Antwort auf Beitrag Nr.: 29.568.143
von 007spekulatius am 01.06.07
09:38:55HINTERGRUND: Fusionswelle in Pharmabranche nach
jüngsten Rückschlägen erwartet
FRANKFURT (dpa-AFX) - Rückschläge in der Forschung und der
anhaltende Konkurrenzdruck von Nachahmermedikamenten werden der
Pharmabranche in den kommenden Monaten weitere Übernahmen
bescheren. 'Ich erwarte in der derzeit eher gering konsolidierten
Branche eine großen Übernahmewelle', sagt Vice-President Fritz
Kröger von der Unternehmensberatung A.T.-Kearney im Gespräch mit
der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Die Großen der Branche wie
Pfizer , GlaxoSmithKline aber auch Novartis hätten lange keine
größeren Zukäufe mehr getätigt und könnten auch auf dem deutschen
Markt aktiv werden.
Dass Pharmaforschung ein riskantes Geschäft ist, zeigt der
Kurssturz beim Biotech-Zwerg Paion . Eine Studie mit dem
Hoffnungsträger Desmoteplase gegen Schlaganfall zeigte nicht die
gewünschte Wirkung, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Die
Aktie verlor daraufhin mehr als 60 Prozent an Wert. Doch auch Größe
allein ist kein Allheilmittel: Branchenprimus Pfizer mit einem
Umsatz von 45 Milliarden Dollar in 2006 pumpt jährlich mehr als
sieben Milliarden Dollar in die Forschung - mit begrenztem Erfolg.
Ab 2010/11 droht das Auslaufen des Patentschutzes für den
Cholesterin-Senker Lipitor - das weltweit meistverkauft Medikament
mit einem Umsatz von fast 13 Milliarden Dollar. Ende 2006 musste
Pfizer die Entwicklung des ehemaligen Hoffnungsträgers Torcetrapib
und Lipitor-Nachfolgers einstellen. Auch GlaxoSmithKline erlitt
Anfang der Woche einen Rückschlag beim Diabetes-Mittel Avandia.
KONZERNE MÜSSEN EFFIZIENZ STEIGERN
'Alleine Übernahmen lösen das Innovations- und Effizienzproblem der
Konzerne nicht', sagt Holger Geißler, Fondsmanager der größten
deutschen Fondsgesellschaft DWS. 'Die entscheidende Frage ist, wie
die Konzerne die Effizienz der Forschung in den kommenden Jahren
erhöhen möchten.' Eine Lösung könnte der Zukauf von
Biotech-Unternehmen sein, die flexibler als die großen
Pharmadampfer sind. Wie verzweifelt die Pharmabranche derzeit ist,
zeigt der stolze Kaufpreis für den US-Biotechkonzern MedImmune von
15,2 Milliarden Dollar, der nach Einschätzung von Branchenkennern
ohne Bieterkampf nicht zustande gekommen wäre. Für die
britisch-schwedische AstraZeneca war dies der größte Zukauf ihrer
Firmengeschichte.
'Die 643 Milliarden Dollar schwere Industrie ist weltweit eine der
am wenigsten konsolidierten Branchen', sagt Standard & Poor's
Analyst Olaf Toelke. Pharmariese Pfizer, der die Potenzpille Viagra
verkauft, kam 2006 nur auf einen Marktanteil von 7 Prozent. Die
Chancen für M&A stünden vor dem Hintergrund der günstigen
Kapitalmarktbedingungen und der Liquiditätsausstattung der
Pharmakonzerne so gut wie lange nicht mehr. Von den fünf
europäischen Pharmariesen, die sich derzeit unter den Top 10 der
Branche befinden, könnte mit Sanofi-Aventis die weltweite Nummer
drei mit dem erwarteten Kauf von Bristol-Myers Squibb die nächste
Übernahme einläuten.
Neben dem Generikahersteller STADA , der sich selbst nach weiteren
Übernahmezielen umschaut, gilt auch der zweitgrößte deutsche
Pharmakonzern Boehringer Ingelheim unter Branchenbeobachtern als
mögliches Objekt der Begierde. Der Konzern mit Sitz in Ingelheim
bei Mainz ist nicht börsennotiert und befindet sich mehrheitlich im
Familienbesitz. Für STADA hat die Deutsche Bank jüngst das Kursziel
von 60 Euro bestätigt - ein Übernahmekampf könnte die Aktie nach
Einschätzung von Analyst Holger Blum bis auf 73 Euro in die Höhe
katapultieren.
Deutschland, das in der Weltrangliste der Pharmakonzerne nur eine
untergeordnete Rolle spielt, hatte bereits 2006 eine beispiellose
Übernahmewelle erlebt. Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer übernahm
für fast 17 Milliarden Euro Schering, während ALTANA seine
Pharmasparte für 4,7 Milliarden Euro an die dänische Nycomed
verkaufte. Mit der Übernahme des Biotechkonzerns Serono schwang
sich die Darmstädter Merck zum größten Biotechkonzern Europas auf.
Zudem übernahm die belgische UCB Group den Monheimer
Arzneimittelhersteller SCHWARZ PHARMA./ep/she/sb
--- Von Elke Pfeifer, dpa-AFX ---
Quelle: dpa-AFX