Es gibt einige Wege für uns Aktionäre einen Mehrwert zu
erzielen...
07.10.2007 09:00:00Schrift: | Drucken |SendenDie große
Börsen-Baustelle (EuramS)Alle Aktien steigen, nur die Allianz
nicht. Konzernchef Diekmann muss sich was einfallen lassen. Richtig
lohnen würde eine Aufspaltung, so Analysten
von Günter Heismann
Der Mann frustriert seine Aktionäre auf das Nachhaltigste. Seit
Michael Diekmann im April 2003 Chef des Münchner
Versicherungskonzerns Allianz wurde, dümpelt die Aktie dahin. Die
meisten anderen DAX-Werte konnten sich in dieser Zeit aus dem
tiefen Tal empor arbeiten, in das sie nach dem Platzen der
New-Economy-Blase gestürzt waren; seit 2003 stieg der DAX um rund
270 Prozent. Nur einer stürmte nicht mit: Die Allianz notiert bei
163 Euro – das ist nur gut ein Drittel des Allzeithochs von
2000.
Derzeit leiden natürlich alle Bank- und Versicherungstitel unter
der internationalen Finanzkrise. Doch dies allein kann die
anhaltend schlechte Performance der Allianz-Aktie nicht erklären.
"Wir beziffern deren fairen Wert auf 200 Euro", sagt Aktienexperte
Ralf Dibbern von der Hamburger Privatbank M. M. Warburg. Das Kölner
Bankhaus Sal. Oppenheim setzt ein Kursziel von 211 Euro. Die New
Yorker Investmentbank JP Morgan beziffert den wirklichen Wert des
Allianz- Papiers sogar auf 215 Euro – rund 30 Prozent über der
aktuellen Notierung.
Völlig zu Recht murren die Aktionäre. Immer öfter muss sich
Diekmann fragen lassen, warum er seine Anteilseigner so schlecht
behandelt. Als Folge flackern erneut Spekulationen auf, der
unübersichtliche Konzern solle aufgespalten werden, damit der wahre
Wert der einzelnen Teile klarer zu erkennen ist. Analysten von JP
Morgan rechnen vor: Mit einer Ausgliederung der Dresdner Bank, des
Vermögensverwalters Pimco und anderer Allianz-Töchter könnte der
Börsenwert auf 97 Milliarden Euro klettern. Derzeit beträgt die
Marktkapitalisierung lediglich rund 75 Milliarden Euro.
Eine glatte Zerschlagung des Allianz-Konzerns halten Beobachter
allerdings nicht für sehr wahrscheinlich. "Das Privatkundengeschäft
der Dresdner Bank und Pimco sind mittlerweile voll integriert in
den Allianz-Verbund", gibt Analyst Stephan Kalb von Sal. Oppenheim
zu bedenken. Doch zumindest ein Börsengang der unterbewerteten
Tochtergesellschaften, bei dem die Allianz die Mehrheit und damit
die strategische Kontrolle behalten würde, erscheint vorstellbar.
Auf diese Weise könnte der Konzern seine Aktionäre um mehr als 20
Milliarden Euro reicher machen, prophezeien die Allianz-Experten
von JP Morgan.
Noch scheut Vorstandschef Diekmann davor zurück, seinen
Allfinanzkonzern von Grund auf neu aufzustellen. Im Tagesgeschäft
freilich macht er nicht viel falsch. "Das kühne
Restrukturierungsprogramm, das die Allianz 2005 gestartet hat, wird
von 2006 bis 2009 Einsparungen von insgesamt 5,2 Milliarden Euro
bringen", rechnet Analyst James Garner von der Londoner Großbank
HSBC vor. Bereits 2006 kletterte der Reingewinn um 60 Prozent auf
rund sieben Milliarden Euro. Fürs laufende Jahr wird ein Gewinn von
acht Milliarden erwartet. Angesichts der guten Erträge will die
Allianz die Dividenden weiter kräftig aufstocken; bislang ist die
Ausschüttungsquote deutlich niedriger als bei der Konkurrenz. "2008
wollen wir mit den Mitbewerbern gleichziehen", kündigte Diekmann am
Donnerstag vor Analysten in London an.
Doch Gewinne und Dividenden können offenbar steigen wie sie wollen
– der Aktienkurs bleibt unten. Da ist es kein Wunder, dass immer
wieder Spekulationen um eine Zerschlagung aufflackern, wie jetzt in
den USA. Auslöser ist diesmal der ehemalige Pimco-Manager Mohamed
El-Erian, der jetzt zu dem Vermögensverwalter zurückkehrt und
demnächst die Nachfolge des legendären Pimco-Chefs Bill Gross
antreten soll. "El-Erian möchte, dass Pimco unabhängiger von der
Allianz wird", weiß ein Insider. Um dies zu erreichen, strebt der
künftige Chef angeblich einen Börsengang von Pimco oder gar ein
Management-Buy-out an. Derzeit verwaltet El-Erian noch das Vermögen
der Harvard University, das er kräftig zu mehren verstand.
"Die Allianz könnte Pimco zu einem Teil an die Börse bringen, um
den Wert zu demonstrieren", sagt Warburg-Analyst Dibbern. Die
Investmentbank JP Morgan hat schon mal ausgerechnet, wie viel die
Allianz-Tochter nach einem Börsengang wert wäre. Angesichts des
hohen Kurs/Gewinn- Verhältnisses, mit dem Vermögensverwalter
bewertet werden, kommen die Analysten auf eine mögliche
Marktkapitalisierung von 18,8 Milliarden Euro. Dabei sind schon
Forderungen des Managements berücksichtigt, das Anspruch auf
Prämien von schätzungsweise 1,4 Milliarden Euro hat.
Den möglichen Börsenwert der Dresdner Bank taxieren die Analysten
auf 9,1 Milliarden Euro – ein Betrag, der viele Beobachter
überraschen mag. Tatsächlich aber ist das Frankfurter
Kreditinstitut der wohl am stärksten unterschätzte Teil des
Konzerns. In einem enormen Kraftakt hat sich die Bank von dem
gewaltigen Portfolio an faulen Krediten befreit, das das Institut
beinahe erdrückt hätte. "Jetzt hat die Dresdner Bank unserer
Einschätzung nach eines der saubersten Kreditbücher der deutschen
Großbanken", sagt Analyst Dibbern. Zudem verdient die Dresdner
jetzt endlich ihre Kapitalkosten. Dibbern: "Das Institut ist zu
einer echten Ertragssäule der Allianz geworden." Freilich gibt es
kleine, feine Unterschiede: Die Eigenkapitalrendite der Dresdner
Bank beträgt schätzungsweise zwölf Prozent – die Allianz erzielt
hingegen 15 Prozent. Würde sie sich von der Dresdner Bank trennen,
könnte sie mit dem frei gesetzten Kapital möglicherweise einen
deutlich höheren Ertrag erwirtschaften – nicht zuletzt zum Nutzen
der Aktionäre. Freilich wäre eine Abnabelung der Bank-Tochter alles
andere als einfach.
Die Investmentbank Dresdner Kleinwort, die eigentlich überhaupt
nicht in den Allianz-Verbund passt, ist für die Selbstständigkeit
viel zu klein. Kaufinteressenten findet die Einheit aber kaum.
"Dresdner Kleinwort ist überwiegend in Deutschland und
Großbritannien aktiv", erläutert Analyst Kalb. Dort aber haben fast
alle bedeutenden Investmentbanken bereits Filialen. Lediglich
französische Institute, die sich im Investmentbanking verstärken
wollen, kämen wohl als Käufer in Frage.
Auch eine Abtrennung des Privatkundengeschäfts der Dresdner Bank
wäre schwierig. Mittlerweile ist das Kreditinstitut eng in das
Vertriebsnetz der Mutterkonzerns eingebunden. Die Bilanz der
Zusammenarbeit ist freilich recht gemischt. Derzeit vertreibt die
Allianz nur 13 Prozent der neuen Lebensversicherungspolicen über
die Dresdner. Damit liegt der deutsche Allfinanzkonzern noch weit
hinter seinen Mitbewerbern in Frankreich, Holland und der Schweiz,
die bis zu 50 Prozent ihrer Lebensversicherungen am Bankschalter
verkaufen. Die Spekulationen um einen möglichen Verkauf der
Dresdner Bank mag Allianz-Chef Diekmann nicht kommentieren. Auch
die entsprechenden Gerüchte um Pimco bedenkt der
Versicherungskonzern mit Schweigen. Für am wahrscheinlichsten
halten Branchenkenner derzeit einen Verkauf des Kreditversicherers
Euler-Hermes, dessen Geschäftsfeld nicht gerade eine Kernkompetenz
der Allianz darstellt. Der Anteil von 70 Prozent, den der Konzern
an Euler- Hermes hält, ist an der Börse rund drei Milliarden Euro
wert. Etwas mehr, gut vier Milliarden, könnte die Veräußerung des
Lebensversicherers Asia Life bringen, der überwiegend in Korea
aktiv ist.
Was aber soll die Allianz mit all den Milliarden anfangen, die
selbst ein Verkauf der kleineren Töchter in die Kasse spülen würde?
Schon jetzt schwimmt der Versicherer in Geld, das er im eigenen
Hause kaum sinnvoll investieren kann. Die Analysten von JP Morgan
haben darauf eine klare Antwort: das nicht benötigte Kapital an die
Aktionäre zurückgeben und ein Programm für den Aktien-Rückkauf
starten.
Auch die Allianz-Experten von HSBC erwarten, dass der Konzern einen
Aktienrückkauf mit einem Volumen von bis zu vier Milliarden Euro
ankündigen könnte. Aber wohl nicht vor dem ersten Quartal 2008. Mit
einem solchen Programm könnte Vorstandschef Diekmann die
vernachlässigten Anteilseigner versöhnen.
http://www.finanzen.net/nachricht/Die_grosse_Boersen_Baustelle_EuramS__602024
MFG
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