Antwort auf Beitrag Nr.: 35.341.472
von schneckonteuful am 30.09.08 09:08:10Das
hat doch nichts mit einer Yuppieisierung zu tun.
Es zeigt nur alzu deutlich, dass man auf lange Sicht nicht auf
Kredit leben kann. Das was jede Firma beherzigen muss, wurde in
Amerika den Privatleuten, um an ihnen zu gewinnen verschwiegen.
Wobei die amerikanischen Privatleute, wenn sie ein bisschen ihren
Grips gebraucht hätten, hätten wissen müssen, dass man nicht immer
neue Hypotheken aufnehmen kann, um einen Lebensstandard zu frönen,
der über dem Einkommen liegt.
Irgendwann muss eine Hypothek einfach auch bezahlt werden. Dass das
in der USA so ausgeufert ist, dass es Millionen betrifft, und die
Banken, um weiter flüssig zu bleiben, diese faulen Kredite
weiterverkauft haben, und die ausländischen Banken diese mit
Freuden entgegen genommen haben, ändert nichts daran, dass das
Elend damit angefanen hat, dass Millionen von Bürgern der USA, ohne
Sicherheit und notwendigem Einkommen, Häuser gebaut haben, und
andere auf ihre schon früher gebauten Häuser, immer weiter
Hypothken aufgenommen haben, um einen Lebensstandard zu halten, der
über ihren Einkommen liegt. Inklusiver spritfressener Autos und
sonstiger sinnloser Ausgaben.
Das wird auch für Amerika eine Lehre sein (hoffe ich zumindest),
und es wird auch für uns eine Lehre sein (hofe ich zumindest auch).
Wobei es auf lange Sicht egal ist, ob Privatpersonen, oder der
Staat über seine Verhältnisse lebt. Ich kenne nur einen Staat, der
wirklich gravierend in den letzen fast 20 Jahren seine Verschuldung
runtergeschraubt hat, wobei ich momentan nicht weiß, ob die neue
Regierung in diesem Land diesen Weg weiter geht. Schweden hat aber
auf jeden Fall seine staatliche Gesamtveschuldung seit Anfang der
90er von ca. 89% des BIP auf ca. 50% des BIP runtergeschraubt.
Deutschland hat selbst in den letzten guten Jahren seine
Neuverschuldung nur verlangsamt, aber keinen Cent zurück gezahlt.
Und keine Regierung wird mit dem Rückzahlen ernsthaft anfangen. Und
das aus einem einzigem Grund. Man hätte die Arbeit, die unpopulären
Maßnahmen, und spätere Regierungen hätten den Gewinn. Da schöpft
man lieber selbst aus dem Vollem.
Und man stelle sich vor, was heute in D. los wäre, wenn nicht
bereits Adenauer, nur um die Stimmen er Rentern zu bekommen, die
Rente damals anhob, und wenn man auch andere Sünden nicht begangen
hätte. Hätte der heutige Staat keine Zinslast zu tragen, könnte er
mit den jeztigen Einnahmen (Bund, Länder und Kommunen), fast 100
Miliarden mehr ausgeben, ohne einen Cent Schulden zu machen. 100
Milliarden zusätlich in den Straßenbau/-sanierung, Bahngleisen und
anderen Infastrukturmaßnahmen, und uns würde es bombig gehen.
Die Lehre, die wir aus der jetzigen Krise ziehen können, ist ganz
einfach. Man kann auf lange Sicht gesehen nicht mehr Geld ausgeben,
als man einnimmt. Und um erst einmal wirklich den Schuldenberg
ernsthaft anzupacken, muss man sich darüber klar werden, dass die
Zeiten härter werden. Es muss gespart werden, dass heißt, dass die
nächsten 2 Generationen den Gürtel wirklich enger schnallen
müssten. Aber wer das vorschlägt, der wird abgewählt. Das Problem
wird stillschweigend auf die Kinder geschoben. Ich befürchte, dass
wir auch aus dieser Krise nichts lernen werden.