Chinesiche Investoren
Australien sorgt sich um Rohstoffkontrolle 

11:45:31 Uhr - 05.02.2008 Von Urs Wälterlin und Dirk Heilmann
Der überraschende Eintritt Chinas in den Übernahmekampf um den
Bergbaukonzern Rio Tinto stellt Australiens Regierung vor
politische Probleme. Denn während der Staatskonzern Chinalco
mit Macht in das Unternehmen drängt,
reagieren die Bevölkerung
und die bisherigen Abnehmer australischer Rohstoffe mit
Skepsis.
CANBERRA/LONDON. Der überraschende Eintritt Chinas in den
Übernahmekampf um den Bergbaukonzern Rio Tinto stellt Australiens
Regierung vor politische Probleme.
Der anglo-australische Branchenprimus BHP Billiton beabsichtigt,
den Konkurrenten für 120 Mrd. Dollar zu übernehmen
und muss bis
zum morgigen Mittwoch ein bindendes Kaufangebot vorlegen.
Doch der neue chinesische Großaktionär könnte BHP einen Strich
durch die Rechnung machen. 
Noch weicht Premierminister Kevin Rudd Fragen aus, wie er sich zum
Einstieg des staatlichen chinesischen Aluminiumgiganten Chinalco
bei Rio Tinto stelle.
Chinalco hat neun Prozent des Konzerns
direkt von Aktionären erworben. Der Kauf unterliege "normalen
Prozessen unter australischem Recht", sagte der im November an die
Macht gekommene sozialdemokratische Regierungschef, der als
Sinologe China kennt und Mandarin spricht.
Chinalco hat gemeinsam mit dem US-Aluminiumproduzenten Alcoa 14
Mrd. US-Dollar für den Anteil bezahlt. Damit gelingt es den
Chinesen zwar noch nicht, die Übernahmehoffnungen von BHP Billiton
zunichte zu machen.
Die Tatsache aber, dass Chinalco-Chef Xiao
Yaquing am Sonntag nach Australien flog und bei der Aufsicht für
ausländische Direktinvestitionen einen Kaufantrag einreichte, zeigt
die politischen Sensibilitäten. Yaquings Antrag ist freiwillig:
Die staatliche Aufsichtsbehörde muss erst genehmigen, wenn
Ausländer mehr als 15 Prozent an einer australischen Firma kaufen
wollen.
Generell steht die australische Regierung Übernahmen durch
ausländische Investoren positiv gegenüber.
Zuletzt genehmigte
die Aufsicht der chinesischen Metallhandelsfirma Sinosteel eine
Beteiligung von 19,9 Prozent am Eisenerzkonzern Midwest. Doch
es gab auch Verbote: So ließ der damalige Schatzkanzler Peter
Costello kurz vor den Wahlen 2001 einen Antrag des Ölmultis Shell
auf Übernahme der australischen Woodside Petroleum abblitzen.
Ein Antrag von Chinalco oder einem von chinesischen Interessen
geführten Syndikat für den Kauf der gesamten Rio-Tinto-Gruppe aber
- wie ihn Beobachter für durchaus möglich halten - wäre eine
fundamentale politische Herausforderung.
China hätte dann auf
einen Schlag die Kontrolle über die immensen Eisenerzvorkommen von
Rio Tinto in Westaustralien, Kohleminen im Bundesstaat New South
Wales sowie über die Ranger-Uranmine im Northern Territory
gewonnen. Auf wenig Begeisterung stoßen würde eine derartige
Entwicklung bei den anderen Abnehmern australischer Rohstoffe wie
den Stahlkonzernen in Südkorea und Japan.
Das größte Problem für Rudd wäre aber die australische Bevölkerung.
Während BHP Billiton nach wie vor als australisches Unternehmen
gilt - obwohl die Firma schon seit längerem größtenteils von London
aus geführt wird -
stehen Australier dem wachsenden Einfluss der
Chinesen generell skeptisch bis ablehnend gegenüber. 

China sucht seit Jahren in Australien nach Möglichkeiten, seinen
hohen Bedarf an Rohstoffen direkt zu decken. Nach jüngsten
Meldungen sollen der Staatsfonds China Investment und die Shenhua
Group in Beteiligungsgesprächen mit Fortesque Metals stehen.
Fortesque ist nach Rio Tinto und BHP Billiton der drittgrößte
australische Eisenerzproduzent.
Die China Development Bank
schließlich prüft britischen Medienberichten zufolge auch eine
Beteiligung an dem in der australischen Kohleindustrie besonders
starken Schweizer Konzern Xstrata. Damit wolle sie eine Übernahme
von Xstrata durch den brasilianischen Erzgiganten Vale
verhindern. 


Am Montag gelang der China Development Bank ein weiterer
wichtiger Schritt: Sie schloss eine strategische Partnerschaft mit
dem britisch-südafrikanischen Rohstoffriesen Anglo
American.
Die Partner wollten langfristig bei der Entwicklung neuer
Bergbauprojekte in China und Afrika zusammenarbeiten, teilte Anglo
American mit.
In Firmenkreisen hieß es, dass die Unternehmen
bereits über eine Reihe konkreter Produkte sprächen. Anglo American
ist die dominierende Kraft im afrikanischen Minengeschäft, an dem
China seit Jahren ein wachsendes Interesse zeigt.
Der Konzern könnte außerdem technologisches Wissen in die
chinesische Bergbauindustrie einbringen. "Diese Allianz bringt uns
in eine viel bessere Position, um Geschäfte in der Rohstoffbranche
zu machen", sagte Chen Yuan, der Gouverneur der Bank.