Rat der Ex-Muslime
Die vom Islam abfallen
© Rat der Ex-Muslime So wirbt der Rat der Ex-Muslime für die
Freiheit, auch nicht glauben zu dürfen
Von Kuno Kruse
Muslime, die ihrem Glauben den Rücken kehren, müssen mit der
Todesstrafe rechnen - so interpretieren einige das islamische
Recht. Nun gründet sich der Rat der Ex-Muslime. Ein mutiger
Schritt, selbst im sakulären Deutschland.
Wer vom Islam abfällt, ist ein Murtadd. Nach der Sunna, so das
Urteil islamischer Schriftgelehrter, steht darauf die Todesstrafe.
Als die Iranerin Mina Ahadi vom Glauben abfiel, war sie noch
Medizin-Studentin: "Ich wurde zufällig in eine muslimische Familie
geboren. Aber ich habe mich entschieden, nicht Muslima zu sein."
Als Schülerin unter der Burka hatte sie Sartre gelesen. Als sie mit
achtzehn aus dem Bus stieg, der sie aus ihrem Dorf im iranischen
Aserbeidschan in die Universitätsstadt Tabriz gebracht hatte, riss
sie endlich ihr Tuch vom Kopf. Damals trugen Studentinnen dort noch
Mini-Rock. Über Persien herrschte der Schah. Sie haben dem Islam
abgeschworen
Nun, Jahrzehnte später, in ihrer neuen Heimat Deutschland,
bekannte sie nun öffentlich: "Ich habe abgeschworen." Damit wurde
sie zu einer Murtadd. Seitdem wird die 50-jährige
Frau von der Polizei bewacht.
Sie zeigen mutig Gesicht und Namen
Rund vierzig Männer und Frauen, Einwanderer aus dem Iran, den Irak
und der Türkei taten sich zu einer Initiative zusammen. Als Antwort
auf die "Hoffierung" des Zentralrats der Muslime durch den
Innenminister, gründeten sie den "Zentralrat der Nicht-Muslime".
Und sie zeigen mutig Gesicht und Namen. Einige entstammen der
linken Opposition ihrer Heimatländer und haben als politische
Flüchtlinge Asyl in Deutschland gefunden.
Oder sie sind, wie die türkischstämmige Autorin und Theatermacherin
Azur Toker, einst zur Selbstfindung nach Deutschland aufgebrochen.
Sie hatte als junge Frau in Istanbul Theodor Storm gelesen, dann
Heine - auf deutsch. Das zog sie nach Westen. "So ist es mit der
Freiheit, wenn man ein wenig davon bekommt, will man sie ganz."
Mina Ahadi will ein Zeichen setzen
Nun will die Feministin, die zwölf Jahre lang aus
Ausländervertreterin im WDR-Rundfunkrat saß, zusammen mit Mina
Ahadi und den rund vierzig anderen ein Zeichen setzen. Natürlich,
so räumen die Frauen ein, sei es eine Provokation. Aber warum könne
der Austritt aus einer Religionsgemeinschaft in einem säkularen,
demokratischen Staat überhaupt eine Brüskierung sein?
Sie wollen sich nicht von ein paar bärtigen Männern in Besitz
nehmen lassen, die behaupteten, durch Karikaturen oder andere
angebliche Blasphemien beleidigt worden zu sein. Das irgendwelche
Hinterhof-Moschee-Vereine, zusammengeschlossen in islamischen
Verbänden, meinten, sie könnten im Namen von mehr als drei
Millionen in Deutschland lebenden Einwanderer zu sprechen, das,
sagt die Iranerin Mina Ahadi, habe sie wütend gemacht. Denn nicht
jeder, der aus dem Orient komme, sei Muslim. Viele hätten sich
längst abgewandt, nicht nur von mittelalterlichern Denkweisen,
sondern auch vom Glauben - doch niemand wage es, die öffentlich zu
sagen. Die Initiatoren aber forderten jetzt ihr Recht, die Umma zu
verlassen, so wie jeder Katholik oder Protestant aus seiner Kirche
austreten könne.
Akzeptanz des Nicht-Glaubens abverlangen
Wenn islamische Vereine unermüdlich die Akzeptanz ihres Glaubens
einklagten, sei ihnen zuerst einmal die Akzeptanz des
Nicht-Glaubens abzuverlangen. Dies, sagen die Verweigerer, hätte
als Punkt Nummer eins auf die Tagesordnung der von Innenminister
Wolfgang Schäuble einberufenen Islamkonferenz gehört. Denn zur
Glaubensfreiheit in westlichen Demokratien gehöre auch das Recht,
nicht mehr zu glauben. Doch ein Recht habe nur dann einen Wert,
wenn man es jeder ausüben könne. Frei und offen.
Islamgläubige würden inzwischen versuchen, den Alltag der
Einwanderer in Deutschland immer mehr zu dominieren, sagt Azur
Toker. Kaum seien im Schwimmbad bestimmte Badezeiten nur für
muslimische Frauen eingeführt, schon seien Frauen schweren
Vorwürfen ausgesetzt, wenn sie an anderen Tagen schwimmen gingen.
Sobald einige muslimischen Mädchen nicht am Sportunterricht
teilnähmen, erhöhe sich der Druck auf Väter und Mütter, auch ihre
Töchter nicht zum Sport zu lassen.
Für die Initiatoren ist ihre Aktion deshalb die Flucht nach vorn:
Sie wollen vor Islamisierungstendenzen und falscher Toleranz
warnen. Vertreter von Parteien, wie die Vorsitzende der Grünen, die
doch einmal für Frauenrechte eingetreten seinen, empört sich die
Feministin Azur Toker, würden plötzlich auf dem Gebetsteppich einer
Moschee niederknien. Wenn schon Anpassung, dann erwartet sie diese
von muslimischer Seite. Wer aber ein öffentliches Leben nach den
Regeln der Scharia wolle, dem könne sie nur sagen: "Niemand wird in
Deutschland festgehalten."
...
Doch diese Tradition kann unter europäischen Muslimen kaum gelten.
Der Vorsitzende des Zentralrates Ayyub Axel Köhler, kann die
Motivation für die Gründung des Zentralrates der Nicht-Muslime
daher nicht verstehen. Schließlich habe sein Zentralrat bereits
2002 in seiner Charta festgehalten, dass jeder Muslim das Recht
habe, die Religion zu wechseln oder auch gar keine Religion zu
haben.
Ob diese von allen gelesen und akzeptiert ist, oder nur das Papier
geduldig ist, und nicht die Mitglieder, wird sich nach dem 28.
Januar herausstellen, wenn sich mehr als 40 Abschwörer geoutet
haben.
Mitarbeit: Gerd Elendt
Artikel vom 27. Februar 2007
http://www.stern.de/politik/panorama/:Rat-Ex-Muslime-Die-Isl…
Ein mutiger Schritt! Schaun mer mal, wie viele dieser Abtrünnigen
demnächst Personenschutz benötigen.