Ehemaliger Spitzel stoppt Stasi-Ausstellung
Mit Unterstützung der Linkspartei
In Sachsen hat ein ehemaliger IM eine Ausstellung über die Stasi
verbieten lassen. Ein Gericht sah seine Persönlichkeitsrechte
verletzt – dabei bestreitet der Mann gar nicht, für die Stasi
gearbeitet zu haben. Die Empörung in der Region ist groß. Der
Vorgang könnte zum folgenschweren Präzedenzfall werden.
"IM Schubert" könnte 18 Jahre nach der Wende für einen
Präzedenzfall sorgen. Der einstige inoffizielle Mitarbeiter der
DDR-Staatssicherheit hat eine kleine, von Schülern und ihrem
Religionslehrer gestaltete Ausstellung im Rathaus von Reichenbach
(Sachsen) über "Christliches Handeln in der DDR" faktisch verbieten
lassen. Das Landgericht Zwickau untersagte mit Hinweis auf das
Persönlichkeitsrecht Anfang März per einstweiliger Verfügung, dass
der Klarname des Ex-Spitzels öffentlich genannt wird. Die Schau
wurde abgebaut. Beide Seiten bereiten sich nun auf eine lange
juristische Auseinandersetzung vor.
Die Empörung in Sachsen ist groß.
Mit Hilfe von Gerichten würden
frühere Spitzel nun Aufklärung und Aufarbeitung behindern, statt
sich zu ihrer Schuld zu bekennen, heißt es in erbosten Briefen an
Regionalzeitungen.
Die Täter von einst stellten sich nun als Opfer dar.
Der Leiter der Chemnitzer Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde,
Martin Böttger, spricht von einem bislang beispiellosen Vorgang:
„Das habe ich noch nicht erlebt, dass ein IM, der seine Tätigkeit
nicht bestreitet, einen Anspruch auf Anonymität durchsetzt.“
Für
die Aufarbeitung der DDR-Geschichte sei es wichtig, dass die Täter
beim Namen genannt werden.
„Nicht einmal zwei Jahrzehnte nach dem Ende des SED-Regimes
wollen die Stasi-Zuträger eine Aufarbeitung ihrer Spitzeltätigkeit
verhindern und ihre Kritiker mundtot machen“, so die CDU
Zwickau in einem Spendenaufruf unter der Überschrift
„Die Stasi
macht mobil - wehret den Anfängen“. Die Partei will Geld für
den Initiator der Ausstellung, den früheren Zwickauer Dompfarrer
Edmund Käbisch, sammeln und ihn so bei der weiteren juristischen
Auseinandersetzung unterstützen.
Käbisch selbst spricht von bisher nicht gekannten
„Einschüchterungsversuchen“. Die Ausstellung sei seit 2005 an 13
Orten gezeigt worden, habe aber nun erst eine solche Aufregung
ausgelöst. Mit seinen Schülern hatte er Stasi-Akten gewälzt und für
die Reichenbacher Präsentation noch einen ausführlichen Teil zu „IM
Schubert“ beigefügt.
Der wurde Käbischs Recherchen zufolge 1979 von der Stasi
angeheuert. Der Vogtländer machte sich offenbar gut und durfte ein
Jahr später als Belohnung zu den Olympischen Spielen nach Moskau
reisen. Schließlich sollte er auch Kirchengruppen bespitzeln. Um
Vertrauen zu erschleichen, ließ er sich offenbar sogar taufen, wie
der Pfarrer recherchierte.
Mehrere Menschen seien aufgrund der
Hinweise von „IM Schubert“ festgenommen worden.
Inzwischen hat der Mann selbst Angst vor Repressalien, sagt sein
Anwalt Thomas Höllrich. „In Reichenbach herrscht Pogromstimmung.“
Dagegen bestreitet der Chemnitzer Vertreter der
Birthler-Behörde, Böttger, dass frühere Spitzel bei einer
Veröffentlichung um Leib und Leben fürchten müssen. „Mir ist noch
kein solcher Fall bekannt.“
Dass ausgerechnet Höllrich das Mandat für den IM übernahm, hat
für viele Reichenbacher ein Geschmäckle. Denn dieser sitzt für die
Linkspartei in Stadtrat und Kreistag.
„Das zeigt wieder einmal, dass sich die Linke nicht von ihrer
Vergangenheit und dem SED-Stasi-Unrechtsstaat getrennt hat“,
schreibt eine Leserbriefschreiber in der „Freien Presse“.
http://www.welt.de/politik/article1821558/Ehemaliger_Spitzel…