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31.250.436 von ricwun am 22.08.07
09:48:22HANDELSBLATT, Donnerstag, 23. August 2007, 12:51
Uhr
Rohstoffboom
BHP strotzt vor Selbstvertrauen
Von Dirk Heilmann
Die starke Nachfrage nach Metallen ließen beim weltgrößten
Bergbaukonzern BHP Billiton im abgelaufenen Geschäftsjahr die
Kassen klingeln. Nun will der Konzern ein Investitionsprogramm von
mehr als 20 Mrd. Dollar vorantreiben. Sorgen wegen der aktuelle
Krise an den Finanzmärkten macht sich der Konzern nicht.
LONDON. Die aktuelle Krise an den Finanzmärkten wird nach
Überzeugung von BHP Billiton den Rohstoffboom nicht stoppen. Wenn
sich Finanzinvestoren aus den Rohstoffmärkten zurückzögen, werde
das die Preise nur kurzfristig drücken, sagte Chip Goodyear, der
scheidende Chef des Branchenführers. Auch eine konjunkturelle
Talfahrt in den USA bedeute nicht das Ende des Booms. Das
britisch-australische Unternehmen hat im Geschäftsjahr zum 30. Juni
ein Rekordergebnis eingefahren, auch weil es die Kosten besser im
Griff behielt als manche Konkurrenten.
Es sei damit zu rechnen, dass einige Finanzinvestoren wegen
Liquiditätsengpässen spekulative Rohstoff-Investments auflösten,
sagte Goodyear. Aber das werde die Rohstoffpreise nur vorübergehend
drücken. „Letztlich werden sie von Angebot und Nachfrage bestimmt“,
sagte er, „und es bleibt dabei, dass die Nachfrage steigt, während
das Angebot beschränkt ist.“
Selbst wenn die Finanzkrise auf die Realwirtschaft übergreife,
werde das Geschäft der Rohstoffriesen wenig leiden, sagt Goodyear.
Die US-Wirtschaft habe nicht mehr die Bedeutung für die Branche,
die sie einmal gehabt habe. Chinas Wirtschaft wachse absolut
stärker und brauche dafür viel mehr Rohstoffe. Indien folge diesem
Pfad mit ein paar Jahren Verzögerung. Die Rohstoff-Nachfrage beider
Länder sei von der Binnenwirtschaft und nicht von der
Weltwirtschaft getrieben.
Angesichts solcher Perspektiven wird BHP ab Oktober unter Goodyears
Nachfolger Marius Kloppers ein Investitionsprogramm von 21 Mrd.
Dollar vorantreiben. Es enthält 33 Projekte, die der Konzern
begonnen hat oder deren Machbarkeit er gerade prüft. Vorhaben für
weitere 50 Mrd. Dollar befinden sich in der mittelfristigen Planung
ab 2013. Die finanzielle Kraft dafür hat sich der Konzern in den
Boomjahren unter Goodyear erarbeitet: In den vergangenen fünf
Jahren hat sich der Gewinn versiebenfacht.
2006/07 war ein weiteres Rekordjahr, in dem BHP Billiton den Umsatz
um 21 Prozent auf 47,5 Mrd. Dollar (35,2 Mrd. Euro) und den
Reingewinn um 28 Prozent auf 13,4 Mrd. Dollar steigerte. Die
Rendite auf das eingesetzte Kapital erreichte 38 Prozent. BHP
gelang es besser als Konkurrenten, Preissteigerungen in höhere
Gewinne umzusetzen. Während die Branche über ständig steigende
Kosten stöhnt, drückte BHP die Kosteninflation auf 3,6 Prozent.
Hauptkonkurrent Rio Tinto musste im vergangenen Halbjahr hingegen
sogar einen Gewinnrückgang hinnehmen, weil ihm die Kosten für
Mensch und Material aus dem Ruder liefen.
Die Zahlen brachten BHP gestern viel Lob an den Finanzmärkten ein.
Der Aktienkurs stieg in London um rund fünf Prozent. Die Analysten
von JP Morgan Cazenove sprachen von einer beeindruckenden Leistung
in der Kostenkontrolle. Andere wiesen darauf hin, dass die Gruppe
in den kommenden Jahren vom Ausbau ihrer Kapazitäten in Eisenerz,
Kupfer, Nickel und Öl profitieren werde. Auch die
Dividendenerhöhung um knapp die Hälfte spiegelt die Zuversicht der
Konzernführung. Ein Analyst bemängelte allerdings, dass BHP kein
neues Aktienrückkaufprogramm angekündigt habe. Das gegenwärtige
Programm in Höhe von 13 Mrd. Dollar ist zur Hälfte umgesetzt.
Diese Zurückhaltung könnte aber darauf hindeuten, dass sich BHP das
Pulver für kommende Übernahmegelegenheiten trocken hält. In der
Rohstoffbranche dreht sich derzeit das Übernahmekarussell. Zuletzt
hat Rio Tinto den Kauf des kanadischen Aluminiumkonzerns Alcan für
stolze 38 Mrd. Dollar vereinbart.
„Wir halten uns zugute, dass wir die laufende Konsolidierungswelle
angeschoben haben“, sagte dazu Kloppers. „Wir werden unsere Chance
nutzen, wenn sich etwas auftut, das in unsere Strategie passt.“ Zu
den Spekulationen, dass BHP ein Angebot für den US-Aluminiumkonzern
Alcoa abgeben könnte, wollte er sich nicht äußern.