15.02.08
Warren Buffett setzt auf Nahrungsmittelwerte
Kraft - die Marke ist kaum zu übersehen
15. Februar 2008 Der Boom im Agrarsektor ist angesichts der
steigenden Preise an den Terminbörsen aber auch an den Ladentheken
nicht mehr zu übersehen. Er dürfte noch eine Weile anhalten, denn
steigende Kosten führen bei Anbauern und Verarbeitern dazu, dass
sie dazu gezwungen sind, die Preise dauerhaft hoch zu halten, da
sie sonst nicht mehr rentabel arbeiten könnten.
Das dürfte problemlos möglich sein, denn während die Konsumenten
bei anderen Produkten verzichten oder ausweichen können, ist eine
ausreichende und womöglich auch noch gesunde Ernährung unabdingbar.
Aus diesem Grund ist die Nachfrage relativ unelastisch, wie hoch
der jeweilige Preis auch sein mag. In diesem Sinne sind Wertpapiere
von Nahrungsmittelunternehmen eine relativ sichere Wette für
Anleger, sofern die Unternehmen solide bewirtschaftet werden.
Kraft - bekannte Marken, robuste Branche
So dürfte es kaum verwundern, dass der bekannte Anleger Warren
Buffett mit seiner Investmentholding Berkshire Hathaway seine
Beteiligung am Lebensmittelriesen Kraft Foods aufgestockt hat und
nun mit einem Anteil von 8,6 Prozent am Aktienkapital der größte
Einzelaktionär des zweigrößten Nahrungsmittelkonzerns der Welt
wurde. Der Hersteller von Jacobs-Kaffee, Milka-Schokolade und
Philadelphia-Frischkäse ist seit März des Jahres 2007 unabhängig.
Vorher befand sich der Konzern im Mehrheitsbesitz der Altria Group,
zu der auch der Zigarettenriese Philip Morris gehört.
Institutionelle Anleger halten das Engagement bei Kraft für viel
versprechend. Kraft verfüge über ein Portfolio von Kultmarken, das
Management sei jedoch lange Zeit vernachlässigt worden, sagte Tom
Russo, Partner beim amerikanische Vermögensverwalter Gardner Russo
& Gardner der Nachrichtenagentur Bloomberg. Wenn die Marken gut
geführt würden - und daran werde gerade gearbeitet - werde sich das
beim Ertrag positiv bemerkbar machen, erklärte er weiter.
Zum Börsenkurs
Die 132,4 Millionen Kraft-Aktien, die Berkshire am Jahresende
hielt, haben derzeit einen Wert von etwa 3,9 Milliarden Dollar oder
umgerechnet 2,66 Milliarden Euro. Berkshire hat seine Beteiligung
an Kraft im vergangenen Jahr stetig aufgestockt. „Warren Buffett
hat seinen Spaß“, erklärte Fondsmanager Frank Betz von Carret Zane
Capital Management in New Jersey. „Er schaut sich immer um, aber
jetzt kann er Unternehmen, die seinen Maßstäben genügen, zum
Schnäppchenpreis kaufen.“
Aktie ist vernünftig bewertet - solide Ausschüttungsquote
Der Aktienkurs von Kraft ist in den vergangenen zwölf Monaten trotz
der im Trend stetig steigenden Umsätze und einer robusten
Gewinnentwicklung etwa 15 Prozent gefallen. Mit
Kurs-Gewinnverhältnissen von 15,3 und 14,2 auf Basis der
Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr
ist sie vernünftig bewertet und bietet mit 3,7 Prozent eine für
amerikanische Verhältnisse relativ hohe Dividendenrendite. Das
dürfte Buffett gereizt haben. Vor allem dann, wenn man unterstellt,
dass sich das Unternehmen noch effizienter als bisher aufstellen
lassen kann.
Das größte Investment der Berkshire-Holding ist ein Anteil von 8,6
Prozent am Aktienkapital von Coca Cola im Wert von gegenwärtig 11,7
Milliarden Dollar. Auch dieses Unternehmen entwickelt sich schon
seit Jahren robust und schüttet einen relativ großen Anteil seiner
Erträge in Form von Dividenden aus. Buffett scheint bei seinen
Beteiligungen Wert zu legen auf einen soliden Cashflow. Genau der
lässt sich auch bei Versicherungsunternehmen mit einem relativ
geringen Aufwand erzielen, sofern sie vernünftig verwaltet werden.
So dürfte kaum überraschen, dass die Assekuranzunternehmen Geico
und General Reinsurance wichtige Einnahmequellen bei Berkshire
sind.
Der Trend zu Agrargütern und Nahrungsmittelunternehmen lässt sich
allgemein auch als Inflationsschutz interpretieren. In
inflationären Zeiten ist es ratsam, auf jene Unternehmen zu setzen,
deren Nachfrage selbst bei steigenden Preisen robust bleibt. Der
Blick auf die Performance von Wertpapieren der
Nahrungsmittelunternehmen weltweit in den vergangenen Monaten legt
diese These nahe. Immerhin wird die Liste angeführt von zwei Werten
aus Simbabwe mit Kursgewinnen von bis zu 560.000 Prozent auf Sicht
von zwölf Monaten. Der Grund: In diesem afrikanischen Land herrscht
Hyperinflation.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des
Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
--