Antwort auf Beitrag Nr.:
31.785.384 von Waldsperling am 29.09.07
13:30:10Hallo Fasu,
ich kann deinen Aerger verstehen, leider uebersiehst du m.E. dabei
die tatsaechliche Lage der Dinge.Wenn man auf deutschen Strassen
unseren "auslaendischen Mitbuergern" begegnet, kann man leicht dem
Trugschluss erliegen,dass mit solchen "Helden der Arbeit" in deren
Heimatlaendern natuerlich nur Schrott produziert werden kann.
Bei einem meiner frueheren Arbeitgeber bin ich oefters in
unterschiedliche Werke eines Autozulieferers u.a. in Deutschland,
Rumaenien, Tuerkei und Indien gekommen, und muss sagen, dass mir in
allen auslaendischen Werken die Mitarbeiter auf Maschinenbediener
-Ebene mindestens ebenso gut ausgebildet und wesentlich
wissbegieriger vorkamen als die deutschen.In der Tuerkei war ich
verbluefft darueber, wie klar die Mitarbeiter dort die Lage in
Deutschland gesehen haben : dass der Ruf der Tuerken dort sehr
schlecht sei ( was sie mir gegenueber fast schon im Ton der
Entschuldigung aeusserten), aber eben nur diejenigen nach
Deutschland gingen, die auch in der Tuerkei nichts zu Wege bringen
wuerden. Und diese "Negativselektion" wird weitergehen, denn auf
der anderen Seite wird jeder kuehl kalkulierende indische Ingenieur
(und das koennen die !) einen Bogen um Deutschland machen, solang
die Abgabenlast so erdrueckend ist ( ich werde nie das dumme
Gesicht eines indischen Kollegen vergessen, der den Fehler beging,
laenger als die Haelfte des Jahres in Deutschland vor Ort zu sein,
und die Nachrechnung fuer Steuer etc. erhielt). Diese ganzen
aufstrebenden Laender konzentrieren sich eben auf ihre
Leistungstraeger, der Rest kann gerne nach Deutschland
auswandern.
Firmen sind in ihrer Entscheidung , zu verlagern oder nicht, eben
nicht souveraen, entweder sie verlagern, oder ein Konkurrent tut
es, der, falls er erfolgreich verlagert, den Konkurrenten dann an
die Wand spielt. Du bringst das Gegenbeispiel Trigema, aber die
haben sich mit ihren eigenen exklusiven Outletshops und
Konzentration auf Tennisbekleidung eben in eine nicht so
preissensible Nische zurueckgezogen.
Ein Gegenbeispiel waere die ganze Elektronikbranche, die wie z.B.
Grundig weggebrochen ist, weil man zu spaet die Produktion
verlagert hat, haette man rechtzeitig gehandelt, haette man
wenigstens Vertrieb, Entwicklung und einige High-Tech Zulieferer (
wo ich frueher mal gearbeitet habe) retten koennen. So ist eben
alles weg.Die Firmen sind eigentlich auch nur getriebene, und nur
eines koennte die ganze Entwicklung stoppen : Protektionismus, aber
daran denken unsere Europa-Multi-Kulti-selbst-verliebten Politiker
ja nicht (dass dabei die weitere DDR-isierung Deutschlands
gefoerdert werden koennte, waere eine andere Diskussion) .
Dass viele Verlagerungen scheitern, hat auch damit zu tun, dass wie
in dem Artikel beschrieben, man erst verlagert, wenn es dem
Unternehmen schon schlecht geht, und man die Anfangsinvestitionen
nicht mehr tragen kann,dass man die Produktion falsch aufbaut ( zu
wenig Investitionen("Blechscheren") => Qualitaetsmaengel;
hochautomatisierte Fertigung wie in Deutschland => ohne hohen
Supportaufwand aus Deutschland nicht handelbar, kaum Einsparungen),
oder man die Organisation der Firma logistikmaessig nicht auf die
laengeren Wege mit erhoehter Lagerhaltung anpasst, selbst Toyota
kippt den Just-in-time Gedanken, wenn Pufferkapazitaeten fuer Teile
aus Billiglohnlaendern noetig sind,und sich das ganze trotzdem
rechnet.