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Neues über Kinderbordell Jasmin in Leipzig
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schrieb am 19.01.08 15:42:21
19. Januar 2008, 14:51 Uhr
KORRUPTIONSAFFÄRE IN SACHSEN
Prostituierte belasten hochrangige Juristen
Pikante Details in der sächsischen Korruptionsaffäre: Zwei
ehemalige Prostituierte haben bei ihrer Vernehmung drei hochrangige
Juristen erheblich belastet. Nach SPIEGEL-Informationen ist auch
ein Richter des Leipziger Landgerichts betroffen.
Hamburg - Die Prostituierten gaben bei der Staatsanwaltschaft an,
dass sie zwei der Männer auf Fotos wiedererkannten und bezeichneten
sie als ehemalige Freier. Betroffen sind laut SPIEGEL ein
ehemaliger Oberstaatsanwalt, der heute Amtsgerichtspräsident ist,
sowie ein ehemaliger hoher Richter des Leipziger Landgerichts.
Besonders brisant: Der Richter am Landgericht hatte das Urteil
gegen den Betreiber des betroffenen Bordells
"Jasmin"gesprochen.
Der dritte Belastete ist ein Vorsitzender Richter am Dresdner
Oberlandesgericht. Er wird von den Zeuginnen als "Geschäftsfreund"
des Zuhälters bezeichnet. Die Juristen bestreiten die Vorwürfe. Die
Anwälte der Zeuginnen bezeichnen die Aussagen indes als
glaubwürdig. Auch die vernehmenden Staatsanwälte zeigten sich
beeindruckt ob der detailreichen Schilderungen.
Diese Woche wird eine weitere Ex-Prostituierte aus dem "Jasmin" zu
den Vorgängen vernommen. In der sächsischen Korruptionsaffäre hat
die Staatsanwaltschaft zwischenzeitlich elf Prüfvorgänge und 19
Ermittlungsverfahren gegen mindestens acht Beschuldigte
eingeleitet.
wal
URL:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,529667,00.html

schrieb am 19.01.08 15:43:01
Sachsen-Sumpf: Der Chefjustitiar und das Kinderbordell
Foto: ap
Martin Klockzin, eine Schlüsselfigur in der sächsische
Korruptionsaffäre, räumt seinen Posten. Sein Name sorgte einst für
Schlagzeilen. Klockzin gilt Beobachtern als eine Schlüsselfigur in
der sächsischen Affäre um Korruption und organisierte
Kriminalität.
Der Vorgang spielt in Leipzig, also einer Stadt, die seit kurzem im
Ruf steht, ein deutsches Palermo zu sein. Und er ist mit einer
Geschichte verknüpft, die ein grelles Schlaglicht auf den
Korruptionssumpf im Freistaat Sachsen wirft. Es sind diese
besonderen Umstände, die bei folgender Mitteilung aufhorchen
lassen: Die Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft (LWB) gab jetzt
bekannt, dass sie sich von ihrem Leiter der Rechtsabteilung
getrennt hat.
Aus dem städtischen Unternehmen ist – „in gegenseitigem
Einvernehmen“ – der promovierte Jurist Martin Klockzin
ausgeschieden. Sein Name sorgte einst für Schlagzeilen. Am Abend
des 17. Oktober 1994 wurde auf den LWB-Manager ein heimtückisches
Attentat verübt. Ein vermeintlicher Telegrammbote klingelte an der
Tür seiner Wohnung, zückte eine Neun-Millimeter-Pistole und feuerte
aus nächster Nähe drei Schüsse ab. Nur mit Mühe konnten Ärzte im
Leipziger Diakonissenkrankenhaus den Schwerverletzten retten.
Rasch wurde der Schütze gefasst und zu zwölf Jahren Gefängnis
verurteilt. Angestiftet hatten ihn drei Kleinkriminelle – sie
erhielten lebenslang. Die Auftraggeber Joseph Schmied und Manfred
Schneider jedoch gingen merkwürdigerweise straffrei aus. Die Makler
hatten eingeräumt, 8000 Mark dafür bezahlt zu haben, damit Klockzin
„eine Abreibung“ erhalte – mehr aber auch nicht. Der damals noch
mit Restitutionsfragen befasste Manager habe sie beim Verkauf eines
Gründerzeithauses benachteiligt, behaupteten die Süddeutschen. Die
Verfahren gegen die beiden wurden gegen Zahlung von jeweils 2500
Mark an den Weißen Ring eingestellt.
Klockzin in der Opferrolle
Seither wird der Klockzin, heute ein Mann von 47 Jahren mit
Stoppelbart und gelichtetem Haar, als Opfer einer Immobilienmafia
angesehen. Doch bereits seit geraumer Zeit steht die Führungskraft
selbst unter Verdacht, auch Täter zu sein. Beobachter mutmaßen
sogar, der gebürtige Hesse sei eine Schlüsselfigur in der
sächsischen Affäre um Korruption und organisierte Kriminalität.
Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die LWB
gleichzeitig mit der Trennung von dem leitenden Angestellten
folgende Schritte verkündet: Die Innen- und Konzernrevision werde
sämtliche Immobilienverkäufe der Neunzigerjahre neu aufrollen.
Ferner würden alle zivil- und arbeitsrechtlichen Verfahren des
Unternehmens geprüft, und zwar von einer Arbeitsgruppe, die von der
Dresdner Justiz zur Aufklärung des Skandals eingerichtet worden
ist.
Die Recherchen, die schon deshalb eine Menge Arbeit bedeuten, weil
die LWB eines der größten Unternehmen der deutschen
Wohnungswirtschaft ist, könnten womöglich so manche kriminelle
Machenschaft ans Tageslicht bringen, die sich in den Jahren nach
der Wiedervereinigung im Wilden Osten bei einem millionenschweren
Immobilienmonopoly abgespielt haben dürften. Seinerzeit übernahm
die LWB von der früheren DDR-Gebäudewirtschaft 12000 Wohneinheiten.
Derzeit verwaltet und bewirtschaftet die hundertprozentige Tochter
der Stadt gut 50.000 Einheiten. Bei dieser Schrumpfprozess, davon
zeugen die Archive der Lokalzeitungen, ging mitunter offenbar nicht
mit rechten Dingen zu.
So wurde 1993 bekannt, dass die Kommune durch fehlende Kontrolle
und eklatantes Missmanagement bei ihrer Wohnungsgesellschaft einige
hundert Millionen Mark verloren hatte. Wegen dieses Skandals im
Neue-Heimat-Format lasten auf der Gesellschaft noch immer mehrere
hundert Millionen Euro Schulden.
Nach wie vor dreht die kommunale Wohnungsgesellschaft ein großes
Rad. Dabei gelten manche ihrer Geschäftspartner nicht gerade als
Ausbund an Seriosität. Dazu zählt der Ex-Rennfahrer Steffen Göpel.
Seine GRK Holding AG, eine der größten Akteure auf dem Leipziger
Markt, nimmt der LWB gleich paketweise Häuser ab. Woher das Geld
für die Aufkäufe stammt, weiß keiner so genau zu sagen. Belegen
lässt sich hingegen, dass Göpel verbandelt ist mit einer
Rotlicht-Größe, die auch als Initiator eines Pleite gegangenen
Immobilienfonds bundesweit von sich reden machte. Mit dem Leipziger
Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hält wiederum Göpel engen
Kontakt. Sein klotziger S-Klasse-Mercedes mit dem Kennzeichen
L-SG-O1 parkt oft vor dem Rathaus.
Genau hingeschaut wird bei solchen Netzwerken selten und auch die
Rolle von Klockzin interessierte lange kaum jemand. Sein
plötzliches Ausscheiden aus der LWB ist, gemessen an Leipziger
Verhältnissen, eher einer Kleinigkeit geschuldet. Gegen den
Chefjustitiar liegt beim Amtsgericht Leipzig ein Strafbefehl wegen
Urkundenfälschung vor. Laut Ermittlungsakte besteht der begründete
Verdacht, dass Klockzin fingierte Schreiben im Namen fiktiver
LWB-Mitarbeiter abgeschickt hat. Nachdem er mit dem Firmenwagen
schneller gefahren war als es die Polizei erlaubt, wollte er damit
offenbar eine Strafe abwenden. Dumm nur, dass auf den Blitzerfotos
eine Klockzin zum Verwechseln ähnliche Person zu erkennen ist.
Doch wie gesagt, so etwas kommt in Leipzig schon einmal vor. Der
2005 abgelöste SPD-Bürgermeister Holger Tschense war 57 Mal ohne
Fahrerlaubnis Auto gefahren. Zudem soll er Mitarbeiter des
Ordnungsamtes angehalten haben, um eigene Ordnungswidrigkeiten und
die von Freunden nicht zu ahnden, was sich allerdings nicht
nachweisen ließ. Gleichwohl mutet es im Fall Klockzin befremdlich
an, dass man sich bei der LWB erst zum Handeln veranlasst sah,
nachdem „Bild Leipzig“ über die Fälscherstory berichtet hatte. Mit
Hinweis auf laufende Prüfungen verweigert die LWB jede
Stellungnahme.
Unklar bleibt deshalb auch, welche Schritte man im Jahr 2000
einleitete, als ungeheure Vorwürfe laut wurden. Bei ihrer
Vernehmung gaben Mädchen aus dem früheren Kinderbordell „Jasmin“
an, Klockzin sei dort Stammkunde gewesen. Die Aussagen mündeten
jedoch nicht in eine Anklage. Das gibt zu Spekulationen Anlass.
Denn in Verbindung mit dem illegalen Etablissement soll angeblich
einst auch der frühere Leipziger Oberstaatsanwalt Norbert Röger
gestanden haben. Gegen den aus Koblenz stammenden Juristen, der
inzwischen als Präsident dem Amtsgericht Chemnitz vorsteht und der
sich zu den Vorwürfen nicht äußert, läuft in diesem Zusammenhang
ein Disziplinarverfahren.
„Im ‚Jasmin’ gaben sich damals hochrangige Persönlichkeiten die
Klinke in die Hand.“
Das illegale Bordell in der Merseburger Straße 115, in das
Minderjährige aus Tschechien verschleppt worden sein sollen, wurde
im Januar 1993 von einem Sondereinsatzkommando der Polizei gestürmt
und geschlossen. Der frühere Betreiber, der rechtskräftig
verurteilte Michael W., sagte Mitte Mai in einem Interview: „Im
‚Jasmin’ gaben sich damals hochrangige Persönlichkeiten die Klinke
in die Hand.“ Er sei noch im Besitz belastender Videoaufnahmen:
„Die sind meine Lebensversicherung und befinden sich an einem
geheimen Ort.“ Sollte es dieses Material tatsächlich geben – es
würde sich um bedeutende Beweismittel handeln. Doch bislang ist
nicht bekannt geworden, dass die Fahnder versucht hätten, in den
Besitz der brisanten Videos zu kommen.
Der städtische Manager Klockzin jedenfalls wird mittlerweile
zusätzlich von seiner ehemaligen Sekretärin Karin Christen
belastet. Die Anschuldigungen der Frau, die bei der Polizei
aussagte und in der ARD auftrat, nannte Klockzin kurz vor seiner
Ablösung „abartig und unwahr“. Durch die Aussagen der Mädchen
wiederum ist laut Klockzin ein „falscher Verdacht“ entstanden. Er
habe nie „eine minderjährige Freundin oder intime Beziehungen zu
Minderjährigen“ gehabt.“
Zudem will Klockzin während seiner nun zu Ende gegangenen Zeit bei
der LWB nie eigenmächtig Immobilien veräußert haben. Solche
Entscheidungen habe stets durch fünfköpfiges Gremium getroffen.
Dieses Verfahren sei auch bei jenem Objekt eingehalten worden, das
1994 der Auslöser für das tragische Attentat war.
Zum Verkauf stand damals ein schmuckes Eckhaus unweit des
Stadtzentrums in der Riemannstraße 52. Die beiden Makler aus
Süddeutschland hatten für die Immobilie 680.000 Mark geboten. Den
Zuschlag erhielt die Rechtsanwältin Sieglinde Buchner-Hohner, die
mit dem damaligen Vizepräsidenten des Landgerichts, Jürgen
Niemeyer, liiert war – und zwar für 345.000 Mark. Rein rechnerisch
war das für die LWB ein herbes Verlustgeschäft.
Es heißt, ausschlaggebend sei das bessere Konzept gewesen. Die
Erwerberin habe das Haus altersgerecht sanieren wollen. Doch
altersgerechte Wohnungen gibt es in der Riemannstraße 52 nicht.
http://news.de.msn.com/politik/Article.aspx?cp-documentid=5266165#toolbar
schrieb am 19.01.08 18:10:44
siehe auch:
Korrupter Staatsanwalt besuchte Kinderbordell ( Leipzig )
Thread: Korrupter Staatsanwalt besuchte
Kinderbordell ( Leipzig )
schrieb am 22.01.08 16:47:15
21.01.2008 / Inland / Seite 2
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»Da müssen jetzt dringend Konsequenzen gezogen werden«
Neue Bewegung im Sachsen-Skandal: Exprostituierte identifizierten
hohe Richter als »Freier«. Ein Gespräch mit Klaus Bartl
Peter Wolter
Klaus Bartl ist rechtspolitischer Sprecher der Linksfraktion im
sächsischen Landtag und Vorsitzender des Untersuchungsausschusses
zur Aufklärung der Korruptionsaffäre, in die hohe Beamte, Juristen
und Politiker verwickelt sein sollen
In die sächsische Korruptionsaffäre scheint wieder Bewegung zu
kommen. Nachdem die Landesregierung versucht hatte, den
parlamentarischen Untersuchungsausschuß nicht nur zu behindern,
sondern auch als Farce darzustellen, bringt der am heutigen Montag
erschienene Spiegel neue Details. Kannten Sie diese
Einzelheiten?
Ja, die kannte ich. Ich wußte, gegen wen die beiden ehemaligen
Prostituierten vor der Staatsanwaltschaft aussagen würden: Gegen
einen Richter des Landgerichts Leipzig, einen
Amtsgerichtspräsidenten und einen früheren Vorsitzenden Richter am
Dresdner Oberlandesgericht – Vizepräsident war der sogar. Diese
drei sollen in dem Bordell, in dem die beiden Frauen arbeiteten,
die Dienste Prostituierter in Anspruch genommen haben. Dieses
Etablissement dürfte aber der Schlüssel für spätere Abhängigkeiten
vom Rotlichtmilieu sein.
Dem Untersuchungsausschuß liegen die Akten mit diesen Erkenntnissen
seit langem vor – allerdings hat sich die CDU bislang geweigert,
sie in das Verfahren einzuführen. Sie war auch dagegen, mehrere
Anwälte als Zeugen zu hören, die das von sich aus angeboten
hatten.
Sie stehen seit langem an erster Stelle, wenn es darum geht, diese
Korruptionsaffäre aufzuklären. Die CDU hat Sie ziemlich übel
beschimpft – wie sind Sie damit umgegangen?
Die Angriffe habe ich immer mehr oder weniger gelassen hingenommen,
weil ich ja genau weiß, worum es geht. Es war ja nicht so, wie die
Landesregierung es darstellt, daß sich ein, zwei durchgeknallte
Polizisten gemeinsam mit drei, vier überambitionierten
Verfassungsschützern nur etwas ausgedacht haben. Ich habe
ausführlich mit Zeugen gesprochen, habe die mir zugänglichen Akten
der Justiz und der Polizei gründlich studiert. Das Material liegt
ja auch dem Ausschuß vor – aber wurde, wie gesagt, nicht einmal zur
Kenntnis genommen.
Wie geht es jetzt weiter? Haben sich nicht diejenigen strafbar
gemacht, die versucht haben, diese im Prinzip bekannten Details zu
unterdrücken?
Ich habe immer gesagt, daß ich von der Lauterkeit der von der
Landesregierung eingesetzten Sonderermittler so lange nicht
überzeugt bin, wie man nicht die Originalzeugen hört. Ich kann
nicht verstehen, wie man behaupten kann, der Verfassungsschutz habe
sich etwas ausgedacht, wenn diese Zeugen nicht zur Kenntnis
genommen werden! Die sind jetzt gehört worden – aber es stellt sich
die Frage, ob durch diese Verzögerung nicht auch die Verjährung z.
B. für Kinderprostitution eingetreten ist. Es ist doch ein
Riesenskandal, daß zwei der erwähnten Juristen heute noch täglich
in Gerichtssälen Recht sprechen. Da müssen jetzt dringend
Konsequenzen gezogen werden.
Das heißt, Sie fordern die sofortige Suspendierung dieser
beschuldigten Juristen?
Das, was ich dem Spiegel entnehme, ist wesentlich mehr als nur ein
Anfangsverdacht. Der Jurist nennt das gemeinhin »dringender
Tatverdacht«. Jeder Polizist, der in einer Kaufhalle Angelzubehör
mitnimmt, wird sofort suspendiert. Dieser moralische Anspruch muß
noch viel stärker bei Richtern gelten.
Was geschieht jetzt im Untersuchungsausschuß? Kommt neue Dynamik
hinein?
Am Donnerstag findet, wie von meiner Fraktion beantragt, eine
Sondersitzung statt. Darin wird entschieden, ob ich als
Vorsitzender auch gegen den Willen der Mehrheit Zeugen laden kann –
von der Verfassung her bin ich dazu nämlich verpflichtet. Und unter
dem Aspekt dieser neuen Sachverhalte muß sich der Ausschuß einfach
bewegen.
Generalbundesanwältin Monika Harms hatte es abgelehnt, die
Ermittlungen zu übernehmen. Ist sie jetzt in Zugzwang geraten?
Frau Harms hatte das seinerzeit abgelehnt – sie kannte aber
lediglich drei, vier Prozent der Akten. Sie müßte auf Basis der
neuen Ergebnisse noch einmal prüfen, ob sie nicht doch die
Ermittlungen an sich zieht.
http://www.jungewelt.de/2008/01-21/052.php
schrieb am 24.01.08 22:53:40
23. Januar 2008, 15:59 Uhr
Von Uwe Müller
Justiz-Affäre
Bordell-Enthüllung schockiert Sachsen
Die Staatsanwaltschaft Dresden ermittelt in den eigenen Reihen.
Drei ranghohe Justizangehörige werden beschuldigt, in einem Bordell
mit Minderjährigen verkehrt zu haben. Der Betreiber des Bordells
kam mit einem milden Urteil davon. Möglicherweise saß ein
ehemaliger Kunde auf der Richterbank.
Vor einem halben Jahr erklärte Sachsens Ministerpräsident Georg
Milbradt (CDU) eine Affäre, die ganz Deutschland erschüttert hatte,
für beendet. „Heiße Luft“ nannte er Vermutungen, in seinem
Freistaat könnten Justizangehörige, Immobilienmanager und
Bordellbetreiber kriminelle Netzwerke gebildet haben. Dabei hatten
ausgerechnet Landesverfassungsschützer das behauptet, was Milbradt
seinerzeit als „Fehlleistung“ abkanzelte.
Weiterführende links
* Eigene Partei verärgert über Milbradt
* Milbradt verpasst den Abschied in Würde
* Milbradt will nicht wegen SachsenLB zurücktreten
* Georg Milbradt ist nicht mehr zu halten
* Drei CDU-Minister müssen gehen
* Landes-CDU bestätigt Milbradt als Parteichef
* Milbradt wusste von Risiko-Geschäften
* Sachsen bleibt auf Schulden-Risiken sitzen
* Sächsische NPD überholt erstmals die SPD
* Will de Maizière Milbradt beerben?
Die Entwarnung kam womöglich zu früh. In die Affäre, die keine
gewesen sein soll, kommt Bewegung - durch die Staatsanwaltschaft
Dresden. Ihr liegen Zeugenaussagen vor, die in der Behörde ernst
genommen werden. Danach sollen drei ranghohe Angehörige der
sächsischen Justiz im Leipziger Bordell „Jasmin“ ein- und
ausgegangen sein. Dort mussten Kinder und Jugendliche im Alter
zwischen 13 bis 19 Jahren anschaffen, einige unter Zwang.
Das ist zwar lange her, das „Bordell der Mädchen“ wurde schon 1993
von der Polizei ausgehoben. Aber merkwürdiger Weise kamen die
Freier ungeschoren davon. Um sie kümmert man sich offenbar erst
jetzt mit gebotenem Nachdruck. Stundenlang wurden ehemalige
„Jasmin“-Prostituierte in den zurückliegenden Tagen von den
Dresdner Ermittlern befragt. Das Ergebnis: Der eigene Berufsstand
könnte verwickelt sein.
Die drei unter Verdacht stehenden Juristen – und das macht die
Sache heikel – waren in ihren früheren Funktionen mit Fällen
befasst, die Bezüge zum Leipziger Rotlichtmilieu aufwiesen. Einer
von ihnen, heute Anwalt außerhalb Sachsens, leitete einst als
Vorsitzender Richter sogar den Prozess gegen den
„Jasmin“-Betreiber. Der Angeklagte, der Mädchen brutal geschlagen
und gewaltsam in sein Bordell zurückgeholt hatte, kam im Februar
1994 mit einer Freiheitsstrafe von vier Jahren davon. Ein recht
mildes Urteil, das viele verwunderte. Der Bordellbetreiber selbst
sprach später öffentlich von einem Deal.
Jetzt droht die "moralische Katastrophe"
Sollte sich tatsächlich nachweisen lassen, dass der ehemalige
Richter selbst Kunde im „Jasmin“ war, wäre das für die Justiz im
Freistaat, wie es ein Staatsanwalt formuliert, „eine moralische
Katastrophe“. Der ehemalige Richter hat allerdings in einem
Zeitungsbericht alle Vorwürfe von sich gewiesen.
Im Zusammenhang mit der sogenannten Korruptionsaffäre gelten auch
Entscheidungen, an denen die beiden anderen Juristen früher
beteiligt waren, als höchst fragwürdig. Sollte es möglich sein,
dass bei Straftaten weggesehen und Recht gebeugt worden ist? Dann
wäre das Vertrauen der Bürger in die Justiz erschüttert. Ein
Supergau.
Freilich ist nichts bewiesen. Auch die beiden Juristen bestreiten
alle Vorwürfe. Einer von ihnen, ein ehemaliger Staatsanwalt,
bestätigte, dass gegen ihn wegen des Verdachts des sexuellen
Missbrauchs von Kindern, der Verbreitung pornografischer Schriften,
Strafvereitelung im Amt und wegen Verletzung von Dienstgeheimnissen
ermittelt wird. Die Vorwürfe seien aber „allesamt falsch und eine
Lügengeschichte“. So sei er erst drei Wochen vor Schließung des
Bordells nach Leipzig gekommen – und zwar „mit meiner langjährigen
Lebensgefährtin“.
Ein schneller Verfahrensabschluss wird nicht erwartet
Wie stets gilt die Unschuldsvermutung. Allerdings haben die
„Jasmin“-Mädchen bei ihrer Befragung mit detaillierten
Schilderungen überzeugt. Eines von ihnen hat einem Anwalt
anvertraut, der Richter, der später den Bordellbetreiber
verurteilte, habe sie etwa sieben Mal besucht, sich „Ingo“ genannt,
sei nicht sehr freundlich gewesen, wollte stets „grob anfassen“ und
„härteren Sex“. Der ehemalige Richter, der das bestreitet, spricht
von einer „Hexenjagd“.
Die Staatsanwaltschaft Dresden, in der gut ein Dutzend Kollegen mit
der Affäre beschäftigt sind, stört es, dass Details über ihre
Arbeit wie die Zeugenbefragung nach draußen dringen. „Wir bleiben
bei unserer Linie, dass wir nichts sagen“, erklärt Sprecher
Christian Avenarius. Dann sagt er doch etwas: „Wer auf einen
schnellen Verfahrensabschluss hofft, ist zu optimistisch.“
Vermutlich würden die Ermittlungen „noch mehrere Monate“ andauern.
Das klingt eher nicht nach jener Pfütze, zu der Ministerpräsident
Milbradt den „Sachsen-Sumpf“ herabgestuft hat.
Immerhin elf Prüfvorgänge und 19 Ermittlungsverfahren gegen
mindestens acht geheim gehaltene Beschuldigte sind mittlerweile
anhängig. So wird nach Recherchen von WELT ONLINE ein weiteres
Verfahren wegen „des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von
Kindern“ (Aktenzeichen: 900Js33979/07) geführt wegen „des Verdachts
des sexuellen Missbrauchs von Kindern“. Beschuldigter ist ein
ehemaliger Manager der städtischen Leipziger Wohnungsgesellschaft
LWB, der schon im vergangenen Jahr erklärt hatte: „Ich war nie in
einem Kinderbordell oder dergleichen.“
"Ingo" spielt eine Schlüsselrolle
Jedenfalls hatte der LWB-Manager, eine der vielen merkwürdigen
Querverbindungen in diesem Fall, einst gute Beziehungen zu einer
Anwältin, die Lebensgefährtin des Richters ist, der „Ingo“ gewesen
sein soll. Diese Anwältin, die Anfragen von WELT ONLINE
unbeantwortet ließ und im vergangen Jahr Strafanzeige gestellt hat,
weil sie sich verleumdet fühlt, gereichte der Kontakt zu dem
LWB-Manager nicht zum Nachteil. Sie erhielt von dem Leipziger
Kommunalbetrieb Mitte der 90er Jahre ein Gründerzeithaus zum Preis
von 345.000 D-Mark, obwohl andere Interessenten 680.000 D-Mark
geboten hatten. Der LWB-Manager sagt, alle Immobiliengeschäfte
mussten von den Gremien gebilligt werden.
Schlagworte
Sachsen Bordell Affäre Justiz Richter Georg Milbradt
Der LWB-Manager vermittelte der Lebensgefährtin des ehemaligen
Richters einen Mandanten, der ein Haus kaufen wollte, und schon
alle Eigentumsrechte geklärt glaubte, bis sich die LWB unverhofft
quer stellte. Die Anwältin verlangte ein happiges Erfolgshonorar
von 25.000 D-Mark von dem Mann; der zunächst auch zahlen wollte.
Allerdings platzte ihm der Kragen, als die Anwältin zusätzlich
Mehrwertsteuer und sonstige Kosten in Rechnung stellte. Die Sache
ging vor Gericht – und zwar vor das Gericht, wo der Lebensgefährte
der Anwältin, der mutmaßliche „Ingo“, eine hohe Position
bekleidete. An dem Urteil selbst war der ehemalige Richter nicht
beteiligt. Die Lebensgefährtin siegte in dem Rechtsstreit und hätte
beinahe die opulente Summe kassieren können - wenn die Sache nicht
zum Dresdner Oberlandesgericht gegangen wäre, wo das Leipziger
Urteil nach allen Regeln der Kunst zerpflückt wurde.
Schon im Jahr 2000 war der LWB-Manager von „Jasmin“-Mädchen als
Kunde identifiziert worden, was er selbst in Abrede stellt. Zu
einer Anklage kam es nicht. Auf Lichtbildern hatten die ehemaligen
jugendlichen Prostituierten auch zwei Immobilienhändler aus
Süddeutschland wiedererkannt. Das blieb ohne erkennbare Konsequenz.
Diese Geschäftsmänner hatten zwielichtige Gestalten damit
beauftragt, dem LWB-Manager, von dem sie sich betrogen fühlten,
eine „Abreibung“ zu verpassen. Das wäre beinahe tödlich
ausgegangen.
Viele Straftaten sind bereits verjährt
Es fielen Schüsse und der LWB-Manager musste in einer Notoperation
gerettet werden. Der Attentäter und seine Anstifter wurden zu
Haftstrafen zwischen zwölf Jahren und lebenslang verurteilt – an
den Verfahren beteiligt war ein Richter, der von den
„Jasmin“-Mädchen nun ebenfalls als Kunde belastet wird, was er
bestreitet. Die Hintermänner des Anschlags, die beiden
Immobilienhändler aus Süddeutschland, kamen hingegen mit einer
Verfahrenseinstellung davon – gegen Zahlung eines geringfügigen
Betrags von je 2500 Mark an die Opferorganisation „Weißer
Ring“.
Die eigenartigen Verflechtungen, die allesamt in Verbindung mit dem
„Jasmin“ stehen könnten und jede Menge Stoff für Spekulationen über
eine erpressbare Justiz in Leipzig liefern, bringen Sachsens
Justizminister Geert Mackenroth (CDU) nicht in Wallung. Dass nach
den jüngsten Zeugenaussagen drei ranghohe sächsische Juristen in
diesem Bordell verkehrt haben könnten, hat er, sollten die Vorwürfe
überhaupt zutreffen, jetzt als mutmaßliche „Einzelfälle“
bezeichnet. Das dürfte ganz im Sinne seines Ministerpräsidenten
gewesen sein. Keine Auskunft hat Mackenroth darüber gegeben, warum
die Justiz nicht vor Jahren schon so konsequent ermittelte, wie das
nun offenbar geschieht.
Genau darin liegt, trotz der eifrigen Dresdner Staatsanwälte, das
eigentliche Problem. Fast alle Straftaten sind mittlerweile
verjährt. Deshalb können mutmaßliche Straftäter womöglich überhaupt
nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden. Ausgenommen ist allein
der sexuelle Missbrauch von Kindern. Im „Jasmin“ war seinerzeit nur
ein Mädchen jünger als 14 Jahre. Der Aufklärung sind daher enge
Grenzen gesetzt. Und Milbradt wird deshalb weiter behaupten können:
„Heiße Luft“.
http://www.welt.de/politik/article1586470/Bordell-Enthuellung_schockiert_Sachsen.html
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