Das war wohl nix
Wieder Pleite-Gefahr - 35-Milliarden-Hilfe reicht Hypo Real Estate
nicht
Von Jörg Eigendorf und Sebastian Jost 4. Oktober 2008, 16:16
Uhr
Banken und Staat in Deutschland wollten die Hypo Real Estate mit
einer Milliarden-Bürgschaft vor der Insolvenz bewahren: Doch nach
Informationen von WELT ONLINE reicht der Kredit von 35 Milliarden
Euro dem Dax-Konzern nicht.
Jetzt ist die Rede
von bis zu 50 Milliarden Euro Bedarf allein bis Ende
2008.
Die angeschlagene Hypo Real Estate (HRE) braucht offenbar
kurzfristig deutlich mehr Geld als bislang bekannt. Nach
Informationen von WELT ONLINE aus Finanzkreisen hat die Deutsche
Bank bei einer Prüfung festgestellt, dass der kurzfristige Kredit
von 15 Milliarden Euro und die langfristige Refinanzierung von 35
Milliarden Euro bis in die zweite Jahreshälfte 2009 nicht
ausreichen. Auf dieses Volumen hatte sich die Bundesregierung mit
der deutschen Finanzbranche geeinigt.
Das Ergebnis ihrer Prüfung teilte die Deutsche Bank in einer
Telefonkonferenz mit, an der neben Vertretern der Bundesanstalt
für Finanzdienstleistungsaufsicht und der Bundesbank auch Manager
aller Bankengruppen und der Versicherungsbranche teilgenommen
haben. Dem Vernehmen nach soll die Höhe des anstehenden
Liquiditätsbedarfs der Hypo Real Estate bis
Ende der kommenden Woche auf 20 Milliarden Euro
beziffert worden sein.
Bis Jahresende würden bis zu 50
Milliarden Euro fehlen,
bis Ende 2009
sogar 70 bis 100 Milliarden Euro. Die Bundesbank und die
Finanzaufsicht BaFin wollen diese Zahlen noch an diesem Wochenende
auf ihren Gehalt prüfen.
Damit muss das in den vergangenen Tagen mühsam ausgehandelte
Rettungspaket aufgeschnürt und neu verhandelt werden. Das
bisherige Hilfsprogramm, für das der Bund und die Finanzwirtschaft
haften, sollte der HRE für die kommenden Wochen bis zu 15
Milliarden Euro an zusätzlicher Liquidität verschaffen. Der
endgültige Notkredit, der danach greifen würde, beläuft sich auf 35
Milliarden Euro. Für 8,5 Milliarden dieser 35 Milliarden Euro bürgt
die Finanzbranche, für die restlichen 26,6 Milliarden Euro der
Bund.
Die entsprechenden Verträge sind bislang aber noch nicht
unterschrieben.
Offenbar will nun die Bundesregierung neu verhandeln, wer die Last
trägt. Die Finanzbranche sieht hingegen inzwischen keinen weiteren
Spielraum. "Es ist allerhöchste Zeit, dass die Bundesregierung den
Ernst der Lage erkennt", sagte ein Banker.
Durch die neue Entwicklung ist die Situation um die Hypo Real
Estate nun wieder offen. Sollte es kurzfristig keine Einigung
geben, droht die Insolvenz der Immobilienbank - es sei denn, die
Bundesregierung und die Zentralbank finden eine Möglichkeit, den
Refinanzierungsspielraum der Bank zu erweitern.
Die Hypo Real Estate war durch Liquiditätsprobleme ihrer
Staatsfinanzierungs-Tochter Depfa in Schwierigkeiten geraten. Die
Depfa hat langfristige Investitionen mit kurzfristigen Mitteln vom
Geldmarkt refinanziert, die nach der Pleite der Investmentbank
Lehman Brothers weitgehend versiegt sind.
http://www.welt.de/wirtschaft/article2529833/35-Milliarden-H…