Prognosen, die nichts taugen
Versiegende Quellen, steigender Verbrauch, politische Konflikte -
warum die Experten bei der Vorhersage des Ölpreises fast immer
danebenliegen.
Wie hoch klettert der Ölpreis? Mit dieser Frage beschäftigen sich
derzeit Heerscharen von Analysten und Volkswirten. Nachdem der
Preis für ein Barrel Öl (1 Barrel = 159 Liter) in der vergangenen
Woche die Rekordmarke...... von 100 Dollar kurzzeitig übersprungen
hatte, sehen manche Fachleute schon die 200-Dollar-Marke in
Reichweite.
Dies ist ein Horrorszenario für die Weltwirtschaft, deren
Energieverbrauch nach wie vor zu 80 Prozent von fossilen
Brennstoffen abhängig ist. Öl nimmt dabei eine herausragende Rolle
ein.
Doch exakte Prognosen über den künftige Verbrauch des schwarzen
Goldes, von dem der Wohlstand in den Industriestaaten abhängt,
gleichen einem Blick in die Glaskugel. Schon geringe
Konjunkturschwankungen...... wirken sich auf die Fieberkurve des
Ölverbrauchs aus.
Die US-Ökonomie ist derzeit die große Unbekannte. Kommt es infolge
der Kreditkrise zu einem Konsumeinbruch bei den Amerikanern wird
sich der Öldurst der weltgrößten Volkswirtschaft merklich
abschwächen.
Dunkelziffern
Doch nicht nur bei den Verbrauchern, sondern auch bei den Anbietern
sind die Unsicherheiten groß. Schon immer war es sehr schwer zu
bestimmen, wie viel Öl das Förderkartell Opec in der Realität
fördert. Zwischen den offiziellen Beschlüssen der Opec-Konferenzen
und der Ölmenge, die tatsächlich den Weg in die Verbraucherstaaten
findet, gibt es häufig Unterschiede.
Was die Opec sagt, veröffentlicht sie in ihren Pressemitteilungen.
Was das Kartell aber tatsächlich treibt, bleibt oftmals im Dunkeln.
Einige Analysten an der New Yorker Rohstoffbörse (Nymex) rechnen
beispielsweise damit, dass die Opec derzeit eher sogar weniger
fördert als ihre offiziell angegebenen 27,2 Millionen Barrel pro
Tag.Angesichts des hohen Preises kann das Kartell die Muskeln
spielen lassen, ohne seine Einnahmen aus dem Export zu gefährden.
Zudem haben radikale Kräfte wie Iran...... und Venezuela in der
Organisation an Einfluss gewonnen. Venezuelas linkspopulistischer
Staatspräsident Hugo Chavez ......drohte den USA kürzlich mit einem
politischen Ölpreis von 200 Dollar.
Insofern ist es unwahrscheinlich, dass das Kartell bei seinem
Treffen Anfang Februar die Förderquote erhöhen wird. Im Gegenteil:
je weniger Öl, desto effektiver lässt sich der Preis kontrollieren.
Dabei spielt gewiss auch eine Rolle, dass die Förderländer von der
Angst getrieben werden, ihre Reserven könnten schneller schwinden
als bislang bekannt.
Bis zum letzten Tropfen
In einer eigenen Studie kommt die Organisation zu dem alarmierenden
Ergebnis, dass der Rohstoff schlimmstenfalls schon 2024 zur Neige
gehen könnte. Außerdem konsumieren die Ölstaaten selbst einen immer
größeren Teil ihrer Förderung. Sie investieren ihre Petrodollars in
ehrgeizige Industrie- und Infrastrukturprojekte. Während das
ölreiche Indonesien schon heute Ölimporteur ist, könnte dies bald
auch für Mexiko und Iran zutreffen.
Angst vor versiegenden Ölquellen, politische Unsicherheiten,
Konflikte und Kriege sowie Konjunkturerwartungen in den
Verbraucherstaaten - alle diese Faktoren gehen in die Prognosen
über die Ölpreisentwicklung ein. Das Ergebnis muss deshalb
unbefriedigend sein.
Allenfalls lassen sich bestimmte Szenarien darstellen, nach dem
Motto: Was passiert, wenn die Amerikaner ihre benzinfressenden
Großraumlimousinen in der Garage lassen? Es bleiben also große
Unsicherheiten. Und dann sind da noch die Spekulanten an den
internationalen Rohstoffbörsen. Sie können den Ölpreis um
mindestens zehn Prozent in die Höhe treiben oder abwärts
drücken.
http://www.worldofinvestment.com/forum/93-33937/page15/#8185…
Wer besitz von den Analysten die beste Glaskugel und wir am Ende
recht behalten?