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schrieb am 03.10.08 13:00:51
Die weltweit fallenden Immobilienpreise besorgen mich zunehmend
mehr. Auf Grund der wirtschaftlichen Abkühlung erwarten Experten,
dass künftig der Leerstand an Gewerbeimmobilien deutlich ansteigen
wird und negative Bewertungsberichtigungen drohen.
Als Geldmarktersatz bin ich schon seit längerem in folgenden Fonds
positioniert:
1. UBS Euroinvest (977261)
2. TMW Immobilien Weltfonds (A0DJ32)
3. KanAm Grundinvest (679180)
Wie würdet Ihr Euch verhalten? Komplett in Geldmarktfonds switchen
(natürlich ohne ABS-Anteile)? ;-)
Vielen Dank vorab für Eure Meinungen.
Earl of Nordend
schrieb am 03.10.08 14:10:49
Es ist eine unfassbare Ironie, dass Leute, die Angst vor der
Immobilien- und Kreditkrise haben, gerade jetzt in diese Produkte
flüchten.
Die Stabilität der offenen Immobilienfonds ist eine Illusion, die
solange perfekt funktioniert, wie Nettomittelzuflüsse erfolgen.
Solange das der Fall ist (und im Moment ist es so) wird nichts
geschehen.
Bei den Immobilienaktien (aber auch geschlossenen Fonds) ist längst
auch dem letzten klar geworden, dass man sich auf publizierte NAVs
nicht verlassen kann. Viele Immobilienaktien notieren 50, 60 und
manchmal auch 80 Prozent tiefer als ihr NAV.
Offene Immobilienfonds sind in genau denselben Vermögenswerten
investiert wie diese Immo-AGs, der einzige Unterschied besteht in
der fehlenden Leverage. Ergo sind auch hier Realität der NAVs in
Frage zu stellen, wenn auch nicht in so starkem Umfang wie bei
geleveragten AGs oder geschlossenen Fonds.
Der Umstand, dass offene Immobilienfonds ihre Anteile zum NAV
zurücknehmen (statt Sekundärhandel zu realen Marktpreisen) sorgt
für eine stabile Entwicklung, die aber mit der Realität der Assets
nichts zu tun hat. Es ist genauso wie bei einer Immobilienaktie,
bei der das Management den Kurs pflegt, indem bei Kursausschlägen
unter den NAV Aktien aus dem Markt gesaugt werden. Dafür gibt es
Beispiele aus der Vergangenheit, und so etwas ist jedesmal
dramatisch schiefgegangen.
Sobald also die Anleger beginnen, mehrheitlich Gelder aus offenen
Immobilienfonds abzuziehen, wird sich für diese Fonds die Frage
stellen wo das Geld dafür herkommen soll. Es ist allgemein bekannt,
dass man derzeit kaum etwas zum publizierten NAV verkaufen kann,
schon gar nicht unter Druck. Dann wird die Rücknahme ausgesetzt
werden, und es wird ein Riesengeschrei geben.
Man beachte: solange die Masse da Geld reinpumpt, wird nichts
geschehen! Man beachte weiters, dass es solche und solche Fonds
gibt. Je mehr Bargeld bzw. leicht liquidierbare Assets vorhanden
sind, desto länger würde es dauern, bis ein Mittelabfluss zum
Exitus führt. Jemand, der den Markt täglich beobachtet, kann sowas
also als Sparbuchersatz kaufen, aber er muss immer auf der Hut
sein.
Sowas jetzt kaufen und wegschauen ist mE das DÜMMSTE, was man
derzeit machen kann. Wennschon Immobilien, dann eine der
geprügelten Immo-AGs, aber auch das nur nach sorgfältiger
Selektion, und unter Beachtung von Depotanteilsgrenzen.
schrieb am 03.10.08 16:26:12
Hi Pfandbrief,
Argumentation verstanden. Klingt plausibel. Es gibt aber auch ein
Argument der Verfechter der Immofonds:
Bei steigender Inflation würden die vereinbarten Mieten steigen, da
sie an oftmals an die Inflation gebunden wären. Wenn das der Fall
wäre, dann würde auch die Bewertungen zumindest nach
Ertragswert-Methode steigen.
Daneben: Wann wäre Dein Szenario gegeben? Wann würden die
Nettozuflüsse in Nettoabflüsse kippen?
Wir haben vor ca. 2,5 Jahren die ersten Zwangs-Fondsschliessungen
gesehen. Interessanterweise war die Bewertung z.B. des RREEF
grundbesitz europa (damals grundbesitz invest) höher als vor
Schließung. Mir erschliesst sich bis heute nicht, wie es dazu kam?
schrieb am 03.10.08 16:59:50
Ich will das Investment Immobilien auch nicht prinzipiell
schlechtreden. Es ist jedoch klar, dass man das Argument der
Inflation genausogut (oder sogar besser) auf geleveragte und unter
ihrem NAV notierende Immo-AGs oder geschlossene Fonds anwenden
kann.
Zu Fondsschließungen kommt es eben immer dann, wenn hinreichend
viel Geld abgezogen wird. Dieses Abziehen muss ja keinen realen
Hintergrund haben. Es entsteht allein dadurch, und dem Prinzip der
NAV-Rücknahme ein Problem, selbst dann, wenn die Mieteinnahmen
schön fließen.
Der Punkt hier ist, dass viele Anleger dieses Instrument nicht
verstehen. Sie schauen auf den Chart in der Vergangenheit (der
natürlich wie mit dem Lineal gezogen aussieht) und folgern daraus,
dass hier der sichere Hafen für ihr Geld ist. Und das ist ein
Problem. Ein großes Problem. Denn ein Anleger, der seine Depotwerte
von Anfang an nicht versteht, ist auch ein Anleger, der im
Ernstfall in Panik gerät, selbst wenn fundamental dazu keine
Veranlassung besteht. Es ist nicht prognostizierbar, wann solche
Leute einen Run auf ihren Fonds veranstalten.
Ich bin daher dafür, dass das Prinzip eines offenen Fonds überhaupt
nur dann verwendet werden dürfte, wenn die Assets eines Fonds
leicht liquidierbar sind (Aktien, Anleihen, nicht jedoch
Kreditverbriefungen oder Immobilien).
schrieb am 03.10.08 17:40:04
Antwort auf Beitrag Nr.:
35.399.303 von Pfandbrief am 03.10.08
16:59:50Ich habe auch bei dem Depot meiner Mutter,
welches ich in den vergangenen Jahren mit solchen Witwen und Waisen
Fonds ausgestattet hatte erst einmal alle offenen ImmoFonds
liquidiert.
Mir ist einfach nicht geheuer, was da im Portfolio unter Cash
Anteil gehalten wird. Das beobachte ich erst einmal von der
Seitenlinie.
Einsteigen kann man später immer noch wieder. Da verpasst man zur
Zeit nichts.
Mal die steuerliche Betrachtung außen vor, die Rendite bekomme ich
zur Zeit auch ohne Risiko auf einem Tages- oder Festgeld.
Gruß
Das Postguru
schrieb am 03.10.08 18:04:50
Antwort auf Beitrag Nr.:
35.396.447 von Pfandbrief am 03.10.08
14:10:49"Jemand, der den Markt täglich beobachtet,
kann sowas also als Sparbuchersatz kaufen, aber er muss immer auf
der Hut sein."
Kann ich denn überhaupt die täglichen Zu- und Abflüsse eines
offenen Immobilienfonds irgendwo nachsehen ?
schrieb am 03.10.08 18:21:09
Taggenau meines Wissens nach nicht...es mag Fonds geben, die das
veröffentlichen. Aber man muss halt auf gewisse Anzeichen schauen.
Z.B. es gibt einen Run auf einen anderen Fonds. Oder urplötzlich
steigt der Rücknahmewert nicht mehr linear. Oder es gibt einen
Artikel in einer vielgelesenen Zeitung, in dem auf das oben
beschriebene Problem aufmerksam gemacht wird.
Dann sollte man allerdings besser flott unterwegs sein...
schrieb am 03.10.08 20:18:11
Beim SEB Immoinvest (DE0009802306) ist mir aufgefallen, dass sich
der Kurs in den letzten Wochen etwas untypisch, im Vergleich zu
seinem bisherigen Chartverlauf verhalten hat.
Hat vielleicht dazu jemand Infos zu den Gründen ?
schrieb am 04.10.08 08:09:34
Antwort auf Beitrag Nr.:
35.403.265 von TokioBill am 03.10.08
20:18:11Das liegt an dem erwähnten Cash Anteil.
Der Fonds hält zB den "SEB Immo Cash" ist scheinbar ein eigener
Fonds nur für die Baranteile des Fonds. Kann man nicht
einsehen.
Aber schau dir mal die 3 Geldmarktfonds von SEB an, dann erhälst du
vielleicht einen Eindruck warum die Vola raufgeht.
SEB MoneyMarket DE0009769158
SEB Geldmarkt Euro DE0009769026
SEB EuroCash Spezial I LU0036593480
Gruß
Das Postguru
Interessante Diskussion unter:
http://www.wertpapier-forum.de/index.php?showtopic=6720&st=2…
schrieb am 04.10.08 08:34:54
Antwort auf Beitrag Nr.:
35.407.226 von postguru am 04.10.08
08:09:34Ich bin um offene Immofonds nicht so besorgt,
sofern ein hoher Cashbestand nicht dafür verwendet wird,
Liquiditätslöcher bei Banken zu stopfen. Wenn die Mieter solide
bzw. nicht stark fremdfinanziert sind und einen konstanten Cashflow
haben, wird sich der Immowert nach dem Ertragswertverfahren stabil
zeigen.
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