Antwort auf Beitrag Nr.:
36.209.573 von DerBergderruft am 15.12.08
21:33:00Ich glaube keins.
Zum Thema habe ich dir unten einen extrem pessimistischen Kommentar
aus der FTD (der "Kapital-Kolumne) vom 17.11.2008 reinkopiert.
Die nächste Bilanzbombe tickt
In Rezessionszeiten guckt man gern auf das Kurs-Buch-Verhältnis.
Wenn man das Eigenkapital allerdings um den Firmenwert korrigiert,
sieht es bei vielen Dax-Werten düster aus.
Die Industriefirmen können von Glück sagen, dass sich das breite
Interesse für Bilanzqualität zur Jahrtausendwende auf die
Technologiewerte konzentrierte und jetzt auf die Finanztitel
verlagert. Denn von Qualität kann man bei vielen von ihnen nicht
mehr reden. Auch hier war das Credo oft, jede Art von Gewinn, auch
buchhalterischen, möglichst schnell auszuweisen und gewisse
Aufwendungen zu strecken oder völlig zu negieren. Damit haben viele
Firmen heute weniger Speck als früher in den Büchern.
Das Ergebnisglätten, was in guten Zeiten den Aufbau von
ausgewiesenen sowie versteckten Reserven mit sich brachte, ist der
angelsächsischen Hurra-Bilanzierung geopfert worden. Die mit
reichlich Liquidität ausgestatteten Hedge-Fonds und
Finanzinvestoren im Nacken, haben viele Firmen ihre vormaligen
stillen Reserven dann flugs ausgeschüttet, da es sonst die
Investoren für sie gemacht hätten. Wie sich jetzt herausstellt, hat
man just dann auf Magerbilanzen - die Banker nannten das optimierte
Bilanzen - umgestellt, als die beste aller Welten vorherrschte:
satte operative Margen und uneingeschränkt Kredit bei Bedarf. Und
heute reichen teilweise schon ein, zwei Quartale in den Miesen, um
die Firmen in die Knie zu zwingen.
Kaum eine andere Bilanzierungsnorm hat jedoch dazu beigetragen,
dass die Bilanzen heute sehr viel mehr Schein als Sein sind, als
die Behandlung des Firmenwerts. Hierzulande wurde er noch in den
90er-Jahren von konservativen Firmenlenkern sofort ganz
abgeschrieben, andernfalls über einige Jahre verteilt. Heute bleibt
er einfach in voller Höhe in der Bilanz stehen, es sei denn, ein
Finanzvorstand fühlt sich bemüßigt, eine Teilwertabschreibung
vorzunehmen, da die gekaufte Firma den Erwartungen doch nicht
entspricht. Das passiert dummerweise meist in ohnehin schwierigen
Zeiten. Zu den schlechteren operativen Zahlen kommen dann die
Firmenwertabschreibungen obendrauf. Eine glorreiche Innovation
mehr, die zu erhöhter und nicht verminderter Volatilität führt.
Ein Blick auf die Bilanzqualität der nichtfinanziellen Dax-Werte
lässt einen da erschrecken. Das Eigenkapital wird nach Abzug des
Firmenwerts mehrfach in etwa halbiert (Adidas, Bayer, Telekom, Eon,
Henkel und Siemens), bei Metro und SAP wird es in etwa geviertelt
und bei RWE mehr als gefünftelt. Immerhin, trotz Korrektur würde
SAP immer noch auf eine Eigenkapitalquote von 17,6 Prozent kommen.
Zieht man, noch konservativer, alle immateriellen
Vermögensgegenstände vom Eigenkapital ab, so schmilzt es bei
Adidas, RWE und SAP fast vollständig zusammen, während sich bei
Bayer, der Post, der Telekom, FMC und Linde sogar ein negatives
Eigenkapital errechnet. Potenzielle Anleger sollten da selber schon
genügend Goodwill mitbringen.
Da ist die deutsche Industrie ja bestens für eine Rezession
gewappnet. Hoffen wir, dass keine dieser Firmen liquidiert werden
muss. Von der Aussagekraft ausgewiesener Kurs-Buch-Verhältnisse
ganz zu schweigen.