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Beraterhaftung bei Vermittlung von geschlossenen Fonds (insbesondere steueroptimierenden Medienfonds

Diskussionsstatistik
eröffnet am 04.02.07 12:58:26
von
neuster Beitrag 30.10.07 11:26:31
von

Anzahl Beiträge: 87
Aufrufe gesamt: 15.027
Aufrufe heute: 0
Diskussionsnr.: 1.109.567
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[ Seite: 123789neuster Beitrag ]

Avatar
schrieb am 04.02.07 12:58:26
Beitrag Nr.1 
(27.413.955)
Antwort
Zitat
Ich habe nach einer Betriebsveräußerung in 2002 von einem Finanzberater die Empfehlung bekommen, in Medienfonds zu investieren, um die Steuerbelastung zu optimieren.

Die Investition erfolgte tatsächlich ausschließlich aus steuerlichen Gründen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keinerlei Erfahrungen oder Kenntnisse mit solchen Steuersparmodellen/Medienfonds und mich auf meinen Berater verlassen. Dieser hat dann auch konkret die Fonds ausgesucht und (gegen Agio) vermittelt. Um das Risiko zu streuen, habe ich bewusst nicht alles auf eine Karte gesetzt, sondern den Gesamtbetrag auf 5 Medienfonds verteilt.

Nicht ein einziger dieser Fonds wird, wie es aussieht, seine Prognosen auch nur annähernd erreichen. Im Gegenteil: Es drohen in allen Fällen hohe Verluste. Insgesamt werde ich - auch unter Berücksichtigung der erzielten Steuervorteile - deutlich schlechter darstehen, als wenn ich gar nicht investiert hätte.

Inzwischen bin ich natürlich erheblich schlauer und weiss, dass es sich hierbei nicht um einzelne betriebswirtschaftliche Unglücksfälle handelt, sondern eine ganze Branche im Verruf steht und 80-90 Prozent solcher Fonds nicht zum Ziel führen.

Das hätte mein Berater damals aber bereits wissen müssen. Vor diesem Hintergrund zu empfehlen, nahezu den gesamten Veräußerungserlös in diese Anlageform zu stecken, grenzt im Nachhinein in meinen Augen an grobe Fahrlässigkeit oder sogar Falschberatung. Zumindest auf die erheblichen Risiken hätte er ganz unmissverständlich hinweisen müssen. Für mich steht auch fest - und das sage ich jetzt nicht nur im Blick zurück -, dass ich, wenn ich um diese Risiken gewusst hätte, diese Beteiligungen nicht eingegangen wäre.

Ich überlege daher ernsthaft, nun rechtliche Schritte zu prüfen, zumal wie gesagt eben auch ein recht ordentliches Sümmchen auf dem Spiel steht. Greift hier nicht, wie im Wertpapiergeschät auch, die Beraterhaftung?

Wer hat verglichbare Erfahrungen oder kennt sich in diesem Bereich aus? Welche Möglichkeiten gibt es jetzt für mich?

Danke für jede ernstgemeinte Info.
Avatar
schrieb am 04.02.07 13:26:04
Beitrag Nr.2 
(27.414.859)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 27.413.955 von ichundnichtdu am 04.02.07 12:58:26Ich würde Dir empfehlen einen auf Kapitalanlagerecht spezialisierten Anwalt aufzusuchen.

Grüße K1
Avatar
schrieb am 04.02.07 13:29:24
Beitrag Nr.3 
(27.414.958)
Antwort
Zitat
Ich kann dir nicht wirklich weiterhelfen, ich weiß nur, dass es auch bei geschlossenen Fonds eine Beraterhaftung gibt. Ob die in deinem Fall zur Geltung gebracht werden könnte, kann dir wahrscheinlich nur ein versierter Jurist sagen. Wobei ich stark davon ausgehe, dass auch der letztlich nicht weiß, wie ein Gericht in diesem speziellen Fall entscheiden würde. Sollte die Rechtsschutzversicherung den Fall übernehmen wollen, würde ich es an deiner Stelle versuchen. Ansonsten musst du natürlich genau abwägen, ob das juristische Risiko die Sache wert ist. Im schlechtesten Fall versenkst du weiter Unsummen...schwierige Sache!
Avatar
schrieb am 04.02.07 13:42:08
Beitrag Nr.4 
(27.415.342)
Antwort
Zitat

Erkundige Dich vorher mal nach den "Efolgsquoten" der
"auf Kapitalanlagerecht spezialisierten Anwälte". ;)

Tasche :)
Avatar
schrieb am 04.02.07 14:22:54
Beitrag Nr.5 
(27.416.481)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 27.413.955 von ichundnichtdu am 04.02.07 12:58:26Ich hatte gerade gehofft, dass hier schon der ein oder andere selbst Erfahrungen mit der Beraterhaftung bei geschlossenen (Medien-)Fonds gesammelt hat, denn ich dürfte ja nun wahrlich kein Einzelschicksal sein. Diese Fonds wurden doch in den seltensten Fällen mit einer angemessenen Risikoaufklärung an den Mann (sprich: Anleger) gebracht.
Avatar
schrieb am 04.02.07 14:37:14
Beitrag Nr.6 
(27.416.848)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 27.413.955 von ichundnichtdu am 04.02.07 12:58:26Ich habe nach einer Betriebsveräußerung in 2002 von einem Finanzberater die Empfehlung bekommen, in Medienfonds zu investieren, um die Steuerbelastung zu optimieren.

Steuern sparen um jeden Preis war schon immer Blödsinn! Sorry für den harten Kommentar, aber so ist es nunmal.


Die Investition erfolgte tatsächlich ausschließlich aus steuerlichen Gründen.

Und jetzt hast Du auch noch § 2b am Hals. Bete, daß kein Finanzämtler deinen Namen rauskriegt. Denn sonst bekommst Du die anfänglichen Verluste nachträglich aberkannt. Das ist ernst gemeint!


...Gesamtbetrag auf 5 Medienfonds verteilt...

Boll, Mediastream, Cinerenta, Apollo, Sachsenfonds, Equity Pictures?


Ich bin kein Anwalt oder Steuerberater, nur Anleger, und das hier kann auch werder Rechts- noch Steuerberatung sein, aber mal im Ernst: Deine Chancen stehen schlecht, soweit ich das als laie beurteilen kann. Habe selber Lehrgeld bezahlt. Seit 2002 habe ich nur noch GFP gezeichnet. Und bin damit sehr gut gefahren. Das aber nur am Rande. Auch Medienfonds sind unternehmerische Beteiligungen und beinhalten auch die Gefahr von keinem Gewinn oder gar Verlust. Und das steht in den Prospekten auch ganz klar so drin! Hast Du schriftliche Aussagen deines Beraters, wo er das Risiko kleinredet oder gar negiert oder kannst Du Zeugen benennen, nach Möglichkeit keine Verwandten oder Familienmitglieder, die sowas bestätigen können?

Wobei Du, sofern du in deinem Portfolio auch Mediastream 4 hast, vielleicht Chancen haben könntest. Weil da ein neues Konzept versucht wurde, das angeblich mit dem FA abgesprochen gewesen sei. Vielleicht war es das auch. Aber von den rund 100% Verlusten sind den Anlegern nur noch ca. 10 übrig geblieben. Da sind, soweit ich mitbekommen habe, schon gegen Banken Urteile im Sinne der Anleger ergangen.

Wichtig ist natürlich eine Gesamtbetrachtung: Was ist von den Fonds realistischerweise noch zu erwarten? Meine Aufzählung weiter oben war eine Frage. Welche Fonds waren das konkret? Hier lesen ja auch genügend Vermittler mit. Vielleicht weiß der eine oder andere ja mehr und kann eine Antwort geben. Ich habe die Erfahrung gemacht, daß es nicht nur solche gibt, die den Anleger nach der Zeichnung nicht mehr kennen. Sondern es gibt auch noch solche, die sich auch danach kümmern.

Ansonsten haben K1 und taschenrechner, anders als ich schön kurz, wichtige Hinweise gegeben.

Avatar
schrieb am 04.02.07 15:17:05
Beitrag Nr.7 
(27.417.942)
Antwort
Zitat
@office97,

ich habe bewusst von "Steueroptimierung" gesprochen (bzw. geschrieben), weil mir (und wahrscheinlich Dir auch) klar ist, dass es hier in Wirklichkeit um "Steuerstundung" geht. Und bei einem hohen einmaligen Jahresüberschuss, macht es durchaus Sinn, die Steuerlast auf mehrere Fiskaljahre zu verteilen. Bitte gehe davon aus, dass ich auch nicht ganz blöd bin.

Weil ich aber mit diesen Anlageformen damals nicht vertraut war, habe ich Beratungsleistung in Anspruch genommen und dafür (mit dem Agio) ja auch ganz ordentlich gezahlt. Das ist ja der Sinn einer solchen Sache!

Wenn ich die Gesellschaften erst selbst analysieren muss, spare ich mir das Agio und beteilige mich direkt.

Die Fonds, die ich habe, sind: Boll III, MPB II, Mediastream III, VIP 2 und Equity Pictures III.

Es scheint wohl so, als ob ich hier richtig gut beraten worden bin...



Avatar
schrieb am 04.02.07 15:21:20
Beitrag Nr.8 
(27.418.075)
Antwort
Zitat
:rolleyes:
Avatar
Schein_und_Wahrheit
schrieb am 04.02.07 18:27:22
Beitrag Nr.9 
(27.423.774)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 27.417.942 von ichundnichtdu am 04.02.07 15:17:05Hallo, nur mal zu Deiner Info. Du hast Deinem Berater nicht nur das Agio bezahlt, sondern noch ganz dicke weitere Innenprovisionen (hat er das etwa nicht erwähnt - schau mal in die Prospekte unter Vertriebskosten). Geh mal davon aus, daß der Kerl je nach Fonds zwischen 12 und 20 % der Anlagesumme kassiert hat. Als erstes würde ich mir also diesen Fachmann mal zur Brust nehmen und seinen Teil zur Wiedergutmachung einfordern.
Avatar
schrieb am 04.02.07 19:47:11
Beitrag Nr.10 
(27.426.335)
Antwort
Zitat
Antwort auf Beitrag Nr.: 27.417.942 von ichundnichtdu am 04.02.07 15:17:05@ ichnichtunddu

Bitte gehe davon aus, dass ich auch nicht ganz blöd bin.

Sorry, wollte nicht diesen Eindruck erwecken. Daß die lastenverteilung auf mehrere Jahre sinnvoll ist, steht außer Frage. Entscheidend ist aber, das dein FA das auch so sieht.

Klar ist: Jede unternehmerische Beteiligung ist mit Risiken verbunden. So auch Medienfonds. Ich habe in den letzten Jahren viele Prospekte gelesen. Und überall steht drin, daß für den (wirtschaftlichen) Erfolg des Films keinerlei Garantie übernommen wird, weil man den Publikumsgeschmack nicht vorhersehen kann usw. Dem ist nichts hinzuzufügen. Denn sonst könnten wir alle ja auch die lottozahlen vorhersagen.

Eine Ausnahme sehe ich da beim VIP, denn hieß der ja nicht gleich "Garantiefonds"? Soweit ich das heute noch zusammenbringe, wurde doch damals damit geworben, daß Banken eine Art Kapitalgarantie abgegeben haben. Prospekt studieren! Wurde mir mit einleuchtenden Argumenten zum Glück ausgeredet. Und 2002 war eigentlich noch nichts bekannt, wie diese Filme alle mal laufen würden. Folglich konnte dein Berater - über die dargestellten Risiken hinaus - davon auch noch nichts wissen. Allerdings dürfte er ein Problem haben, wenn Du ihm nachweisen kannst, die in den Prospekten klar herausgestellten Risiken verharmlost zu haben. VIP wurde meines Wissens weit überwiegend über die Commerzbank vertrieben. Mediastream ist, soweit ich weiß, auch ein Bankprodukt. Von dem Fonds soll der eine Film ganz gut, aber der andere, viel größere, grottenschlecht gelaufen sein.

Ich muß allerdings zugeben, daß gerade Boll unglaublich überzeugend auftreten kann. Den habe ich mal auf einer Veranstaltung erlebt, wo ich von meinem Ex-Berater hingekarrt wurde. Die waren alle an seinen Lippen gehangen, jedes Wort war wie eine Offenbarung! Ich kam mir vor wie im falschen Film. Bekannte von mir, welche noch am selben Abend gezeichnet hatten, wollen heute noch glauben, daß alles gut wird. Mag ja sein, daß das böse Publikum, die bösen Kritiker den Erfolg verhinderten, aber das tut leider nichts zur Sache.


Wenn ich die Gesellschaften erst selbst analysieren muss, spare ich mir das Agio und beteilige mich direkt.

Sorry, aber das ist kein gutes Argument. Ich muß zumindest einen groben Überblick über das haben, woran ich mich beteilige. Gerade wenn es um viel Geld geht. Beispiel: Du gibst deine Steuererklärung ab, die der Steuerberater erstellt hat. DU allein haftest gegenüber dem Finanzamt für falsche Angaben. Die interessiert es nämlich gar nicht, wenn du sagst, Manno, das wußte ich doch alles nicht. Dann hätte ich die Erklärung ja gleich selber machen können.

Also: Ich habe mal versucht, mit wieder vielen Worten, dir eine möglichst objektive EInschätzung der Situation zu geben. Letztlich kann es einen Versuch wert sein, mit einem guten Anwalt zu reden. Aber große Chancen sehe ich da eigentlich nicht.

[ Seite: 123789neuster Beitrag ]

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