Hört sich doch gut an

Cancom ist weiter hungrig auf Wachstum
Von Georg Schalk
Jettingen-Scheppach. Wenn Klaus Weinmann in diesen Tagen von
Schwellen spricht, die überschritten wurden, dann meint der
Vorstandsvorsitzende und Firmengründer der Cancom-Gruppe im
übertragenen Sinn gleich zwei: Da ist zum einen die Schwelle von
300 Millionen Euro Umsatz, die das Jettinger Unternehmen 2007
überschritten hat. Damit erzielte die Gruppe das beste Ergebnis
ihrer Unternehmensgeschichte. Zum anderen ist es die Schwelle zum
Anbau der Firmenzentrale in der Messerschmittstraße.
"Wir haben mächtig Druck gemacht, um Ende März fertig zu werden.
Das ist bis auf die Außenanlagen weitgehend gelungen", sagte
Weinmann bei der Analysten- und Bilanzpressekonferenz Anfang der
Woche. Aufgrund des enormen Wachstums war es nötig geworden, den
Sitz von Cancom weiter auszubauen. Die Bauarbeiten begannen im
Februar 2006. Die ersten Räume wurden vor wenigen Wochen bereits
bezogen. Die Analysten und Medienvertreter hatten nun die
Gelegenheit, die neuen Büroräume, eine neue Logistikhalle, das neue
Rechenzentrum und die neue Service Factory zu begutachten.
Gesamtkosten: 4,2 Millionen Euro.
Das Geld stammt aus dem Verkauf der Unternehmenszentrale. Wie
berichtet, veräußerte die börsennotierte Cancom IT Systeme
Aktiengesellschaft am 7. Mai 2007 das Gebäude inklusive des neuen
Anbaus in Jettingen für insgesamt rund 9,53 Millionen Euro an ein
Unternehmen einer israelitischen Investment-Gesellschaft.
Gleichzeitig wurde ein Mietvertrag für das Gesamtobjekt bis 2021
geschlossen.
"Heute zeigt sich, dass der Verkauf ein goldener Deal war und genau
zum richtigen Zeitpunkt erfolgte", stellte Weinmann am Montag mit
Stolz fest. Angesichts der Finanzmarktkrise sei der Verkauf heute
nicht mehr wiederholbar. Die Gruppe habe ihre Investitionen aus dem
Eigengeschäft finanzieren können. Am vergangenen Freitag sei
übrigens der letzte Rest der Verkaufssumme auf dem Konto von Cancom
eingegangen, informierte Weinmann die Analysten.
Grundsätzlich sieht der Vorstandsvorsitzende das erwirtschaftete
Geld sinnvoller im Unternehmen angelegt als bei den Anteilseignern.
Aus diesem Grund würden der Vorstand und der Aufsichtsrat
vorschlagen, heuer keine Dividende auszuzahlen. Apropos Aktie.
"Persönlich bin ich unzufrieden mit der Entwicklung der
Cancom-Aktie. Sie ist aus meiner Sicht unterbewertet", so Weinmann.
Momentan seien einfach wenig Interessenten da, die Aktien kaufen.
Der Konzern-Ertrag (EBITDA) stieg 2007 auf acht Millionen Euro.
Daraus ergibt sich ein Ergebnis je Aktie von 45 Cent gegenüber 24
Cent im Vorjahr.
Angesichts ihrer hohen Liquidität will die Cancom-Gruppe weiter
wachsen. Dabei schaut sie sich laut Weinmann einerseits außerhalb
Bayerns, jedoch in Deutschland um. Andererseits will sie ihr
Geschäft in Österreich nach der Übernahme von "a+d" sowie in
England ausbauen. In beiden Ländern plant Cancom mit jeweils acht
Standorten. England sei 2007 das größte Problem gewesen, so der
Vorstandssprecher. Dort habe man einen Ergebnisrückgang von 700 000
Euro verkraften müssen. "England entwickelt sich nun deutlich
besser."
Weinmann: "Wir werden durch organisches Wachstum und geeignete
Akquisitionen unsere Profitabilität überproportional steigern."
Besonders stark wachse der margenstarke Service-Bereich. "Der
Umsatz im Dienstleistungsgeschäft hat sich in drei Jahren beinahe
verzehnfacht und beträgt nun 59 Millionen Euro", so der
Vorstandsvorsitzende.
Dank der guten Ergebnisse habe Cancom seine Akquisitionsfähigkeit
verbessern können. "Und dank der Erweiterung der Firmenzentrale
sind wir künftig auch räumlich in der Lage, die interne
Organisation zu integrieren", betonte Weinmann.
Artikel vom 01.04.08 - 20.35 Uhr
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