Umweltfreundlicher Töten mit Nanotechnologie
Wolf-Dieter Roth 08.02.2007
Artikel-URL: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24598/1.html
Alternative zu Munition aus abgereichertem Uran entwickelt
Von der Urananreicherung verbleibendes abgereichertes Uran ist
einerseits wertloser, immer noch giftiger und leicht radioaktiver
Abfall und andererseits für panzerbrechende Munition beliebt. Doch
die gesundheitlichen Folgen durch den Verschuss von DU (Depleted
Uranium-Munition) sind erheblich und mittlerweile auch beim
amerikanischen Militär nicht mehr unumstritten. Ein neu
entwickeltes synthetisches Material soll nun das gefährliche
Schwermetall ablösen.
Uran ist das schwerste natürlich vorkommende Metall und damit als
Grundlage für panzerbrechende Geschosse automatisch von Interesse.
Auch normale Munition besteht vorzugsweise aus dem Schwermetall
Blei - wegen des höheren spezifischen Gewichts und der so
gesteigerten Durchschlagskraft.
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Grundmaterial und fertiges Projektil aus dem
Nano-Wolfram-Glasgemisch (Bild: Ames Laboratory)
Uran hat jedoch noch einige Eigenschaften, die es für den
militärischen Einsatz besonders interessant machen: Während eine
Bleikugel zwar in "weichen Zielen" - Tieren und Menschen - eine
hohe Durchschlagskraft hat und auch noch ohne Probleme Holztüren
durchdringt, richtet das weiche Metall trotz seines hohen
spezifischen Gewichts in harten Stahlplatten wenig aus und wird nur
an der Oberfläche platt gedrückt.
Uran spitzt sich dagegen beim Auftreffen auf Stahl noch zu und
durchbricht so auch massive Panzerungen. Zudem entzündet sich Uran
durch die Reibungssitze bei 600°C und verbrennt dann unter
Anrichtung weiteren großen Schadens im Inneren des Panzers zu
Uranoxid, was aber auch einen Teil der erheblichen Giftwirkung
verursacht, die auch die die Uranmunition verschießenden Soldaten
oder später im Extremfall in den ausgebrannten Panzern spielende
Kinder, doch auch die gesamte umliegende Zivilbevölkerung gefährdet
und zu langfristigen, in ihrem Ausmaß immer noch ungeklärten
Folgeschäden führt, wie sie im Golf- und Jugoslawienkrieg
beobachtet wurden.
Schon länger wurde damit experimentiert, statt Uran Wolfram als
Grundlage für panzerbrechende Munition zu verwenden, das weniger
giftig ist und sogar noch eine etwas höhere spezifische Dichte
aufweist. Doch das Problem mit Wolfram ist einerseits der weit
höhere Preis - es handelt sich um ein eher seltenes Metall, das
auch nicht als Abfallprodukt anfällt -, andererseits das andere
Verhalten von Wolfram gegenüber Uran beim Auftreffen auf
Hindernisse: es spitzt sich beim Eindringen in harte Metalle nicht
etwa zu, sondern wird pilzförmig platt gedrückt. Zwar geschieht
dies nicht so extrem wie bei Blei, doch ist Wolfram dennoch nicht
imstande, im gleichen Maße wie Uran Panzerplatten zu
durchdringen.
Bisherige Versuche, dem Problem mit Legierungen wie beispielsweise
Wolfram-Eisen-Nickel beizukommen, waren erfolglos. Eine aus auf
Nanogröße gemahlenen Wolframpartikeln und Metallglas
zusammengesetzte Legierung soll nun die gefährliche Uranmunition
ersetzen. Das neue Material wurde in Zusammenarbeit mit dem U.S.
Army Research Laboratory am dem dem U.S. Department of Energy
unterstehenden Ames Laboratory entwickelt und schärft sich beim
Eindringen in Panzerplatten ebenso zu wie Uran, ohne jedoch dessen
(chemische) Giftigkeit und Radioaktivität aufzuweisen. Das Glas
sorgt dabei für die erwünschte Zuspitzung des Projektils beim
Eindringen in das zu durchschlagende Objekt, das Wolfram für die
notwendige hohe spezifische Masse. Erst durch das Kleinmahlen des
Wolframs bis in den Nanometerbereich war es möglich, das vorher
problematische Zerplatzen der Metallpartikel zu einer Pilzform zu
verhindern.
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Innere Struktur des Nano-Wolfram-Glasgemisches unter dem Mikroskop
(Bild: Ames Laboratory)
Auch wenn das neue Material die Soldaten weniger gefährdet und
keine vergifteten, radioaktiven Landschaften zurücklässt, wird es
sich bei den Projektilen aus Wolfram-Glas-Verbundmaterial natürlich
trotzdem um eine höchst tödliche Waffe handeln. Doch nachdem es den
Wissenschaftlern gelungen ist, so ein außergewöhnlich hartes
Material zu entwickeln, denken sie daran, es auch für andere Zwecke
als Projektile zu verwenden und anstelle der Glaskomponente es auch
wieder mit anderen Metallen zu versuchen, um das Gewicht weiter zu
erhöhen. Ob die Nano-Metallpartikel andere gesundheitliche Probleme
mit sich bringen, was ja prinzipiell nicht auszuschließen ist, ist
noch nicht bekannt.
DU
http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs257/en/
DU Trojan Horse
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/15/15915/1.html
Tödlicher Staub
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/13/13891/1.html
Low Intensy Nuclear War
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/4/4805/1.html
"Überraschungen" mit Uran-Munition
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/12/12222/1.html
Es mangelt an der Nano-Hygiene
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24385/1.html