Rohstoffrallye
Crash-Prophet hat neue Argumente für Gold-Boom
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28. November 2009, 11:35 Uhr .
Er gilt als Querdenker und ist bekannt für seine düsteren
Prognosen. Jetzt analysiert Marc Faber auf WELT ONLINE den
Goldpreis. Seine Erkenntnis: Trotz neuem Rekordstand lohnt sich der
Einstieg ins gelbe Metall noch immer – für jeden. Denn der
Goldpreis wird auf absehbare Zeit nicht mehr unter 1000 Dollar je
Unze fallen.
Das gelbe Edelmetall haussiert: Seit anno 2001 ist der Goldpreis
von 255 Dollar pro Feinunze auf aktuell knapp 1200 Dollar
gestiegen. Anleger fragen sich deshalb, ob es immer noch sinnvoll
ist, weiterhin Gold zu erwerben oder ob sich auch hier eine
Anlageblase gebildet hat.
Es gibt nur eine richtige Antwort: Gold befand sich zwischen 1980
and 2001 in einem 20 Jahre währenden Bärenmarkt. Verglichen mit
anderen Vermögenswerten wie etwa Aktien oder Immobilien war Gold
daher anfangs dieses Jahrzehntes unglaublich niedrig bewertet.
Seitdem ist der Goldpreis zwar gestiegen, aber im Vergleich zum
Anstieg von Aktien, zur explosionsartigen Vermehrung der Geldmenge,
zur gewaltig gewachsenen Gesamtverschuldung und zur sprunghaften
Zunahme der internationalen Währungsreserven seit 1980, ist der
Anstieg eigentlich recht bescheiden ausgefallen.
So sind beispielsweise die internationalen Währungsreserven seit
dem 1983 um mehr als das Zwanzigfache von damals 300 Milliarden auf
zurzeit mehr als sieben Billionen Dollar angestiegen. Der Goldpreis
ist aber während der gleichen Zeitspanne lediglich um das Dreifache
gestiegen. In dieser Beziehung ist es auch wichtig zu bedenken,
dass sich von den sieben Billionen Dollar an Währungsreserven rund
70 Prozent in Besitz asiatischer Notenbanken befinden.
Die Zentralbanken in Fernost halten aber insgesamt weniger als zwei
Prozent ihrer Währungsreserven in Gold, während sie rund 70 Prozent
ihrer Bestände in US-Dollar investiert haben. Dabei sehen wir in
den Vereinigten Staaten eine faktische Nullzins-Politik und einen
US-Notenbankpräsidenten, der vor aller Welt erklärt, dass man die
Deflation nur verhindern kann, wenn man Dollarnoten aus Helikoptern
auf die USA niederregnen lässt. Da liegt es für die asiatischen
Zentralbanken doch auf der Hand, Gold dem US-Dollar als klar
zuverlässigere Währung vorzuziehen.
Eine Funktion des Papiergeldes ist ja die "Werterhaltung", aber
beim US-Dollar scheint diese Funktion kaum mehr zu bestehen. Es ist
davon auszugehen, dass nebst der indischen Notenbank, die vor
kurzem 200 Tonnen Gold vom IWF erworben hat, sowie der Notenbank in
Sri Lanka, die sich rund 20 Tonnen Gold zugelegt hat, weitere
Notenbanken auf der ganzen Welt in naher Zukunft einen Teil ihrer
schwächelnden Dollarbestände in sicheres Gold umwandeln werden.
Dazu kommt noch ein weiterer Gesichtspunkt: Der Goldpreis überstieg
zum ersten Mal im Sommer 2008 die 1000-Dollar-Marke pro Feinunze.
Dann bewegte sich der Preis in einer Zone von rund 750 bis rund
1040 Dollar, wobei die 1000-Dollar-Grenze eine Widerstandszone
bildete. Jetzt, wo der Goldpreis aber deutlich über diese
Widerstandszone nach oben ausgebrochen ist, gilt die
1000-Dollar-Linie als starke Unterstützungszone.
Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass der Goldpreis in absehbarer
Zeit wieder in die dreistellige Preiszone zurückfallen dürfte. Zwar
haben die Währungshüter noch gewisse Bedenken, mehr für Gold zu
bezahlen, als die indische Zentralbank. Aber sollte der Preis um
zehn bis 20 Prozent korrigieren, dürften die Notenbanker zu
Schnäppchenjäger werden. Und wenn die Währungshüter in den sicheren
Hafen streben, sollten die Kleinanleger nicht lange fackeln,
sondern ebenfalls beim Gold einsteigen.
Der Autor ist Fondsmanager und gilt unter Börsianern als
ausgesprochener Skeptiker.
http://www.welt.de/finanzen/article5357205/Crash-Prophet-hat…