Unregelmäßigkeiten aber problemlos verkraften.
Am Vormittag bereits hatten sich die Windenergie-Erzeuger energisch
gegen Schuldzuweisungen in dieser Richtung zur Wehr gesetzt. Im
Verlauf des Samstags seien rund 30 Prozent der maximalen Kapazität
ins System geflossen, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands
Windenergie, Ralf Bischof, SPIEGEL ONLINE. Die gelieferte
Strommenge habe dem entsprochen, was am Freitag aufgrund von
Wetterprognosen vorhergesagt worden war. Zudem habe man am Samstag,
als bekannt wurde, dass es Probleme gebe, Kapazitäten in
Ostdeutschland zügig abgeschaltet. "Insgesamt war das Netz aber nur
schwach ausgelastet und in keinem kritischen Zustand", erklärte
Bischof.
Allerdings war, anders als bislang in der Öffentlichkeit
diskutiert, nicht zu viel Strom in den Leitungen, so dass -
zumindest im übertragenen Sinne - irgendwo eine Sicherung
durchgebrannt wäre, sondern zu wenig, was tatsächlich auf die
Windenergie-Erzeuger hindeuten könnte. Ein erstes
Indiz dafür ist ein Frequenz-Diagramm des betreffenden Zeitraums,
das einen drastischen Abfall der Kurve nach 22.30 Uhr auf 49 Hertz
ausweist, also einen Mangel an zur Verfügung stehender
Energie.
Gemessen wird die Belastung des Netzes an der Frequenz des
Wechselstroms. 50 Hertz gelten als das Maß der Dinge. Steigt der
Wert über die 50-Hertz-Marke, deutet dies auf zu viel Strom im Netz
hin. Für die Techniker ist dies genauso alarmierend wie zu wenig
Strom. Die Reaktion ist im Prinzip dieselbe, wenn auch mit
umgekehrten Vorzeichen. Im ersten Fall werden die Lieferanten
abgeregelt, im zweiten Fall wird zusätzliche Leistung angefordert.
Wenn sich die Frequenz auf diese Weise nicht mehr einpegeln lässt,
müssen Kraftwerke vom Netz genommen werden - oder eben
Verbraucher.
Der Tübinger Energieberater Martin Schmieg warnt allerdings vor
voreiligen Schlüssen.
Die Kurve zeige einen Leistungsausfall von
7,5 bis 10,5 Gigawatt innerhalb von wenigen Sekunden an. "Die
angesprochene Flaute muss also schlagartig und flächendeckend über
ganz Norddeutschland hereingebrochen sein. Aber selbst wenn dieser
unwahrscheinliche Fall eingetroffen wäre, könnte den
Windkraft-Betreibern nicht die alleinige Schuld zugewiesen werden,
sagte Schmieg weiter. "Das ist schon rein rechnerisch nicht
möglich, denn 30 Prozent der Maximalkapazität entsprechen rund fünf
Gigawatt. Sein Resümee: "Es müssen noch andere Energiequellen
ausgefallen sein."
Welche das sind, versuchen die E.on-Leute derzeit herauszufinden.
Wann sie mit der Ursachenforschung fertig sind, vermag
E.on-Energie-Geschäftsführer Knott allerdings noch nicht zu sagen.
"Wir bemühen uns um schnellstmögliche Aufklärung."
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,446819,00.html
Um 22.10 Uhr fällt der Strom aus und die Ursache soll ein
Leistungsabfall um 22.30 Uhr sein.



Danke Spiegel-Online für so einen Schwachsin...

