Flexibel, nett, mindestens 1,65
Air Berlin informiert über den Beruf des Flugbegleiters: Von
Glamour fehlt dabei jede Spur.
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Noch ohne Uniform. Daniel Janczuk will von Doreen Nicolai alles
über die Arbeit als Flugbegleiter wissen. - Foto: Thilo Rückeis
Berlin - Robert De Niros Ex-Frau war eine, genauso wie die neue
Emma-Chefin Lisa Ortgies, Jeanne-Claude Christo und die Chefin der
hessischen SPD, Andrea Ypsilanti. Und natürlich Sabine
Christiansen. Stewardess, der Traumberuf vieler junger Mädchen. Das
hatte viel mit Glamour und der großen Welt zu tun. Immerhin flog
früher meist nur, wer auch das entsprechende Kleingeld zur
Verfügung hatte. Und heute? In Zeiten der Billigflieger wirkt das
Bild der schönen unterkühlten Frau an Bord ziemlich altmodisch.
Fliegen ist demokratischer geworden, sagen die einen. Für die
anderen hat es an Glanz verloren.
Die Agentur für Arbeit in Potsdam, die Berliner Flughäfen und die
Fluggesellschaft Air Berlin haben an diesem Mittwoch zur Jobmesse
für Flugbegleiter in die „Airportworld“ eingeladen. 216
Interessenten sind gekommen, unter ihnen auch viele Männer. Ihr
Alter schwankt zwischen 18 und 50 Jahren. „Wir haben keine
Altershöchstgrenze, im Gegenteil, wir sind gerade auch an reiferen
Bewerbern sehr interessiert. Dann können Sie den Passagieren an
Bord vielleicht auch interessante Geschichten erzählen“, sagt Marco
Priller, als stellvertretender „Cabin Manager“ verantwortlich für
die rund 1600 Flugbegleiter, die für Deutschlands zweitgrößte
Fluggesellschaft arbeiten.
Viele sind eher durch Zufall auf diesen Termin aufmerksam geworden,
zum Beispiel Diana Thoms. Die 24-Jährige aus Rostock, gelernte
Mediengestalterin, ist seit dem Ende ihrer Ausbildung im Sommer
arbeitslos. Durch Zufall hat sie in einer Zeitung von dieser
Veranstaltung gelesen. „Da ich mich neu orientieren will und muss,
kam mir das gerade recht“, sagt sie. Immerhin, das Interesse an der
Fliegerei ist bei ihr nicht ganz neu: „Ich habe mich schon einmal
für die Ausbildung als Pilotin beworben, aber das wurde leider
nichts.“ Die Anforderungen Air Berlins erfüllt sie: sie ist größer
als 1,65 Meter, und Englisch ist für sie „kein Problem“. Jetzt
träumt sie davon, „die Welt zu sehen“. Und in die marineblaue
Air-Berlin-Uniform zu schlüpfen. „Die ist so feminin, einfach
chick.“
Isabel Müller hat Marco Priller bei seiner Power-Point-Präsentation
genau zugehört und danach auch neugierig nachgefragt. „Ich will
mich unbedingt bewerben“, sagt die hübsche Fachabiturientin.
Allerdings war sie über eine Botschaft enttäuscht: In Berlin, so
sagt Priller, gebe es derzeit keine offenen Stellen. Dagegen würden
in Hamburg, Hannover, Stuttgart, Frankfurt, Zürich und München im
kommenden Jahr bis zu 250 Arbeitsplätze neu besetzt. Von zuhause
wegziehen? Isabel kann sich das immerhin vorstellen.
„Sie müssen vor allem flexibel und belastbar sein“, mahnt Priller
die Kandidaten. „Wir werden von Ihnen erwarten, dass sie im Notfall
innerhalb von 50 Minuten einsatzbereit vor Ort sind.“ Höchstens 50
Kilometer dürfen Flugbegleiter daher von ihrem Heimatflughafen
entfernt leben, Führerschein und Auto sind Voraussetzung für eine
Bewerbung. Und Priller warnt vor Illusionen. „Vergessen Sie den
Traum, dass sie nach einem Langstreckenflug eine Woche lang in Kuba
am Strand liegen können. Das wird es bei uns nicht geben.“ Air
Berlin fliegt derzeit nur innerhalb von Europa, auch der Kauf des
Düsseldorfer Ferienfliegers LTU wird daran für die Anwesenden
nichts ändern: Am Mittwoch werden nur Flugbegleiter für Air Berlin
selbst gesucht.
Daniel Janczuk macht das nichts aus. „Das Tolle ist doch, dass man
sehr viel reist und dabei viele neue Leute kennen lernt“, sagt der
26-Jährige. „Ob das dann nur in Europa ist oder woanders, ist doch
egal.“ Daniel hat bei seiner Ausbildung zum Luftverkehrskaufmann
schon Flughafen-Luft geschnuppert. „Unsere Ausbildung war zum Teil
ganz ähnlich. Ich weiß genau, was da auf mich zukommt.“ Das
Wichtigste in diesem Beruf ist für den Erfurter mit dem leicht
polnischen Akzent, dass man Zufriedenheit ausstrahlt und Energie
weiter gibt. Das traut er sich zu, ihm mache es Spaß, mit Menschen
zu sprechen und sie zu bedienen.
Genau das ist es, was Priller und seine Kollegen bei Air Berlin
suchen. „Sie müssen Spaß am Service und an der Dienstleistung
haben, wenn Ihnen der verloren geht, sollten Sie sich nach einem
anderen Job umschauen.“ Dass es nicht immer einfach sein wird, die
gute Laune zu bewahren, das ahnen die Zuhörer schon nach Prillers
Vortrag über Sicherheitsvorkehrungen, Flugtauglichkeitsuntersuchung
und Deeskalationsstrategien. Von Glamour und der großen weiten Welt
ist am Mittwoch in Schönefeld eher wenig zu spüren.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 13.12.2007)
Wir fliegen Richtung 20 €.