Heute ist letzte Tag für einsteigen!
Lufthansa macht Weg frei für Condor-Übernahme
Lufthansa übt ein Vorkaufsrecht bei Condor nicht aus. Damit ist die
Bahn frei für eine Komplettübernahme durch AirBerlin.
Lufthansa übt ein Vorkaufsrecht bei Condor nicht aus. Damit ist die
Bahn frei für eine Komplettübernahme durch AirBerlin.
Frankfurt (dpa) - Die Deutsche Lufthansa hat den Weg für die
Übernahme des Ferienfliegers Condor durch den Konkurrenten Air
Berlin freigemacht. Ein Vorkaufsrecht der Lufthansa, das die
Übernahme hätte verhindern können, werde aus "strategischen und
wirtschaftlichen Gründen" nicht ausgeübt, teilte eine Sprecherin
mit.
Damit dürfte spätestens 2010 die Condor mit ihren rund 2300
Mitarbeitern und zuletzt rund acht Millionen Passagieren im Jahr
komplett zu Air Berlin gehören. Air Berlin kann damit zum
Konkurrenten Lufthansa weiter aufschließen. Das Bundeskartellamt
muss die Übernahmen aber noch genehmigen. Air-Berlin-Chef Joachim
Hunold begrüßte die Entscheidung. "Damit läuft für uns alles wie
geplant und angekündigt." Air Berlin könne Condor nun in zwei
Schritten 2009 und 2010 komplett übernehmen.
Nach Angaben aus Branchenkreisen bleibt der Markenname "Condor"
allerdings auch nach dem Verkauf der Fluggesellschaft im Eigentum
der Lufthansa. Theoretisch könnte die größte deutsche Airline den
Namen damit später für ein eigenes, neues Angebot nutzen.
Hintergrund der Transaktion ist der Ausstieg der Lufthansa aus dem
Geschäft mit Reiseveranstaltern. Dazu hatte die Lufthansa ihren 50-
Prozent-Anteil am Reisekonzern Thomas Cook (Neckermann Reisen) an
KarstadtQuelle, der heutigen Arcandor verkauft. Lufthansa-Chef
Wolfgang Mayrhuber verfolgt dabei das Konzept, sich auf das
Kerngeschäft zu konzentrieren. Condor ist Teil des Thomas-Cook-
Konzerns, rund 25 Prozent der Condor verblieben zunächst allerdings
bei der Lufthansa.
Vergangene Woche hatte Thomas Cook angekündigt, Condor an Air
Berlin abzugeben. Lufthansa hatte aber für den Fall eines raschen
Weiterverkaufs von Condor ein Vorkaufsrecht vereinbart, was nun
aber nicht ausgeübt wurde. Für den noch verbliebenen
25-Prozent-Anteil der Lufthansa hat Thomas Cook nun das Recht,
diesen im Jahr 2010 für 77 Millionen Euro zu übernehmen. Danach
könnte Condor komplett an Air Berlin gehen. Thomas Cook erhält dann
im Gegenzug knapp 30 Prozent der Air-Berlin-Aktien.
Mit der Übernahme der Condor setzt Air Berlin unter ihrem Chef
Hunold ihren rasanten Expansionskurs fort. Zuvor hatte die
Gesellschaft schon die Fluggesellschaften LTU und dba übernommen.
In Deutschland gibt es damit nur noch zwei große Luftfahrt-Gruppen:
Auf der einen Seite Air Berlin, auf der anderen Seite Lufthansa mit
ihren Töchtern wie Swiss oder Germanwings. Unabhängig von diesen
beiden Gruppen gibt es noch die deutschen Flugtöchter des
Tourismuskonzerns TUI.
Ob die Lufthansa ihren 25-Prozent-Anteil an der Condor vorzeitig
abgibt, wurde zunächst nicht entschieden. Den Verträgen nach hat
Thomas Cook erst 2009 das Recht, die Herausgabe des Anteils zu
verlangen. Vollzogen würde dies dann 2010. Theoretisch könnten sich
beide Seiten allerdings auch auf eine frühere Abgabe einigen. Dem
müsste die Lufthansa aber zustimmen. Nach Angaben einer Lufthansa-
Sprecherin gibt es dazu aber bislang keine Anfrage. Eine frühere
Übertragung der Anteile dürfte vor allem Air Berlin bei der
Integration helfen. Air Berlin erklärte aber, man könne sich nun
"in Ruhe" auf die Übernahme der Condor vorbereiten.
Mit der Trennung von Condor setzt Thomas Cook die Strategie von
Arcandor-Chef Thomas Middelhoff um, der die Bilanz seines Konzerns
nicht mit dem kapitalintensiven Condor-Fluggeschäft belasten will.
Arcandor ist Eigentümer der Mehrheit von Thomas Cook, die seit der
Fusion mit dem britischen Veranstalter MyTravel inzwischen in
London an der Börse notiert ist.
28.09.2007 dpa