Stiftung Warentest warnt !! Man bin ich froh da raus zu
sein...
Prokon-Zinsangebot: Prokon macht zu viel Wind
finanztest 07/2011
Das Windkraftunternehmen Prokon ist dank unablässiger Werbung
inzwischen bundesweit bekannt. Für seine Genussrechte bietet es
einen attraktiven Zins von zurzeit 8 Prozent. Doch Anleger tragen
dafür das volle Verlustrisiko. Sollte Prokon einmal wirtschaftliche
Probleme bekommen, hätten sie schlechte Karten.
Prokon-Zinsangebot
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Prokon trifft den Nerv
Was halten Sie von Prokon? Ist das Unternehmen seriös? Anfragen
dieser Art bekommen wir fast täglich. Dank unablässiger Werbung mit
Postwurfsendungen und Fernsehspots ist das norddeutsche
Windkraftunternehmen inzwischen bundesweit bekannt.
Prokon trifft den Nerv vieler Anleger: Die ethisch-ökologisch
Engagierten suchen nach guten Investments in erneuerbare Energien.
Zusätzlich locken die 8 Prozent Rendite, die das Unternehmen
zurzeit für die Anlage in seine Genussrechte zahlt.
Wer sich mit Geldanlagen beschäftigt weiß, dass eine so hohe
Rendite ohne Risiko nicht zu haben ist. Vielen Empfängern der
Prokon-Werbung scheint der Zusammenhang aber nicht klar zu
sein.
Wir haben Prokon in der Vergangenheit mehrfach kritisiert, weil das
Unternehmen die Risiken in der Werbung überhaupt nicht erwähnt und
die Genussrechte sogar auf eine Stufe mit sicheren Zinsanlagen
gestellt hat. Dieser Meinung war auch das Landgericht Itzehoe. Nach
einer Klage der Verbraucherzentrale Hamburg verboten die Richter
der Firma, mit irreführenden Aussagen für ihre Genussrechte zu
werben.
Den Spruch „Die Alternative zur Bank oder Lebensversicherung“ hat
Prokon aus seiner Werbebroschüre entfernt, aber von Verlustgefahr
ist nach wie vor keine Rede. Die Firma bleibt wegen ihrer Werbung
auf unserer Warnliste (Warnliste Geldanlageangebote, derzeit 11
Seiten für 3 Euro).
Keine „Sicherheit zum Anfassen“
Doch was steckt nun hinter der Anlage, für die so eifrig geworben
wird?
Herausgeber der Genussrechte ist die Prokon Regenerative Energien
GmbH & Co. KG. Ihr Geschäft besteht darin, Darlehen an
„verbundene“ Unternehmen zu geben. Etwa 40 Gesellschaften aus der
Branche der erneuerbaren Energien erhalten solche Kredite und
gehören zur Prokon-Gruppe. Die Erträge der Prokon GmbH bestehen aus
den Darlehenszinsen, die sie zahlen müssen.
Solche rechtlichen Konstrukte sind weder ungewöhnlich noch
anrüchig. Prokon ist eben kein mittelständischer Handwerksbetrieb.
Nur ist das nicht die „Sicherheit zum Anfassen“, die das
Unternehmen Anlegern immer wieder in Aussicht gestellt hat.
Schließlich werden sie nicht einmal Miteigentümer an
Windrädern.
Die Genussrechte geben Anlegern keinerlei Mitspracherecht und
unterscheiden sich damit von echten Unternehmensbeteiligungen wie
denen an Kommandit- oder an Aktiengesellschaften.
Das war früher anders. Auch viele Prokon-Windparks waren früher
Kommanditgesellschaften. Seit ein paar Jahren setzt die Firma aber
ganz auf Genussrechte.
Firma darf das Kapital sperren
Solange die jährlichen Zinsen von zurzeit 8 Prozent aufs Konto
fließen, dürfte die Gesellschaftsform vielen Anlegern egal sein.
Doch was passiert, wenn bei Prokon einmal Flaute herrscht?
Das Unternehmen kann die Grundverzinsung von 6 Prozent kürzen oder
sogar aussetzen. Anleger hätten zwar einen Anspruch, ihre
Zinszahlung später zu bekommen. Doch mit Verweis auf fehlende
Mittel kann die Firma die Nachzahlung verschieben. Bleibt der
wirtschaftliche Erfolg aus, können Anleger auch gegen einen
dauerhaften Ausfall der Zinszahlung nichts machen.
Wenn sie Pech haben, können sie nicht einmal aussteigen, obwohl sie
ein vertraglich fixiertes Kündigungsrecht haben. Denn dieses Recht
steht unter dem Vorbehalt, dass genügend Bares für die Auszahlung
zur Verfügung stehen muss. Sollte Prokon das Geld ausgehen, kann
das Unternehmen die Kündigung der Genussrechte auf unbestimmte Zeit
aussetzen. Anleger hätten keine Chance, an ihr investiertes Geld zu
kommen.
Für manchen eine „ideale Anlage“
Dennoch hält auch mancher informierte Anleger Prokon für ein gutes
Investment. Finanztest-Leser Wolfgang Breske etwa bezeichnet die
Genussrechte sogar als „eine unter Rendite- und unter
Sicherheitsgesichtspunkten ideale Anlagemöglichkeit“. Er ist seit
2002 beteiligt und vom nachhaltigen Erfolg der Firma überzeugt.
Windkraftunternehmen erhalten für den Strom, den sie ins Netz
einspeisen, eine staatliche Mindestvergütung. Es ist durchaus
möglich, mit Windkraftanlagen dauerhaft Renditen von 8 Prozent oder
sogar mehr zu erzielen. In diesem Fall werden die Windparkfirmen
ihre Kredite an die Prokon GmbH bezahlen können.
Das gilt aber nur, wenn solide gewirtschaftet wird und nicht zu
viel Geld für Management, Vertriebs- und Werbekosten auf der
Strecke bleibt. Die Anleger können das alles nicht kontrollieren.
Das im Internet (www.prokon-net.de) veröffentlichte Zahlenmaterial
wirkt nur auf den ersten Blick beeindruckend. Die Aufstellungen
entsprechen in keiner Weise Bilanzstandards. Letztlich müssen
Investoren darauf vertrauen, dass die Geschäftsführung alles
richtig macht.
Prokon hat verschiedene Geschäftsfelder – neben Windenergie auch
Biokraftstoffe und Biomasse – und verteilt seine Investitionen auf
eine Vielzahl von Projekten. Zur Mischkalkulation gehört, dass neu
eingesammeltes Geld erst über mehrere Jahre investiert werden muss
und in den Jahren bis zum Betriebsbeginn keine vollen Erträge
erwirtschaften kann. Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle
Rendite von 8 Prozent zwar nicht unrealistisch, aber ein
ehrgeiziges Ziel.
Transparent im Internet
Das Verhältnis der Firma zu den Medien ist gespannt. In seinem
Internetauftritt beklagt sie sich über unfaire Berichterstattung.
Auch die Stiftung Warentest bekam in einem „Rundbrief“ schon ihr
Fett weg. Auf unsere aktuellen Fragen zu den Prokon-Genussrechten
erhielten wir jedoch ausführlich Antwort.
Auch sonst gibt sich Prokon im Internet aufgeschlossen, beantwortet
kritische Fragen und stellt dort die Risiken umfassend dar.
Interessierte sind aber mindestens ein paar Stunden beschäftigt, um
sich durch den Hauptprospekt und die Genussrechtsbedingungen zu
kämpfen. Die sollte jeder gelesen haben, bevor er sein Geld
anlegt.
Kapital. Wenn Unternehmen Geld brauchen, können sie sich um
Bankkredite bemühen – oder sich von Anlegern Kapital leihen. Für
die Firmen sind Unternehmensanleihen oder sogenannte Genussscheine
eine preiswertere Alternative zu Bankdarlehen. Für die Anleger
liegt der Reiz normalerweise darin, dass sie eine viel höhere
Verzinsung als für Sparbücher, Festgeld oder deutsche
Staatsanleihen erhalten.
Zins. Wie hoch der Zinsaufschlag ist, hängt von der
Kreditwürdigkeit, der Bonität des Schuldners ab. Konzerne wie
Siemens oder die Deutsche Telekom haben eine so hohe Bonität, dass
sie Anlegern nur ein kleines Zinsplus gewähren müssen. Bei
mittelständischen Unternehmen wie Prokon ist das anders. Anleger
erhalten als Entschädigung für das schwer einzuschätzende Risiko
eine relativ hohe Verzinsung.
Pleiterisiko. Mit allen Unternehmensanleihen und Genusscheinen
gehen Anleger ein Pleiterisiko ein. Bei renommierten Konzernen mag
es viel geringer sein als bei kleinen Unternehmen, aber völlig
sicher kann sich der Anleger nie fühlen. Paradebeispiel ist der
ehemals größte Autokonzern der Welt: Noch in den 90er Jahren hätte
kaum jemand Bedenken gehabt, General Motors Geld zu leihen. Im Juni
2009 war das Unternehmen zahlungsunfähig und seine Anleger verloren
viel Geld.
Laufzeit. Viele Unternehmensanleihen sind an der Börse notiert.
Anleger können ihre Anteile jederzeit verkaufen, wenn sie notfalls
einen Preisabschlag hinnehmen. Kleine Firmen wie Prokon geben
dagegen meist Direktanleihen oder Genussscheine ohne
Handelsmöglichkeit heraus. Ihre Besitzer können sie erst am Ende
der Laufzeit oder ab einem vereinbarten Termin an das Unternehmen
zurückgeben. Für die Genussrechte von Prokon gilt eine
Mindestlaufzeit von drei Jahren.
Anleger. Verwechseln Sie Angebote wie das von Prokon trotz
Zinsversprechen nicht mit einer sicheren Anlage. Mit Genussrechten
gehen Sie ein hohes Risiko ein und können Ihr Geld schlimmstenfalls
verlieren. Kein Rettungsfonds springt dann ein.
Ökobanken. Wenn Sie sichere Anlagen mit ethischem Anspruch wollen,
sind Banken wie die Ethikbank, GLS, Triodos und Umweltbank eine
gute Adresse. Ihre Festgeldzinsen sind allerdings recht bescheiden.
Achtung: Bei Triodos und der Umweltbank sind nur Beträge bis 100
000 Euro geschützt.
Windparks. Basisinformationen über direkte Beteiligungen an
Windparks finden Sie beim Bund der Energieverbraucher. Dort gibt es
kostenlos einen Ratgeber und eine Broschüre des Bundesverbandes
Windenergie.
Ratgeber. Einen Überblick über ethisch-ökologische Geldanlage gibt
unser Ratgeber „Grüne Geldanlage“ für 16,90 Euro. Sie erhalten ihn
im Buchhandel oder in unserem Online-Shop zuzüglich 2,50 Euro
Versandkosten.