Antwort auf Beitrag Nr.: 34.372.394
von bert408 am 25.06.08 15:02:46Ein paar
Kommentare dazu meinerseits:
"1. merrill lynch urteil ist leider realistisch und
vernichtend"
--> Vernichtend? Ja. Realistisch? Vielleicht, aber zumindest
sehr pessimistisch. M.E. muss man da einen signifikanten
Zinsanstieg unterstellen. Dieser wird dann bei der Refinanzierung
des Hauptkredits in ca. 5 Jahren zu einer höheren Zinsbelastung
führen, sofern "die Zinsen" dann nicht wieder niedriger sind.
Richtig ist aller Wahrscheinlichkeit, dass die endfällige "term
loan" Tranche zu 3,962 % (immerhin 5,6 Mrd. EUR) sicher nicht so
günstig refinanziert werden kann. Gut möglich, dass dann die
Zinslast von Gagfah um z.B. ca. 100 Mio. EUR ansteigt und cash-flow
und Dividende in der Folge sinken. Aber bis dahin gibt es auf der
anderen Seite wohl auch Mieterhöhungen (zunmindest glaube ich nicht
an fallende Mieten; höhere Zinsen dürften Wohnungs- und Hauskäufe
tendenziell eher belasten --> eher gut für Bestandshalter wie
Gagfah) und derzeit bewirtschaftet Gagfah die Wohnungen von Quartal
zu Quartal effizienter. Sollten die Zinsen wegen stark zunehemder
Inflation und ggf. gar Lohninflation steigen, dann bin ich
zuversichtlich, dass bei den Mieten noch Spielraum nach oben ist.
In diesem Zusammenhang ist auch zu bemerken, dass Gagfahs Portfolio
"underrented" (also unter den marktüblichen Kondiditionen
vermietet) ist. Die Mieterfluktuation allein sorgt somit für
steigende Mieterträge. Ich könnte dazu noch eine Menge schreiben,
aber mir geht es eigentlich nur darum, dass eben nicht alles nur
notwendigerweise schwarz ist...
"2. goldman sachs hat für leg im durchschnitt knappe 550
euro/qm
gezahlt."
--> Mag sein. Wie sicher bist Du Dir, dass da nicht Äpfel mit
Birnen verglichen werden?
"3. zinsen steigen. gift für aktien, doppeltes gift für
immobilienaktien. zinsen sind die schwerkraft der börse !!!!!!"
--> s.o.
"4. hauptanteilseigner > 75% kann also gagfah ausbluten
lassen"
--> Kannst Du mir die Strategie etwas näher erläutern. --- Die
andere Seite der Medaille: Kauft jemand den Gagfah stake von
Fortress, dann dürfte ein Pflichtangebot an die freien Aktionäre
fällig werden. Muss ja nun auch nicht unbedingt schlecht
sein...
"5. hohe dividende wird nicht verdient"
--> Dividende < FFO (funds from operations; hierbei
entscheidende cash-flow Größe). Dividende wird aus dem laufenden
cash-flow bezahlt. Könnte theoretisch bis zur Refinanzierung der
dicken Darlehen (s.o.) auch so weitergehen... Im Idealfall bekommen
wir in den nächsten 5 Jahren noch ca. 4 EUR Dividende.
"fazit wert zwischen 5-6 euro derzeit"
--> Kann sein, dass die Aktie 2013 da steht, wenn sich am
deutschen Wohnimmomarkt gar nichts tut und die Zinsen steigen und
die FFOs belasten. Kleine Überschlagsrechnung: 5,00 EUR in 2013;
bis dahin evtl. noch 4 EUR Dividende (5 x ca. 0,80 EUR) --> So
groß erscheint mir die downside nicht (selbst wenn ich das alles
noch abzinse).
Kann natürlich sein, dass das Szenario der Bären nicht aufgeht und
die Mieten stark steigen. Die Wohnimmopreise auf Neubauniveau
ziehen, da die Anzahl der Haushalte jederzeit steigt und zudem
Wohnungen "riesterfähig" werden (natürlich alles reine Spekulation
meinerseits; die Riesterfähigkeit wird zumindest diskutiert). Dann
stünde die Aktie von Gagfah nämlich signifikant höher...
Keiner kann in die Zukunft blicken. Alles nur meine ganz
persönliche Meinung zur "Gemengelage" um Gagfah.
Bzgl. der ML Studie: Die extrem kritische Beurteilung anderer,
cash-flow schwacher Unternehmen kann ich hingegen schon verstehen.
Da drückt teilweise nämlich wirklich der Schuh...
Viele Grüße
Locust