04.01.2010, 16:39
Ölpreis und Opec
''Irak könnte Machtgefüge über den Haufen werfen''
Von Andreas Oldag
Der Ölpreis könnte 2010 kräftig steigen - doch womöglich kommt
auch alles anders: In der Opec zeichnet sich ein Machtkampf
ab
Viele Analysten erwarten
einen weiteren Anstieg des Ölpreises bis Ende dieses
Jahres.
doch womöglich kommt auch alles
anders
Foto: AP
Der Ölpreis ist Anfang dieser Woche im asiatischen Handel über die
Marke von 80 Dollar geklettert. Der Streit zwischen Russland und
Weißrussland über eine Verlängerung eines Ölvertrags ist nach
Meinung von Händlern mitverantwortlich für die jüngste
Preissteigerung.
Im Schnitt 90 Dollar
Viele Analysten erwarten einen weiteren Anstieg bis Ende dieses
Jahres. So rechnet die Investmentbank Goldman Sachs mit einem
Durchschnittspreis von 90 Dollar je Barrel. Angesichts der
anziehenden Nachfrage in den großen Schwellenländern wie China und
Indien könnte der Preis 2011 sogar auf 110 Dollar steigen. Goldman
Sachs ist an der New Yorker Wall Street einer der größten
Rohstoffhändler, die mit Öl-Terminkontrakten Geschäfte machen.
Die Nachfrage werde allerdings gebremst durch die nur langsame
wirtschaftliche Erholung in den USA, Japan und der Eurozone,
urteilte die Öl-Analysefirma Schork Group. Dies habe auch dazu
geführt, dass bereits viele Raffinerien in den Industriestaaten
wegen Unrentabilität schließen mussten. Schork rechnet damit, dass
der Ölpreis eher auf dem derzeitigen Niveau verharren wird. Das
liegt allerdings immer noch deutlich höher als vor einem Jahr, als
die Preise infolge der Wirtschaftskrise auf knapp unter 33 Dollar
absackten.
Machtkampf um die Förderquoten
Nach Einschätzung des saudi-arabischen Königs Abdullah wird sich
der Ölpreis stabilisieren. Er rechne Anfang dieses Jahres mit
Preisen zwischen 75 und 80 Dollar je Barrel, erklärte er der
Kuwaiter Zeitung Al-Seyassah.
Mit einer Tagesproduktion von 8,15
Millionen Barrel ist Saudi-Arabien das Schwergewicht im
Ölförderkartell Opec und zugleich der größte Erdölproduzent der
Welt. Die zwölf Opec-Mitglieder kontrollieren etwa 40 Prozent der
weltweiten Förderung.
Indes tobt hinter den Kulissen der Opec ein Machtkampf um die
Förderquoten. Dabei geht es vor allem um zusätzliche
Produktionskapazitäten Iraks. Bislang wird das Land wegen seiner
geringen Tagesproduktion von 2,5 Millionen Barrel nicht in der
Gesamtquote der Opec mitgezählt.
Doch die Regierung setzt große Anstrengungen in den Ausbau der vom
Krieg zerstörten Förderanlagen.
Experten rechnen
damit, dass Irak in den nächsten zehn Jahren eine tägliche
Fördermenge von zwölf Millionen Barrel erreichen wird. Damit
könnte das Land sogar Saudi-Arabien die Spitzenstellung streitig
machen.
"Irak hat das Potential, das Machtgefüge in der Opec
über den Haufen zu werfen", meint Lawrence Eagles von JP
Morgan. Vieles hinge allerdings von der langfristigen politischen
Stabilität des Landes ab.
Der britisch-niederländische Ölkonzern Shell hat vor kurzem von der
irakischen Regierung den Zuschlag für eines der weltweit größten
Ölfelder erhalten. Zusammen mit dem malaysischen Unternehmen
Petronas will Shell künftig 1,8 Millionen Barrel pro Tag pumpen.
Mit geschätzten 115 Milliarden Barrel Reserven gehört Irak
hinter Saudi-Arabien und Iran zu den ölreichsten Ländern der
Welt. Allerdings sind die Angaben über die irakischen
Lagerstätten allenfalls grobe Schätzungen. Seit Jahrzehnten sind in
dem Land keine Explorationsteams mehr unterwegs gewesen.
Kein Zufall, dass Irak von anderen Opec-Mitgliedern misstrauisch
beäugt wird. Sie befürchten, dass die Förderdisziplin untergraben
wird und ein Überangebot zu einem Preisverfall führt. Schuld daran
wäre allerdings nicht nur Bagdad. So haben auch
Katar und
Angola viel in den Ausbau ihrer Ölförderung investiert. Das
afrikanische Land zählt mittlerweile zu den am stärksten wachsenden
Ölförder-Staaten. Seit 2004 hat Angola seine tägliche Produktion
auf 2,1 Millionen Barrel verdoppelt.
"Alles läuft darauf hinaus, dass die
Opec-Produktion steigen wird. Das Kartell setzt auf eine erhöhte
Nachfrage. Die Organisation wird allerdings ein Problem haben, wenn
sich dies als falsch herausstellt", meint Michael Lynch von
der US-Analysefirma Strategic Energy & Economic Research.
Derzeit fördern die elf quotengebundenen Opec-Staaten - ohne Irak -
pro Tag 26,6 Millionen Barrel.
http://www.sueddeutsche.de/,tt5m1/finanzen/914/499195/text/