Antwort auf Beitrag Nr.:
28.718.622 von bossi1 am 08.04.07
21:11:05Rohstoff in Sicht
Begehrter Stoff: Das in Brocken gebrochene Polysilizium sowie
granulares Silizium sind Ausgangsstoffe für die Solarindustrie.
Silizium steht in zwei Jahren wieder ausreichend zur Verfügung.
Neue Firmen wollen in die Produktion des Zellengrundstoffs
einsteigen, die etablierten Player bauen ihre Kapazitäten kräftig
aus. Schon 2008 könnten über 4.000 Megawatt Module gefertigt werden
– mehr als doppelt so viel wie heute.
Text: Sascha Rentzing; Foto: Wacker
Frans van den Heuvel gehört zweifellos zu den Managern, die kein
Risiko scheuen. „Wir wollen auf allen Wertschöpfungsstufen aktiv
und möglichst unabhängig sein. Investieren und zügig expandieren
lautet deshalb unsere Devise“, sagt der Geschäftsführer des
niederländischen Photovoltaik (PV)-Herstellers Scheuten Solar. Die
Aktivitäten des Unternehmens sprechen für sich: Seit September
managen die Holländer die Gelsenkirchener Solarzellenfertigung der
Solarworld AG (neue energie 10/2006), bauen am gleichen Standort
ihre eigene Modulproduktion aus und auch bei der Dünnschicht gibt
es Fortschritte: Eine Testfabrik wird noch in diesem Jahr in
Betrieb gehen. Bereits 2010 will Scheuten 1.000 Megawatt (MW)
Kupfermodule herstellen.
Nun will van den Heuvel gar in die Silizium- Produktion einsteigen.
Sein Ziel: Von 2009 an sollen jährlich „mindestens“ 1.000 Tonnen
des Rohstoffs gewonnen werden. Eine Pilotanlage mit 100
Jahrestonnen Kapazität soll bereits 2006 im fi rmeneigenen
Forschungslabor in Venlo anlaufen. „Wir wollen uns zunächst selbst
versorgen, später aber auch für andere produzieren“, erklärt der
Scheuten-Chef seinen Plan.
Ein ambitioniertes Vorhaben. Denn um aus stark verunreinigtem
Rohsilizium hochreines Solarsilizium herzustellen, sind
komplizierte Prozessschritte notwendig. Das gilt auch für die so
genannte metallurgische Siliziumgewinnung, die Scheuten anstrebt.
Zwar wird der Rohstoff bei diesem Verfahren nicht – wie bei dem
herkömmlichen Siemens-Verfahren – in großen Reaktoren chemisch
aufbereitet, sondern direkt gereinigt. Das spart Zeit und Energie.
Die für die Photovoltaik nötigen Reinheitsgrade zu erreichen,
erzwingt dennoch ein aufwändiges Verfahren: diverse Erhitzungs,
Schmelz- und Raffinierschritte sind notwendig. Scheuten hat sich
das Know-how deshalb bei der Solmic GmbH eingekauft, die sich auf
Konzeption und Planung von Siliziumproduktionsstätten spezialisiert
hat. „Allein könnten wir unser Vorhaben sicher nicht realisieren“,
gesteht Firmenlenker van den Heuvel.
Über ein Dutzend Neueinsteiger
Trotz dieser Hürden ist Scheuten nicht das einzige Unternehmen, das
eine eigene Siliziumfabrik errichten will. Weltweit scheint ein
regelrechter Bauboom ausgebrochen zu sein. In den vergangenen
Monaten hat gut ein Dutzend Unternehmen angekündigt, in die
Produktion des grauen Goldes einsteigen zu wollen – und es ist
stark davon auszugehen, dass weitere folgen. Nach aktuellem Stand
wollen die Newcomer bis 2010 Jahreskapazitäten von insgesamt rund
30.000 Tonnen aufbauen.
Es sind nicht nur Zellen- oder Modulhersteller, die sich – wie
Scheuten – aufgrund der Materialknappheit selbst versorgen wollen.
Auch bis dato unbekannte Firmen treten auf den Plan. Die
Vergangenheit hat gezeigt: Trotz hoher Preise, langfristiger
Lieferverträge und damit verbundenen Vorauszahlungen und Fixpreisen
haben die PVHersteller den Siliziumanbietern förmlich aus der Hand
gefressen. Darauf hoffen auch die Neuen.
Und so dürfte der Siliziummarkt kräftig in Bewegung kommen. Denn im
Vertrauen, mit der PV-Industrie einen verlässlichen, gut zahlenden
Abnehmer für die Ware zu haben, expandieren auch die großen
Chemiekonzerne. 2010 wollen die sieben bislang marktbeherrschenden
Unternehmen insgesamt etwa 65.000 Tonnen Silizium produzieren –
doppelt so viel wie heute (34.700 Tonnen). Zusammen mit den Mengen,
die die Neueinsteiger angekündigt haben, dürften dann über 90.000
Tonnen Silizium hergestellt werden.
Geht man davon aus, dass die Halbleiterindustrie hiervon etwa ein
Drittel beansprucht, bleiben der Solarbranche gut 60.000 Tonnen.
Damit ließen sich – unter Berücksichtigung verbesserter
Produktionstechnologien – über 8.000 MW kristalliner Siliziummodule
fertigen. Zur Orientierung: Noch Ende 2005 hatte die European
Photovoltaic Industry Association (EPIA) aufgrund der seinerzeit
eher bescheidenen Silizium-Aussichten für 2010 ein weltweites
Marktvolumen kristalliner Siliziumpanels von nur 4.000 Megawatt
prognostiziert. Das zeigt, wie schnell sich die Gemengelage
geändert hat.
40.000 Tonnen in 2008
Während Optimisten wie der Conergy-Chef und Präsident des
Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW), Hans-Martin Rüter, bereits
für 2008 eine komplette Drehung der Marktverhältnisse
prognostizieren, hält sich der Großteil der Experten mit allzu
optimistischen Voraussagen zurück. Wie Patrick Hummel, Analyst der
Landesbank Baden-Württemberg. „Mindestens 50 Prozent der
angekündigten Projekte der Neueinsteiger werden wahrscheinlich
nicht oder nur verspätet in die Tat umgesetzt. Mit Überkapazitäten
und rasant fallenden Preisen ist darum wohl so schnell nicht zu
rechnen.“
Die akute Knappheit, so Hummels Annahme, werde allerdings „in ein,
zwei Jahren“ vorbei sein. „Wir gehen davon aus, dass 2008 35.000
Tonnen Silizium verfügbar sein werden.“ In Folge würde auch der
Spotmarktpreis für den Rohstoff – derzeit liegt dieser bei rund 200
Euro pro Tonne – deutlich sinken und sich dem Niveau in den
Langfristkontrakten (40 bis 50 Euro) annähern. Hummels Prognose
deckt sich in etwa mit den Umfrageergebnissen von neue energie.
Eine Abfrage bei allen derzeit bekannten Playern ergab: 2008 werden
bereits 40.000 Tonnen Solarsilizium zur Verfügung stehen. Heute
sind es 17.350 Tonnen.
Den Löwenanteil des begehrten Rohstoffs wird in den nächsten Jahren
voraussichtlich der Chemiekonzern Hemlock Semiconductor Corporation
beisteuern. Hat sich der Weltmarktführer mit
Kapazitätserweiterungen bisher zurückgehalten, soll nun mit Hilfe
von Vorauszahlungen der Solarindustrie das Werk in Hemlock,
Michigan, zügig ausgebaut werden: nach Informationen des
Vorstandsvorsitzenden Richard S. Doornbos von heute 10.000 auf
19.000 Tonnen Jahreskapazität in 2009.
Außerdem suchen die Amerikaner momentan nach einem zweiten
Standort, an dem in den nächsten fünf Jahren eine neue Fabrik
starten soll. Parallel dazu arbeitet das Unternehmen an einer
alternativen, potenziell günstiger herzustellenden Siliziumsorte,
dem granularen Silizium. Möglich, dass Hemlock neben seinem
klassisch in Siemens-Reaktoren gewonnenem Material bald auch
diesen, per energiesparendem Wirbelschichtverfahren hergestellten
Sonnenstoff anbieten kann. Eine Pilotanlage wurde im Frühjahr
dieses Jahres in Betrieb genommen. Wie es dort läuft, ist von dem
Chemieriesen aber nicht zu erfahren.
Hemlock auf den Fersen
Auch nicht, welche Mengen der Solarbranche künftig zur Verfügung
gestellt werden sollen. Bei dem bisherigen Verhältnis – 60 Prozent
der Produktion für die Chipindustrie, 40 Prozent für die PV –
dürfte es nicht bleiben. Wegen der riesigen Nachfrage der
PV-Hersteller werden sie künftig wohl größere Liefermengen aus
Michigan erhalten.
Die Wacker Chemie AG, mit einer Kapazität von 5.500 Tonnen derzeit
die Nummer Drei unter den Siliziumfabrikanten, will ihren Ausstoß
ebenfalls annähernd verdreifachen. Im Sommer erklärte der Münchner
Chemiekonzern, er werde seine Produktion aufgrund der großen
Nachfrage bis Ende 2009 auf 14.500 Jahrestonnen erweitern.
Ursprünglich waren ‚lediglich’ 9.000 Tonnen bis Ende 2007 in
Aussicht gestellt worden.
Beliefern wollen die Bayern Kunden weltweit. Hauptabnehmer des
Siliziums werden aber wohl die wachstumsstarken deutschen
Solarkonzerne wie Solarworld oder Ersol sein. Nach aktuellem Stand
der Dinge wird Solarworld von Wacker bis 2017 Sonnenstoff erhalten,
Ersol wird von 2009 an versorgt. Der im August geschlossene Vertrag
ermöglicht dem Erfurter PV-Hersteller über sechs Jahre eine
zusätzliche Produktionsmenge von 100 MW Zellen. Aber auch Firmen,
die bei Wacker bisher nicht Kunde sind, können sich künftig
Hoffnung auf bayerisches Silizium machen. „Unser Ziel ist, den
Markt optimal zu bedienen. Das heißt: Wir wollen auch Unternehmen
versorgen, die bisher nicht zum Zug gekommen sind“, sagt
Wacker-Sprecher Florian Degenhart.
Geht der Ausbau bei den Bayern wie geplant vonstatten, werden diese
den Platz mit der augenblicklichen Nummer Zwei der Hersteller, der
Renewable Energy Corporation (REC), bis 2010 tauschen. Die beiden
US-amerikanischen Töchter des norwegischen Solarkonzerns, Solar
Grade Silicon und Advanced Silicon Materials, bringen es in diesem
Jahr auf eine Kapazität von insgesamt 5.800 Tonnen. Ende 2009
sollen es laut REC-Sprecher Jon André Løkke schließlich 13.500
sein. Neben Siemens-Silizium will der Konzern künftig verstärkt
auch granulares Material anbieten. „Wir haben das
Wirbelschichtverfahren in einer Pilotanlage erfolgreich erprobt.
Von 2008 an werden wir nach diesem Verfahren 6.500 Tonnen Silizium
herstellen“, so Løkke. Geschätzte Kosten der neuen Fabrik:
umgerechnet 480 Millionen Euro.
Wenig Erfolg mit neuen Verfahren
Langsamer kommen dagegen RECs Konkurrenten mit alternativen
Produktionsverfahren voran. Wacker beispielsweise hatte noch 2005
für Anfang 2007 einen 500-Tonnen-Wirbelschichtreaktor in Aussicht
gestellt. Dieses Projekt wird sich wohl verzögern. „Es gibt keinen
neuen Sachstand“, so Degenhart.
Auch der japanische Hersteller Tokuyama tritt mit seiner
„Vapour-to-Liquid-Deposition“ (VLD) auf der Stelle. Hierbei wird
die Flüssigkeit Trichlorsilan in einen über 1.000 Grad Celsius
heißen Reaktor geleitet. An dessen Wand scheidet sich Silizium aus
dem Trichlorsilan fl üssig ab, tropft auf den Boden und erstarrt
dort zu nutzbarem Granulat. Eine VLD-Anlage mit 200 Jahrestonnen
sollte bereits Anfang 2006 in Betrieb gehen, doch wegen
„Detailproblemen“ hat sich das Projekt auf unbestimmte Zeit
verschoben.
Wie es bei Tokuyama weitergeht, wird sich nach Angaben von
Vertriebsmitarbeiter Naoki Tamura Ende dieses Jahres entscheiden.
Dann soll die Konzernspitze zusammenkommen und die
Zukunftsstrategie festlegen. Zwei Optionen sind denkbar: Tokuyama
steckt noch mehr Zeit und Geld in die Entwicklung seines
VLD-Prozesses und baut seine Siemens-Fabrikation entsprechend
langsamer aus. Oder VLD läuft fortan nur als Beiprojekt, während
der Konzern wieder größeres Augenmerk auf die klassische Technik
legt. Das würde bedeuten, dass die derzeitige Kapazität von 5.200
Jahrestonnen in den nächsten Jahren deutlich gesteigert wird. In
jedem Fall wollen die Japaner aber zweigleisig fahren. „Wir werden
weiter an beiden Projekten arbeiten“, so Tamura.
Bei den Schwierigkeiten, die etablierte Player mit der
Hochskalierung neuer Verfahren haben, stellt sich die Frage, wie
Newcomer den Einstieg in die Siliziumproduktion so schnell
bewältigen wollen. Wie weit sind sie? Kann die PV-Industrie in
einigen Jahren wirklich auf sie setzen? Und: Welche Rolle spielen
osteuropäische und chinesische Firmen? Dem Vernehmen nach schmieden
sie große Pläne – allein in den ehemaligen Staaten der UdSSR sollen
bis 2010 Kapazitäten von insgesamt rund 15.000 Jahrestonnen
entstehen.
Russland und China: Die großen Unbekannten
Die Potenziale sind durchaus vorhanden. Aber wie realistisch ist
ihre Nutzung? In den ehemaligen Sowjetstaaten gibt es eine Vielzahl
stillgelegter Chemiefabriken, die zu Siliziumwerken umfunktioniert
werden könnten. Nicht wenige werden von Treuhandgesellschaften seit
Jahren an Investoren offeriert – bislang vergebens. Der Schweizer
Waferhersteller Swiss Wafers hat sich einige dieser potenziellen
Standorte angeschaut – und ist eher mit gemischten Gefühlen von
seiner Informationsreise zurückgekehrt: „Silizium nach dem
Siemens-Verfahren zu produzieren, ist nicht ohne. Es wird dauern
bis die alten Anlagen reaktiviert sind. Realistisch ist eine
jährliche Siliziumproduktion in Russland von 3.000 Tonnen in 2010“,
schätzt Finanzvorstand Peter Moser.
Noch diffuser ist die Situation in China. Ankündigungen gibt es
reichlich, die spannende Frage ist aber, welche der Firmen wirklich
eine Anlage zum Laufen bringt, in der brauchbares Solarsilizium
produziert wird. Frank Haugwitz, Experte für Regenerativenergien
bei der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) in China,
rechnet für dieses Jahr mit einer Produktion von 300 und für 2007
mit 1.500 Tonnen Silizium. Weiter gehen seine Prognosen nicht. „Für
längerfristige Voraussagen“, so seine Begründung, „ist der Markt zu
unübersichtlich.“
In absehbarer Zeit werden ausländische Hersteller aber wohl kein
Silizium aus China zu Gesicht bekommen. Die dortige PVIndustrie hat
gewaltige Produktionskapazitäten für Zellen und Module geschaffen –
und lechzt nun förmlich nach Treibstoff für ihre Fabriken. Da
dürfte für europäische oder amerikanische Player kaum Stoff übrig
bleiben – im Gegensatz zu den fertigen Endprodukten, die vom Reich
der Mitte vor allem nach Europa exportiert werden.
Was an anderen Orten der Welt passiert, ist leichter
nachzuvollziehen. Konkrete Pläne für den Einstieg in die
Siliziumproduktion per Siemens- oder Siemens-ähnlichen Verfahren
verfolgen etwa der kanadische Solaranbieter Arise Technologies, der
niederländische Regenerativ-Konzern Econcern oder Joint Solar
Silicon (JSSI). Letztgenanntes Unternehmen, ein Joint Venture des
Chemieunternehmens Degussa mit der Solarworld AG, baut derzeit am
Degussa-Standort Rheinfelden eine Produktionsanlage mit einer
Jahreskapazität von 850 Tonnen; die Inbetriebnahme der Fabrik ist
für 2008 vorgesehen. JSSI gewinnt dort bisher im Pilotmaßstab
Siliziumpulver durch Zersetzung des Gases Monosilan in einem 800
Grad Celsius heißen Rohrreaktor. Das anfallende Pulver wird
anschließend zu Pellets verpresst.
Das Material soll nach den Worten von Geschäftsführer Raymund
Sonnenschein zunächst ausschließlich an den Solarworld-Konzern
gehen, der sich um seine Rohstoffversorgung damit endgültig keine
Sorgen mehr zu machen braucht. Langfristig sollen aber auch andere
Unternehmen mit dem badischen Stoff versorgt werden. „Wir sind uns
einig, dass weiter ausgebaut wird. Aber wann wir eine industrielle
Fertigung aufbauen, ist noch offen“, so Sonnenschein.
Durchbruch für metallurgisches Silizium?
Sicher rechnen kann die PV-Industrie künftig mit Silizium aus dem
Hause Elkem Solar, ein Teilbereich des Metall-Produzenten Elkem
ASA. Die Norweger nutzen billiges metallurgisches Silizium und
bereiten es in einem einfachen dreistufigen Reinigungsprozess auf.
In einer Pilotanlage, die seit 2005 steht, wird dieses Verfahren
derzeit noch optimiert. Für 2008 ist laut Elkem Solar-Leiter
Christian Dethloff die Inbetriebnahme einer 5.000-Tonnen-
Produktion geplant. Das Besondere daran: Der Prozess soll nur etwa
ein Fünftel der Energie benötigen wie die klassischen
Produktionsverfahren und das Material dennoch so rein sein, dass
die Hersteller keine Einschränkungen beim Wirkungsgrad hinnehmen
müssen.
Elkem scheint nicht zu viel zu versprechen: Die Universität
Konstanz hat den Sonnenstoff aus Norwegen getestet und damit
versuchsweise Zellen gefertigt. Ergebnis: Mit Elkem-Silizium lassen
sich genauso „gute“ Sonnenfänger fertigen wie mit klassisch
hergestelltem Silizium. „Die Materialien verhalten sich genau
gleich“, so Solarforscher Giso Hahn.
Auch der japanische Wafer-Hersteller JFE Steel, der
US-amerikanische Chemiekonzern Dow Corning oder die Berliner
Solarvalue AG wollen künftig qualitativ hochwertiges
metallurgisches Silizium anbieten. Die im Juni 2005 gegründete
Solarvalue will sich in Zukunft auf allen PVWertschöpfungsstufen
betätigen und hat als ersten Schritt im September eine
metallurgische Fabrik vom Metallverarbeiter TDR in Rue, Slowenien,
übernommen. Diese soll nun zu einer Produktionsstätte für
Solarsilizium umfunktioniert werden. Bereits 2007, so
Solarvalue-Sprecher Klaus Heidler, sollen dort 2.000 Tonnen
gewonnen werden.
Das Konzept stammt vom US-amerikanischen National Renewable Energy
Laboratory (NREL). Kernidee ist, Silizium mit so sauberen
Ausgangsstoffen (Quarzen) herzustellen, dass es nachher kaum noch
gereinigt werden muss. Auch wenn das Verfahren bisher nicht im
großtechnischen Maßstab angewendet wird und praktische Erfahrungen
fehlen, ist Solarvalue überzeugt, den straffen Zeitplan einhalten
zu können. „Im kleinen Rahmen hat das NREL die Herstellung bereits
verifi ziert. Wir sehen keine Probleme“, so Heidler. Fazit: Trotz
aller Ungewissheiten werden spätestens 2010 eine ganze Reihe neuer
Hersteller Silizium anbieten und so für ein nennenswertes
zusätzliches Rohstoffangebot sorgen. Denn seit
produktionstechnisches Know-how über diverse Consultants eingekauft
werden kann, ist die Siliziumherstellung keine Geheimwissenschaft
mehr. Was es braucht, um eine Fabrik aufzubauen, sind genug Kapital
und eine Baugenehmigung. Bei Produzenten, die auf bislang übliche
Verfahren setzen wollen, ist letzteres aber eine große Hürde. Wegen
des Gefahrenpotenzials dieser chemischen Prozesse sind – so
Fachleute – Genehmigungen fast nur an bereits vorhandenen
Produktionsstandorten zu bekommen. Kein Wunder also, dass nahezu
ausschließlich die etablierten Siliziumhersteller hier für
Kapazitätszuwächse sorgen werden. Newcomer weichen schon allein
deshalb auf alternative Verfahren aus – wie beispielsweise
metallurgische Siliziumfabriken. Hierfür Genehmigungen zu bekommen
ist, laut Solmic-Geschäftsführer Mozer kein großes Problem. „Die
hat man in der Regel nach spätestens einem halben Jahr.“
Ob die Neuen aber tatsächlich zu Konkurrenten für die etablierten
Player werden und bewirken, dass die Rohstoffpreise unter Druck
geraten, entscheidet am Ende der Markt. Spannend wird es vor allem
für die Hersteller metallurgischen Siliziums. Gibt sich die
PV-Industrie mit Stoff zufrieden, der weniger rein, dafür aber sehr
wahrscheinlich günstiger zu haben sein wird? Oder setzt sie für
ihre Hightech-Produkte weiter auf Bewährtes? Scheuten-Chef van den
Heuvel dürfte bald Gewissheit haben, ob seine Entscheidung, eine
Fabrik zur Gewinnung metallurgischen Siliziums zu bauen, richtig
war oder nicht doch zu riskant.
Schneller und billiger: Neue Konzepte für die
Siliziumproduktion
Die Siliziumgewinnung ist kompliziert und teuer. Üblich ist das so
genannte Siemens-Verfahren. Bei diesem Prozess lagert sich in einem
über 1.000 Grad Celsius heißen Reaktor Trichlorsilan wie
Zuckerwatte an Stäben ab, die allmählich zu dicken Säulen
heranwachsen. Trichlorsilan ist eine leicht flüchtige Flüssigkeit
und wird zuvor aus gemahlenem metallurgischem Silizium und
Chlorwasserstoff gewonnen. Vorteil des Siemens-Verfahrens: Hier
wird Silizium mit einer fast hundertprozentigen Reinheit gewonnen –
eine optimale Voraussetzung, um hocheffiziente Zellen zu
produzieren. Nachteil: Der Prozess ist sehr energie- und
kostenintensiv. Erst wenn die Reaktoren abgeschaltet und die Stäbe
abgekühlt sind, kann das Material entnommen werden.
Alte wie neue Hersteller arbeiten deshalb an einfacheren,
energiesparenden Konzepten. Eine Variante ist das
Wirbelschichtverfahren zur Herstellung granularen Siliziums. Die
drei Marktführer Hersteller Hemlock, REC und Wacker wollen hierauf
künftig verstärkt setzen. Hierbei werden winzige, kaum sichtbare
Siliziumkügelchen verwendet, an denen sich in einem Reaktor aus dem
Trichlorsilan Silizium abscheidet. Anders als bei der alten Methode
kann das Granulat jederzeit geerntet werden – die Anlage muss also
nicht abgeschaltet und für einen neuen Prozess wieder hochgefahren
werden. Das spart Zeit und Energie. Granulares Silizium ist auch
Endprodukt der Vapour-to-Liquid-Deposition, einem Konzept, das
Tokuyama verfolgt. Trichlorsilan scheidet sich flüssig an der
Reaktorwand ab, tropft auf den Boden und erstarrt dort in einem
kühleren Milieu zu Granulat, das problemlos entnommen werden
kann.
Viele der Neueinsteiger setzen statt auf derartige chemische
Aufbereitung des Siliziums auf die direkte Aufbereitung
metallurgischen Siliziums. Dieses wird durch Reduktion von Quarz
(Siliziumdioxid) mit Kohlenstoff in einem sogenannten
Lichtbogenofen gewonnen. Elkem verfolgt beispielsweise einen
dreistufigen Prozess: Silizium wird mehrmals geschmolzen und mit
Schlacken versetzt sowie mit Säuren behandelt, um Verunreinigungen
zu beseitigen. Vorteil: Silizium lässt sich so wesentlich günstiger
aufbereiten. Nachteil: Das Material enthält mehr Fremdstoffe als
der klassisch produzierte Stoff; das wirkt sich negativ auf die
Qualität der Zellen aus.
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