Solar-Aktien
Die Zeiten des schnellsten Wachstums sind vorbei...mit Aussagen
zum PV Solarmarkt in Südeuropa von Sarasin 2006
07. Dezember 2006
Ranglisten mit den besten Unternehmen üben auf Anleger natürlich
einen besonderen Reiz aus. Die Kurse der Vorzeigefirmen einer
Branche werden sich besser entwickeln als der Durchschnitt, so die
Hoffnung. Diese Rechnung mag aufgehen - wenn sich die
unterschiedliche Qualität der Unternehmen nicht schon längst in den
Kursen widerspiegelt.
Investoren, die auf Solarwerte setzen wollen, können ihre
Anlageentscheidung jetzt mit einer Liste der Bank Sarasin
anreichern. Das Schweizer Kreditinstitut hat anhand von vier
Kriterien die strategische Positionierung von 16 börsennotierten
Photovoltaik-Unternehmen bewertet: gesicherte Rohstoffversorgung,
kritische Größe des Unternehmens, technisches Know-how und
internationale Kundenbasis (siehe erste Grafik).
Solarworld führt die Sarasin-Rangliste an
„Wir gehen davon aus, daß sich die Branche schneller mit klaren
Gewinnern und Verlierern konsolidieren wird und immer weniger
Neueinsteiger Fuß fassen können“, erklärt Matthias Fawer-Wasser,
Nachhaltigkeitsanalyst bei der Bank Sarasin und Autor der Studie.
„Unternehmen werden nur dann in der Photovoltaik nachhaltig
erfolgreich sein, wenn sie die kritischen Aspekte positiv angehen.
Nach unserer Untersuchung vorbildlich ist dabei Solarworld.“
Das Bonner Unternehmen überzeuge insbesondere bei Know-how,
Internationalität und sein Bemühen zur Rohstoffsicherung. Auf Platz
zwei liegt mit Q-Cells ebenfalls ein Unternehmen aus Deutschland.
Q-Cells sichere sich den Zugriff auf materialsparende und
zukunftsträchtige Technologien durch seine Beteiligungen an EverQ
und CSG Solar. Mit Sharp aus Japan liegt das größte
Solarunternehmen auf Platz drei. Sharp überzeuge neben der Größe
durch Kundenbasis und Know-how, habe aber Probleme bei der
Rohstoffsicherung. Am Ende der Rangliste liegen Suntech, Solon,
Motech, Sunways und Solar-Fabrik.
Solar-Aktien reagieren uneinheitlich
Die Anleger stürzten sich am Donnerstag, als die Sarasin-Studie
veröffentlicht wurde, nicht auf alle Solar-Aktien aus der Liste.
Solarworld (Isin DE0005108401) legte bis zum frühen Nachmittag zwar
etwa ein Prozent zu, Q-Cells (DE0005558662) verlor aber 1,3
Prozent. Sharp-Aktien (JP3359600008) gewannen im Frankfurter Handel
mehr als drei Prozent, die Titel der Renewable Energy Corporation
(NO0010112675) verloren in Oslo dagegen 1,3 Prozent. Conergy
(DE0006040025) schließlich, die Nummer fünf auf der Sarasin-Liste,
tendierte fast unverändert.
Nachrichtlich gab es am Donnerstag nur von Solarworld Neues zu
melden: Das Tec-Dax-Schwergewicht teilte mit, seine Kapazitäten für
die Siliziumproduktion im sächsischen Freiberg zu erweitern. Ein
mit der niederländischen Scheuten Solarholding geschlossenes
Gemeinschaftsunternehmen soll eine Anlage zur Herstellung von
hochreinem Solarsilizium bauen. Als Kapazität seien zunächst 1.000
Tonnen im Jahr geplant. „1000 Tonnen bedeuten fünf Prozent des
derzeit weltweiten Solarsiliziumbedarfs“, sagte Vorstandschef Frank
Asbeck.
Die Branche steht vor Herausforderungen
Die Bank Sarasin geht in ihrer Studie von einem weiteren Wachstum
der Photovoltaik aus (siehe auch Grafiken). „Wir rechnen damit, daß
bis 2010 die neu installierte Photovoltaikleistung durchschnittlich
um 26 Prozent im Jahr wachsen wird“, sagt Fawer-Wasser. Die
Korrektur der Solar-Aktien im Mai habe gezeigt, daß es neben den
Wachstumschancen auch Schattenseiten gibt. Der Erfolg der
Unternehmen hänge davon ab, wie sie Herausforderungen wie
Rohstoffknappheit, bürokratische Hürden bei Förderprogrammen und
zunehmende Konkurrenz meistern würden.
2005 nahm die weltweit neu installierte Photovoltaik-Leistung der
Studie zufolge um 55 Prozent zu. Dabei lag Deutschland mit etwa 700
Megawatt Peak und einer Wachstumsrate von 93 Prozent schon zum
zweiten Mal vor Japan, das aber insgesamt der größte Produzent von
Solarzellen bleibt. „Deutschland hat zurzeit noch ein bemerkenswert
hohes Wachstum in der Photovoltaik“, sagt Fawer-Wasser.
„Langfristig wird Deutschland aber wie auch Japan relativ an
Bedeutung abnehmen. Wir gehen davon aus, daß der Anteil
Deutschlands am Weltmarkt von 55 Prozent im letzten Jahr auf 22
Prozent im Jahr 2010 zurückgehen wird.“ So erwartet die Bank bis
2010 in Deutschland eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate
von 5,1 Prozent, während sie weltweit 26 Prozent betragen wird.
Photovoltaik ab 2020 wettbewerbsfähig?
Fawer-Wasser rechnet damit, daß die Siliziumversorgung weiterhin
ein Schlüsselthema der Solarbranche bleibt. So werde die Nachfrage
in den nächsten beiden Jahren das Angebot bei weitem übersteigen.
Erst 2008 sei mit einer gewissen Entspannung zu rechnen, da dann
zusätzliche Siliziummengen auf den Markt kommen würden. Eine
weitere Herausforderung seien die hohen Modul- und Systempreise. So
seien in den vergangenen Jahren die Endpreise für eine gesamte
Photovoltaik-Anlage deutlich gestiegen. In Deutschland gebe es
schon erste Signale für einen Nachfragerückgang.
Die Photovoltaik dürfe außerdem das Ziel der Wettbewerbsfähigkeit
ohne Förderung nicht aus den Augen verlieren:
„Wir glauben, daß Photovoltaik-Anlagen in sonnenreichen
Regionen ab 2013 wettbewerbsfähig sein werden“, sagt
Fawer-Wasser. „In gemäßigten Breiten wie Mitteleuropa, also auch in
Deutschland, wird dieses um 2020 der Fall sein.“
Dünnschicht-Technologie vor dem Durchbruch?
Zu Dünnschicht-Technologien äußert sich Fawer durchaus skeptisch.
Dünnschichtmodulen wird immer wieder eine große Zukunft
vorausgesagt, weil für sie kein oder sehr viel weniger Silizium
benötigt wird (siehe auch: Dünnschichtzellen gegen die
Siliziumknappheit). „Dünnschichtbasierte Solartechnologien haben
ein großes Potential“, schreibt Fawer zwar. Vorteile seien unter
anderem der geringe Rohstoffverbrauch, die bessere Leistung bei
hohen Temperaturen und das hohe Kostenreduktionspotential. Doch sei
die Branche derzeit erst im Übergang von Pilotlinien zur
Serienfertigung.
„Die Prognose der Europäischen Photovoltaik Vereinigung (EPIA)
rechnet bis 2010 mit einem Anstieg des Dünnschichtanteils an der
Modulgesamtproduktion von derzeit sechs auf 20 Prozent, das heißt
nach ihrer Berechnung etwa 1.000 Megawatt Peak“, schriebt Fawer.
„Wir halten einen Anstieg auf rund 700 Megawatt Peak für
realistisch, da nach unserer Erfahrung nicht alle Projekte
vollständig oder teilweise nur verzögert realisiert werden.“ Ohne
Risiko könnten auch die Dünnschichthersteller nicht in die Zukunft
schauen. Einige Technologien benötigten statt Silizium andere
aufwendig zu gewinnende Stoffe, die auf dem Weltmarkt nur in
geringen Mengen gehandelt würden und deren Preise sich zum Teil
drastisch erhöht hätten.
Vorbei die Zeiten des schnellsten Wachstums
Die Sarasin-Studie wirft alles in allem einen nüchternen Blick auf
die Branche. Der Photovoltaikmarkt wächst weiterhin schnell, doch
die Zeiten des schnellsten Wachstums sind wohl vorbei. Die jüngsten
Geschäftszahlen einiger Unternehmen haben gezeigt, daß der Verkauf
nicht wie gewünscht vorankommt - die Lager haben sich gefüllt.
Besonders die Aussichten der kleinen Spieler am Markt dürften daher
kritisch zu betrachten sein. Wenn sie keine auskömmliche Nische
finden, haben sie gegen die Großen der Branche keine Chance. Die
Aktien der Branchenführer sind mit Blick auf das
Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zwar billiger geworden, richtige
Schnäppchen sucht man aber vergebens. Die etablierten Unternehmen
der Branche - hier kann die Sarasin-Liste durchaus als
Orientierungshilfe dienen - sollten Gewinn und Umsatz in den
kommenden Jahren noch deutlich steigern können. Diese Erwartung ist
in den Kursen aber schon eingepreist. Auf kurze und mittlere Sicht
dürfen Anleger von Solar-Aktien darum nicht zu viel erwarten.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des
Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.