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Krise schüchtert Hausbauer ein
von Richard Haimann
Die Angst vor einem wirtschaftlichen Abschwung lässt viele Familien
den Wunsch nach den eigenen vier Wänden zurückstellen. Dafür ist
Experten zufolge nicht nur die Finanzkrise verantwortlich.
Die internationale Kredit- und Finanzkrise hat auch den deutschen
Eigenheimmarkt deutlich in Mitleidenschaft gezogen. Nach Angaben
der Bundesbank fiel das Kreditvolumen für Neu- und Anschlusskredite
an private Immobilienkäufer in den ersten fünf Monaten dieses
Jahres auf 71,7 Mrd. Euro. Das entspricht einem Rückgang um 8,4
Prozent im Vergleich zu ausgereichten Hypothekendarlehen in Höhe
von 78,3 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum.
Die Zahlen zeigen, dass viele Familien wegen der Kapitalmarktkrise
ihren Wunsch nach den eigenen vier Wänden vorerst zurückgestellt
haben. "Bereits im zweiten Halbjahr war die Nachfrage privater
Haushalte nach Immobiliendarlehen in Deutschland deutlich
zurückgegangen", sagt Kai Oppel, Finanzierungsexperte beim
Kreditvermittler Hypothekendiscount.
Die Furcht vor einer Abschwächung der deutschen Wirtschaft hat dazu
geführt, dass seit September vergangenen Jahres viele Interessenten
ihre Kaufabsichten zurückgestellt hatten. Auch wenn nach Angaben
der Bundesbank die Lage bei den Finanzkonditionen wie bei der
Kreditnachfrage in Deutschland besser ist als im Rest der EU-Zone,
so ist die Zurückhaltung inzwischen auch hier deutlich zu
spüren.
Erste Anzeichen für einen Preisrutsch
Thomas Beyerle, Chefresearcher der Immobiliengesellschaft Degi,
sieht eine weitere Ursache für den Einbruch am Immobilienmarkt im
deutlichen Anstieg des Ölpreises in den vergangenen zwölf Monaten.
"Durch die hohen Kraftstoffpreise haben Eigenheime im Grünen massiv
an Attraktivität verloren." Hingegen seien die Preisforderungen für
Einfamilienhäuser und moderne Eigentumswohnungen in den Städten
noch so hoch, dass die wenigsten Familien die Objekte bezahlen
können. Beyerle: "Im Umland der Städte wird sich der Markt erst
dann wieder beleben, wenn die Verkäufer die neuen ökonomischen
Realitäten realisiert haben und ihre Preisvorstellungen
entsprechend herunterschrauben."
Erste Anzeichen für einen Preisrutsch gibt es bereits: Wie der
Hauspreisindex von Hypoport zeigt, wurden bestehende Eigenheime in
Deutschland von 2005 bis Mitte vergangenen Jahres im Schnitt zu
Preisen zwischen 202.000 und 208.000 Euro gehandelt. Seit Beginn
der US-Immobilienkrise ist der Durchschnittspreis jedoch
kontinuierlich gesunken. Im Juni dieses Jahres wurden für
Bestandsobjekte im Schnitt nur noch 189.000 Euro gezahlt (siehe
Grafik).
Dass Immobilienkäufer bereits im vergangenen Jahr sehr stark auf
den Preis geachtet haben, zeigen die Jahreszahlen der
Landesbausparkassen (LBS). Danach stieg das Vermittlungsvolumen der
zehn LBS-Immobiliengesellschaften bei gebrauchten Eigenheimen 2007
um 17 Prozent. Bei insgesamt 70 Prozent aller von den
LBS-Gesellschaften vermittelten Objekte handelte es sich um
Gebrauchtimmobilien. Kein Wunder: Während die von den
LBS-Gesellschaften vermittelten neuen Eigenheime 2007 im Schnitt
230.000 Euro kosteten, betrug der Durchschnittspreis der
Gebrauchtimmobilien nur 148.000 Euro. LBS-Verbandsdirektor Hartwig
Hamm: "Solange das Angebot an Bestandsobjekten so preisgünstig ist,
wird sich der Trend nicht ändern."
Über die weitere Entwicklung des Eigenheimmarkts in diesem Jahr
sind die Experten geteilter Ansicht. Degi-Chefresearcher Beyerle
erwartet in den Umlandregionen eine Fortsetzung der
Kaufzurückhaltung und damit weiter sinkende Preise. "Neben der
Finanzkrise wirken ja auch die Vorzieheffekte durch die Streichung
der Eigenheimzulage noch nach." Optimistischer ist
Hypothekendiscount-Experte Oppel: "Im zweiten Halbjahr wird sich
der Markt stabil auf dem Niveau des Vorjahreszeitraums halten."
Quelle: Aus der FTD vom 04.09.2008
© 2008 Financial Times
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