Sulaiman - der Bulldozer, der alles wegräumt
Düsseldorf (RPO). Die Nachricht vom Einstieg der Öl-Scheichs bei
Manchester City hat die Fußballwelt erschüttert. Vor allem nicht
ganz so finanzstarke Ligen - wie etwa die Bundesliga - drohen den
Anschluss zu verlieren im internationalen Millionenpoker. In
England muss sich nun sogar das arrivierte Top-Quartett Manchester
United, Arsenal London, FC Liverpool und Chelsea London warm
anziehen.
Die sogenannten "Fab-Four", die Fantastischen Vier der Premier
League, nagen zwar ebenfalls nicht gerade am Hungertuch, doch gegen
den Reichtum der arabischen Investorenfamilie mutet sogar das
Vermögen des Urvaters aller Mäzene, Roman Abramowitsch, wie ein
bescheidenes Ersparnis an.
Nur um die Dimensionen offen zu legen:
Auf der einen Seite
spricht man von einem Familienvermögen von bis zu 160 Milliarden
Euro, Abramowitsch auf der anderen Seite ist lediglich im Besitz
von geschätzten 15 Millarden Euro.
"Lediglich 15 Millarden", es passiert nicht oft, dass man so etwas
schreiben darf. Eines steht sicher fest: Es weht ein frischer Wind
in Englands Profifußball - ein Wüstenwind. Seine Folgen sind noch
nicht absehbar.
Erste Amtshandlung: Blitzkauf von Robinho
Als quasi erste Amtshandlung hat der Manager des Finanzkonsortiums
aus Abu Dhabi, Dr. Suleiman Al Fahim, den brasilianischen
Stürmerstar Robinho verpflichtet. Dabei soll es nicht bleiben. Im
Gegenteil: Der 40-Millionen-Deal soll nur der Anfang sein.
Die
Scheichs kündigten bereits an, insgesamt 663 Millionen Euro in 18
Spieler auf Weltklasseniveau investieren zu wollen.
Darunter sind lauter illustre Namen.
Christiano Ronaldo soll für
die schwindelerregende Summe von 165 Millionen Euro verpflichtet
werden, für Kaka und Messi sei man bereit, jeweils 73 Millionen
Euro auf den Tisch zu legen. Zudem stehen Fernando Torres (86
Millionen), Cesc Fabregas (49 Millionen), Thierry Henry und David
Villa auf der Einkaufsliste.
Der Trainer von Manchester City, Mark Hughes, kommt sich vor wie
im Schlaraffenland: "Das ist wie Geburtstag, Weihnachten und ein
Lottgewinn zusammen."
Das "Who is Who" des Fußballzirkus' soll bald in der Arbeiterstadt
im Nordwesten Englands seine Zelte aufschlagen. Manchester City -
ein Verein mit großer Tradition, aber in den letzten Jahrzehnten
ohne die großen Erfolge. Die letzte Meisterschaft holte man 1968,
den Europapokal der Pokalsieger 1970.
Neuer Transferrekord bald fällig
Das soll sich für die "Citizens" mit den Wüstendollars ändern. Für
viele Fans ist das ein Traum aus 1001 Nacht. Doch ist es ein
Albtraum für den Fußball?
Der Transferkreisel wird sich in der Winterpause in bisher
unbekanntem Maße drehen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis
der Transferrekord von Zinedine Zidane aus dem Jahr 2001 überholt
wird. Damals zahlte Real Madrid 73,5 Millionen Euro für den
französischen Nationalhelden.
Das ehrgeizige Bestreben aus Abu Dhabi, Manchester City zu einem
internationalen Topverein zu formen, ruft beim Nachbarn Dubai Neid
hervor. Mit Abu Dhabi befindet man sich dort seit Jahren im
Wettstreit um die höchsten Bauten, die spektakulärsten Ferienparks
und andere Prestigeprojekte.
Zu großen Bauunternehmungen passt auch die Aussage von Suleiman al
Fahim: "Ich fühle mich wie ein vollkaskoversicherter Bulldozer, der
alles wegräumt, was sich ihm in den Weg stellt!"
Auch Dubai zeigt Interesse am Fußball
Lange kann man in Dubai dem Wüstennachbarn wohl nicht mehr einfach
nur zusehen. Es geistern schon Gerüchte durch die Gazzetten, dass
man plane, den FC Liverpool zu kaufen.
Dann ginge das Wettbieten erst richtig los. Die kleinen Vereine -
und nicht zuletzt die deutsche Bundesliga - würden wohl endgültig
den Anschluss verlieren, das große Geld würde den Fußball
beherrschen - viel mehr noch als momentan.
In Deutschland ist der Einstieg eines Großinvestors aufgrund der
50+1 Regelung ausgeschlossen. Diese Regel, die besagt, dass der
Verein mindestens 51 Prozent der Anteile an seinen Profiabteilungen
halten muss, steht bei vielen Managern in der Kritik. Man
befürchtet, den Anschluss endgültig zu verlieren, wenn
Großinvestoren den Fußball mit ihren Geldern zu dominieren
beginnen.
Noch ist es nicht so weit, aber die Zukunft des Fußballs hat
bereits begonnen. In Manchester sollten sich die Fans vielleicht
überlegen, ihr Vereinsmaskottchen zu tauschen. Vom fröhlichen
"Moonchester" - einem Außerirdischen vom Mond - hin zum nicht
minder gut aufgelegten Kamel aus der Wüste. Mit den Millionen aus
Abu Dhabi sollte Manchester vor allem in Zukunft eines:
außerirdisch gut spielen.

