Goldpreis: 900 Dollar-Marke im Blick
Der Goldpreis hat auch am Mittwoch abermals ein neues Allzeithoch
erreicht. Angesichts anhaltender Rezessions- und Inflationsängste
an den weltweiten Finanzmärkten dürfte die Rekordjagd des
Edelmetalls auch in den kommenden Monaten weiter anhalten. Anleger
verabschieden sich zunehmend aus unsicheren Investments und
flüchten in den "sicheren Hafen" Gold.
Nachdem der Goldpreis bereits am Dienstag eine neue Rekordmarke
aufgestellt hatte, stieg der Preis für den Rohstoff auch im
Mittwochshandel weiter an. Im asiatischen Geschäft sprang der Preis
für Gold erstmals auf 891,50 Dollar je Feinunze und markierte damit
erneut ein neues Allzeithoch. Die psychologisch wichtige Marke von
900 Dollar könnte angesichts der anhaltenden Verunsicherung an den
internationalen Finanzmärkten bereits in absehbarer Zeit geknackt
werden.
Gerade im Zusammenhang mit der schwächelnden US-Wirtschaft, die
insbesondere durch die Auswirkungen der Hypothekenkrise aktuell
stark angeschlagen ist, flüchten Anleger derzeit in
Goldinvestments, die als sicherer Hafen gelten. Zentralbanken
können den Konjunktursorgen zwar mit weiteren Zinssenkungen
entgegenwirken, was allerdings auf der anderen Seite die
Inflationsgefahr weiter erhöht.
Der US-Dollar, der bereits im vergangenen Jahr stark unter Druck
geraten war, könnte dadurch weiter geschwächt werden. Gold wird in
Dollar gehandelt, daher steigt der Preis für den Rohstoff
tendenziell zur Abschwächung der US-Währung. Eine weitere
Inflationsgefahr geht zudem von dem immer noch hohen Ölpreisniveau
aus. Die Rekordjagd beim "schwarzen Gold" wirkt sich zunehmend
belastend auf eine ganze Reihe von Branchen aus.
Neben ökonomischen Ursachen für die derzeitige Hausse bei Gold
treibt darüber hinaus auch eine deutlich gestiegene Nachfrage den
Preis. Gerade in Schwellenländern wie China und Indien ist die
Goldnachfrage in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen.
Die Produktion stagniert hingegen. Das wichtigste Förderland des
Edelmetalls, Südafrika, meldet seit Jahren sogar sinkende
Produktionsmengen. Die Erschließung neuer Goldvorkommen lohnt sich
vielfach erst bei einem deutlich höheren Preisniveau.
Der Goldexperte der Commerzbank, Eugen Weinberg, sieht im
Zusammenhang mit der aktuellen Situation an den Finanzmärkten und
der weiter steigenden Nachfrage beim Goldpreis weiterhin Potenzial:
"Ich glaube, dass der Preis in den nächsten Monaten durchaus über
900 Dollar steigen wird", so der Experte gegenüber dem Manager
Magazin.
Weinberg warnte jedoch auch vor einer möglichen Korrektur im
zweiten und dritten Quartal 2008, da momentan der Optimismus sehr
hoch sei. Spätestens im vierten Quartal werde sich der Goldpreis
dann jedoch bei 900 Dollar stabilisieren. "Auch ein Preis von 1000
Dollar wäre in diesem Jahr nicht auszuschließen", so der Experte
weiter.
Eine Ressourcenknappheit werde es nach Einschätzung von Weinberg
allerdings nicht geben: "Ich kaufe diese These nicht. Die
Ressourcen werden uns auch in 100 Jahren nicht ausgehen. Die Kosten
werden weiter steigen und damit auch die Preise, aber Gold, Öl und
Gas wird auch für unsere Nachkommen noch ausreichen. Darüber sollte
man sich keine Sorgen machen", so der Goldexperte im Interview.
Die Anleger können auf verschiedene Arten von dem steigenden
Goldpreis profitieren. Neben dem Kauf des Edelmetalls in physischer
Form stehen den Marktteilnehmern eine Reihe weiterer Finanzprodukte
zur Verfügung. Zertifikate und Optionsscheine, die den Goldpreis
abbilden, werden aktuell ebenso stark nachgefragt, wie Fonds oder
Exchange Traded Funds zum Thema. Zudem verzeichneten jüngst auch
die Anteilsscheine von Minenbetreibern oder Bergbaukonzernen
größere Kurssprünge.