Antwort auf Beitrag Nr.:
41.667.610 von Marchella am 19.06.11
13:38:13hier eine klasse zusammenfassung!!!!!
Interessant finde ich, dass weiterhin die Zahl der Leser recht hoch
ist, obwohl wir selbst aus den Top 50 der meistdiskutiertesten
Aktien herausgeflogen sind.
Zumindest ist die Öffentlichkeit, gleich ob noch zaudernd oder die
letzten Tage (ex post) zu teuer eingestiegen, deutlich
gestiegen.
Es wird zwar viel über die Ansprüche gegen Comerica geredet, der
Teufel steckt aber wie immer im Detail:
I.) Was ist die Grundlage für die Forderungen:
Filmfinanzierungen aus den Jahren um 2000:
Filmproduzent waren Franchise/Elie Samaha
Rechteerwerber, i.d.R. weltweit ohne USA war Intertainment
Finanzierende Bank war insbesondere die Imperial Bank, die später
von Comerica übernommen wurden.
II.) Wie war der Betrug aufgebaut (Beträge Exemplarisch):
Franchise war "großzügig" bei der Berechnung der Filmbudgets und
machte den Fehler zwei Budgets für einige Filme zu erstellen (ein
cleverer Betrug über Scheinrechnungen wäre m.E. gar nicht
nachweisbar gewesen.)
Die wirklichen Kosten betrugen z.B. 20 Mio. $, darüber gab es ein
"real-Budget" gegenüber ITN wurde ein Budget von z.B. 30 Mio. $
vorgelegt, welches Basis für die vereinbarten Kaufpreise des
Filmrechts war. Die Zahlung des Kaufpreises erfolgte in zwei Raten.
Die erste bei z.B. Produktionsgeginn, die zweite bei Lieferung des
fertigen Films.
Dieser Betrug, der seitens Franchise ursprünglich bestritten, bzw.
eine Mitwisserschaft des damaligen VV Baeres unterstellt wurde,
wurde 2004 rechtskräftig durch Geschworenenurteil festgestellt. Der
Schaden auf etwa 70 Mio. $ beziffert zusätzlich mit Zinsen, Kosten
und "normalen" Strafzahlungen insgesamt 121 Mi $, von denen ITN
nach Insolvenz Franchise gerade mal 3 Mio § erhalten konnte; im
Vorfeld gab es durch Vergleiche etwa 2 Mio. EUR von verschiedenen
Co-Finanzierern. Rico-Claim-Zahlungen (Stichwort: organisiertes
Verbrechen)wurden vom Gericht nicht festgesetzt.
III.) Wie kommt nun Comerica ins Spiel:
Als finanzierende Bank hat Comerica anscheinend nicht nur das
"real-Budget" von 20 Mio. $ aus obigen Beispiel finanziert sondern
den kompletten Betrag des überhöhten Budgets von 30 Mio. $. Macht
eine Bank natürlich nur gegen entsprehende Sicherheiten im hiesigen
Fall Verpfändung/Übereignung der globalen Filmrechte, entsprechende
Sicherheitenverträge wirken auch gegen ITN, als Erwerber der nicht
US-Rechte.
Und hier kommt der Knackpunkt für den Juristen:
a) Wusste Imperial/Comerica, dass die Budgets überhöht sind, und
dass ITN betrogen wird so wären wir bei Stichwort Vorsatz.
b) Hätte Imperial bei Prüfung der Budget-Unterlagen als Spezialist
Filmfinanzierungen anhand z.B. von Kennzahlen erkennen müssen
(Jeder Mittelständler wird über Kennzahlen geratet), dass die
Budgets verfälscht sind, wären wir bei grober Fahrlässigkeit, da
die Bank ihren Sorgfaltspflichten in erheblichem Maß nicht
nachgekommen ist.
c) Ist Comerica ihren Sorgfaltspflichten in geringem Umfang nicht
nachgekommen, wären wir nur bei leichter Fahrlässigkeit.
d) Comerica trifft keine Schuld.
Folge dieser unterschiedlichen Bewertungen des Grades der Mitschuld
sind von Comerica u.U. zu zahlende Strafzahlungen.
Wesentlicher ist jedoch die Frage der Hauptforderung:
Für unseren o.g. Beispiel-Film hat ITN z.B. die Hälfte des
überhöhten Kaufpreises von 30 Mio. $, nämlich 15 Mio. $ in die USA
überwiesen, entweder direkt an Franchise oder indirekt an Imperial,
die bereits vorfinanziert hatten. Weitere 15 Mio. $ hat Imperial an
Franchise an Kredit gegeben.
BUMMMM !! Der Budgetbetrug kommt ans Tageslicht.
ITN weigert sich die 2 Rate über 15 Mio $ zu zahlen, da man
inzwischen Kenntnis der real-budgets erhalten hat.
Imperial/Comerica hat aber noch einen Kredit von 15 Mio $ offen,
aber der ist ja über die Filmrechte besichert. Elie Samaha et al.
führen derweil mit den ergaunerten 10 Mio $ ein mehr als angenehmes
Leben und schaffen es sich (m.E. auch durch
Vermögensverschiebungen) soweit zu entreichern, dass bei Ihnen im
Insolvenzverfahren nur wenig zu holen ist. Meines Wissens bis heute
ungeklärt wohin das ganze Geld versickert ist.
Und da ITN nicht zahlt, wertet Comerica einfach selbst die Filme
aus; aus den Erlösen können die Kredit zurückgezahlt werden.
Fertig?
Halt, Stopp ruft ITN gedanklich mit bösem Gesicht:
Bei den komplett abgewickelten Filmen (vor Bekanntwerden des
Budgetsbetrugs) konnte ITN trotz Zahlung des kompletten überhöhten
Kaufpreises von 30 Mio. § immer noch Auswertungserlöse von 40 Mio.
§ und somit einen Gewinn von 10 Mio $ erzielen. Und selbst wenn
Comerica weniger erlöst hätte, so betrug die Restdarlehensschuld
doch nur 15 Mio. $.
Wo ist also der überschiessende Betrag geblieben, Comerica hat
ursprünglich die Offenlegung der Auswertungserlöse abgelehnt, dies
dürfte im Beweiserhebungsverfahren inzwischen festgestellt worden
sein, wegen vereinbarter Vertraulichkeit darf ITN hierüber jedoch
nicht reden.
Wenn man jetzt eine Betrachtung für diesen Einzelsachverhalt im
Szenario d) keine Teilschuld Comerica vornimmt, dann käme man zu
folgendem Ergebnis:
1.) Comerica ist genauso als kreditgebende Bank wie ITN als Käufer
der Filmrechte von Franchise betrogen worden.
2.) ITN ist verpflichtet die ausstehende 2. Rate zu zahlen, wie
dies im Kauf-/Sicherheitenvertrag vereinbart war (pacta sunt
servanda).
3.) Im Gegenzug stehen ITN die bislang von Comerica einbehaltenen
Auswertungserlöse zu, die selbst in dieser Worst-Case Betrachtung
laut Angaben letzter Geschäftsbericht (und da war die
Beweiserhebung weitestgehend abgeschlossen) höher sein sollen als
die ausstehenden Raten, unbekannt ist für uns die eventuelle
Tatsache falls Comerica die Rechte für z.B. 10 Mio. $ verramscht
hätte, aber auch hier gelten die Grundsätze der Szenarien a bis d
was vorsätzliche/fahrlässige Pflichtverletzungen angeht.
Bei den Szenarien c,b und a wären die von ITN zu leistenden Zahlung
entsprechend geringer, die (Straf-)Zahlungen Comericas entsprechend
höher.
IV. Das bedeutet, dass die hier umlaufenden, auf den ersten Blick
hohen Summen nicht aus der Luft gegriffen sind.
Da es sich ja nicht nur um eine, sondern mehrere Filmfinanzierungen
handelt, summieren sich die Einzelbeträge. Meines Erachtens bester
Anhaltspunkt sind die 70 Mio. $ Schaden die bereits 2004 durch ein
Geschworenengericht festgestellt wurden, rechtskräftig. Hinzu kamen
schon damals 50 Mio. $ Zinsen, Kosten, Strafzahlungen.
In den Szenarien a) und b) dürfte Comerica mit haftbar sein, da Sie
in den Betrug involviert waren (daher wird Comerica auf jeden Fall
ein derartiges Schiedsurteil durch stillschweigenden Vergleich a la
Apple/Nokia verhindern.
In den Szenarien c) und d) wäre die Folge eine Abwicklung der
Verträge, die entsprechenden Auswertungsüberschüsse plus nunmehr
Zinsen für 10 Jahre decken meines Erachtens auch eine Aktienkurs
von 2 bis 3 Euro (ohne Sightsound-Bewertung).
V. Man kann jetzt einwenden, Comerica sei eine anständige Bank und
ohne Grund würden die nicht ein so langes Verfahren führen.
Demgegenüber steht die Tatsache, dass man sich bereits in
Vergleichsverhandlungen nach Franchise-Urteil schon recht nah war,
ITN angesichts des erlittenen Unrechts aber wohl zuviel wollte.
Taktik von Comerica war anchließend die immer weitere Verzögerung
des Verfahrens (natürlich nur zur Wahrheitfindung) mit dem
eleganten Nebeneffekt ITN auszubluten.
Schärfstes Schwert war die vom Schiedsgericht festgesetzte
Durchsicht des gesamten ITN e-mail-Verkehrs (im
Schwurgerichtsprozess konnte ITN dies noch vermeiden), mit dem
Comerica die Mitwisserschaft von Baeres oder anderen führenden MA
von ITN beweisen wolte um sich selbst zu exculpieren.
Und da MK immer noch bereitwillig ITN finanziert, gehe ich mal
davon aus, dass man auch in drei Jahren e-mail-Durchsuchung nichts
Substanzielles gefunden hat.
Dies war ein vereinfachter Überblick, in Wahrheit ist alles noch
koplizierter, entschuldige mich bei denen, die jetzt aus
juritischer Sichtweise ein wenig blind geworden sind; sogar wenn es
Juristen sind )
sláinte
midleton